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Angewandte Künste Chinas
Kunsthandwerk

Wer heute nach China reist, erlebt die Förderung und den Ausbau der Herstellung künstlerischer und kunsthandwerklicher Gegenstände in einem Masse, wie es noch vor 20 Jahren für unmöglich gehalten wurde. Eine besondere Betonung liegt auf der Weiterverwendung traditioneller Gestalungsformen wie auch dem Einbringen individueller ästhetischer Elemente. Landschaftmalereien und Stilleben mit Blumen und Vögeln im Stil der alten Meister kommen wieder zu Ehren.

Chinas Kunsthandwerk kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Zum Teil wurde es schon vor 4000 bis 5000 Jahren entwickelt. Unter dem Volk ist die Redensart gebräuchlich: Die Kunstfertigkeit des Menschen übertrifft die Natur, um Begabung und Schöpferkraft der Kunsthandwerker zu beschrieben.

In den letzten Jahren sind auf allen Gebieten des Kunsthandwerks – in der Schnitzerei, im Weben und Sticken, bei der Herstellung von Lackwaren und in der Metallarbeit ebenso wie beim Flechten, in den bildenden Künsten, in der Keramik, in der Fertigung von Bildern aus Federn und aus Rinderhorspänen sowie bei Scherenschnitten-viele Werke eintstanden, die in ihrer künstlerischer Fertigkeit ein bestimmtes Niveau erreicht haben. Gleichzeitig hat die angewandte Kunst in China neue Entwicklungen zu verzeichnen. So sind zum Beispiel formschön bemalte Sonnenschirme, Faltfächer, hübsches Speilzeug sowie bei den nationalen Minderheiten beliebte, bestickte Kleider und Schmucksachen für den ungesättigten Markt hergestellt worden.

Die Cloisonne - Techjnik dabei entstehen Metallgegenstände mit Email-Dekor- gab es spätestens schon in der Ming Zeit. Bei der Cloisonne-Technik werden auf den metallenen Gefässkörper Metallstege aufgelötet, sie bilden die Umrisse der Ornamente. Die Räume zwischen den Stegen werden mit farbiger mit Emailpaste ausgefüllt und im Ofen aufgebrannt. Zum Schluss werden die nicht mit Emaildekor bedeckten Metallflächen vergoldet. Schon früh hat man gelernt, Emailfarben auf Porzellan aufzuschmelzen. Dei Muster sind häufig in Gestalt von Blüten und Wolkenbändern. Die dominierenden Farben sind Tierkis, Blau, Dundelrot, Weiss, Gelb und Dunkelgrün.

Jade, mild glänzend und farblich reich nuanciert, ist Chinas kostbarster Stein. Die Chinesen kannten die Jade bereits im Altertum, populär wurde sie erst im 189. Jahrhundert. Die Farben variieren von Weiss bis Grün, auch Rot und Gelb kommen vor. In China am meisten geschätzt wird ein klares Smaragdgrün. Nach uralten Vorstellungen stammte der "Yu" genannte Schmackstein aus den heiligen Bergen, man hielt ihn für kristallisiertes Mondlicht. Die ältesten bisher gefundenen Jaden entstanden aus der Zeit des Altertums. Bei den Gegenständen handelt es sich vermutlich um Ritualobjekte. Etwa seit dem 5. Jahrhundert wird Jade auch zu Schmuck und Dekorationsgegenständen verarbeitet. Für die Chinesen ist Jade seit Urzeiten die edelste mineralische Substanz. Seit dem 11. Jahrhundert gilt der Jadekaiser in der daoistischen Volksreligion als die oberste himmliche Gottheit. In China heisst es heute, in den Jadeschnitzereien des Landes wurden über 30 verschiedenen Jadearten verarbeitet. Berühmt sind die Schnitzereien in Qingtian (Provinz Zhejiang), in Shoushan (Provinz Fujian) und Liuyang (Provinz Hunan). Echte Jade fühlt sich stets kühl an und lässt sich mit einem Messer nicht anritzen. Die Qualität der Jade richtet sich u.a. nach dem Stein, dessen Farbe, Transparenz und Musterung.

Der Steinschnitt ist in China ebenfalls ein Kunsthandwerk mit langer Geschichte. Viele Arten und grosse Variationen des künstlerischen Stils sind bekannt. Solche Kunstwerke werden in vertieftem oder flachem Relief ausgeführt, rund-plastisch oder durchbrochen geschnitten. Je nach den natürlichen Farben des Steins und den Besonderheiten der Änderung bestimmen die Steinschneidekünstler ihre Motive und schaffen in geübtem Können verschiedene Werke, die von grossem künstlerischen Niveau sind.

Lackwaren bietet nicht nur allein dem Auge, sondern auch der Hand einen grossen Reiz, denn kaum ein anderes Material spricht den Tastsinn so sehr an. Die Rinde des in Mittel- und Südchina wachsenden Lackbaums sondert beim Einschneiden eien milchigen Saft ab, der in feuchter Luft erstarrt, trocknet und dabei braun wird. Diese trockene Lackschicht ist gegen Fruchtigkeit, Säure, Stösse und Kratzer unempfindlich und bietet sich daher als idealer Schutz von Materialien wie Holz und Bambus an. Die bisher ältesten Funde von Lackegegenständen stammen aus der Zeit 5000 v.u.Z. Zur Herstellung von Lackwaren werden Schalen, Dosen, Kästen, Vasen, Möbel usw. Aus verschiedenen Materialien (Holz, Bambus, Rohrgeflecht, Leder, Metall, Ton, Textilien, Papier) mit Lackhäuten überzogen. Beim Trockenlackverfahren bestimmt der Lack selbst die Form: Stoff oder Papier werden mit Lack getränkt in eine modellierte Form aus Holz oder Ton gepresst. Nach dem Trocknen wird die Form entfernt und das Stück mit weiteren Lackschichten überzogen. Schon zur Han-Zeit stellte man nach dieser Mothode Gefässe, Kästen und Teller her. Zur Tang-Zeit entstanden buddhistische Grossplastiken im Lackwaren-Verfahren. Die Farbkombination Rot-Schwarz, die vermutlich im 2. Jahrhundert v.u.Z. entstand, gilt bis heute als klassisch. Zur Song- und Yuan Zeit legte man Wert auf schlicht geformte Lackgegenstände. In der Ming Zeit wurde die Herstellung der Lackwaren verfeinert. Die Städte Beijing, Fuzhou, Guangzhou, Chengdu, Yangzhou und Suzhou waren für vorzügliche Lackwaren bekannt, die mit Schnitereien, Füllungen, Goldmalerei und Goldeinlagen bereichert und verziert wurden.

Seide und Porzellan

Die Kultivierung der Seidenrapenzucht soll bis ins 3. Jahrhundert v.u.Z. zurückreichen. Eine Legende erzählt, dass der Anbau von Maulbeerbäumen und die Zucht von Seidenraupen auf die Frau des mythischen Gelben Kaiser zurückgehen.

Seide hatte jahrhundertelang auch den Rang einer Währung: Beamte und Offiziere wie auch Gesandte anderer Länder wurden nicht selten mit Seidenballen entlohnt oder beschenkt.

Über die Seidenstraße gelangte Seide bis in den Vorderen Orient und ins Römische Reich. Bis ca. 200 v.u.Z. hatten die Chinesen das Seidenmonopol inne, dann wurde das Geheimnis der Herstellung in Korea und Japan bekannt. In den Westen gelangte diese Wissen allerdings erst Mitte des 6. Jahrhunderts. Die Chinesen hatten die Ausfuhr von Seidenraupeneiern und die Verbreitung der Kenntnis ihrer Zucht verboten. Dennoch soll es einem Mönch gelungen sein, in seinem Pilgerstab einnige Raupeneier mit in den Westen zu bringen.

Die heutigen Zentren der Seidenherstellung sind die Gebiete in Südchina um Hangzhou, Suzhou und Wuxi. Vor allem in dieser Rigion sind Seidenprodukte sehr preisgünstig. In Hangzhou befindet sich das grösste Seidenkombinat der Volksrepublik China. In Suzhou gibt es Werkstätten, die die Seidenstickerei bis zur künstlerischen Vollendung entwickelt haben. Die Seidenherstellung machte Suzhou bereits zur Tang Zeit bekannt. Sie war Haupterwerbsquelle der Bevölkerung bis 1949. Die Besichtigung der Seidenfabrik und des Stickereimuseums sollte man sich nicht entgehen lassen.

Etwa im 7. Jahrhundert und damit tausend Jahre früher als die Europär, erfanden die Chinesen das Porzellan. Die Entwicklungsgeschichte chinesischer Keramitwaren reicht aber bis in die antike Zeit zurück. Entlang des Gelben Flusses (Huanghe) und des Yangtze Fluss (Changjiang) entdeckt man 7000 bis 8000 Jahre alte keramische Gefässe, rote und auch schwarze Tonwaren mit Kamm – und Schnurmuster. Die Yangshao – und Longshan Kultur im 5. bis zum frühen 2. Jahrtausend v.u.Z. entwickelte neue Gefässtypen und eine Mustervielfalt in Rot, schwarz oder Braun; auch menschenähnliche Masken und stillisierte Fische wurden damals geschaffen. Hartes, kompaktes, dünnwandiges Steinzeug entstand mit Glasuren uas Kaolin. Typisch für die Han Zeit ist meist hellgraues Steinzeutg mit hellgraugrünen bis dunkelgrünen Glasuren, die nach den Brennereien der Stadt Yuezhou benannte Yue Ware. China war in Europa und Verderasien bereits zur Tang Zeit als "Heimat des Porzellans" bakannt.

Zur Färbung der häufigsten Porzellanart des alten China mischte man der Glasur etwas Eisenoxyd bei. Dies bewirkte im Reduktionsbrand die grüne Tönung des Porzellans. Weltbakannt war die "Sancai Keramik", d.h. die Keramik mit Dreifarbengelasur aus der Zeit der Tang Zeit. Bei den Glasuren handelte es sich meist um kräftiges Grün, Gelb und Braun. Sancai Keramiken sind auch bei den Grabfiguren der Tang Zeit zu finden. Pferde, Kamele, Wechter in Tier - und Menschengestalt, Hofdamen udn Beamte. Auch das sonzeitliche "Seladon", blassgrün bis moosgrün, blassblau oder blassgrau, bis zu braunen Tönen hin, war technisch perfekt. Figuren, Landschaften und Theaterszenen sind in der darauffolgenden Ming Zeit immer wiederkehrende und beliebte Motive. Im Westen war das berühmte Blauwweiss Porzellan aus der Ming Zeit fast ein Synonym für China. Zwar brillierte im Umgang mit diesem Werkstoff auch schon die Song Dynastie, die sich auf das "Weisse Porzellan" und das Seladon spezialisiert hatte, aber erst unt4er der Ming Dynastie erreichte die chinesische Porzellanherstellung Weltgeltung.

Zu Beginn der Qing Dynastie erreichte das Blau-Weiss-Porzellan höchste Qualität. Seit dem 14. Jahrhundert ist Jingdezhen das Zentrum der Porzellanherstellung. Heute kann Porzellan relativ preiswert in ganz China erworben werden.

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