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Bewässerungsanlage Dujiangyan

Dujiangyan Bewässerungsanlage
Bewässerungsanlage Dujiangyan

 

60 km nordwestlich von Chengdu liegt bei der Stadt Dujiangyan das Kernstück der ältesten bis heute in Betrieb befindlichen Bewässerungsanlage der Erde. Was sich anhört, als sei es nur etwas für technikgeschichtlich Interessierte, bietet in Wirklichkeit vielen etwas: eine Fluss- und Berglandschaft, eine imposante Tempelanlage und einen schönen Park. Dujiangyan ist Unesco Welterbestätte.

Um 250 v. Chr. Wurde die Anlage von Li Bing, dem örtlichen Präfekten des Staates Qin, konzipiert und unter seiner und seines Sohnes Leitung als ein für damaliges Verhältnisse gigantisches und kompliziertes Bauprojekt organisiert und umgesetzt. Die Haupterkenntnis Li Bings war, dass genau von dort aus, wo der Min Fluss auf die Ebene trifft, sich dessen Wasser nutzbringend verteilen lassen, so dass eine grosse Fläche Ackerlands weitgehend unabhängig von den unregelmässigen Niederschlägen versorgt und obendrei die Gefahr unkontrollierter überschwemmungen gemindert wird. Um das Flusswasser derart verwenden zu können, mussten allerdings zwei Probleme gelöst werden: Zum einen war eine Anhöhe zu durchstechen, und zum anderen musste der Zufluss geregelt werden. Als Drittes kam hinzu, dass Ablagerungen an Sand und Geröll, die das Wasser mit sich brachte, regelmässig zu entfernen waren. Was Vater und Sohn Li damals dank ihrer Erfindungsgabe und Ingenieurskunst sowie unter Mobilisierung zahlloser Arbeitskräfte leisteten, kann man trotz einiger moderner Umbauten und Erweiterungen noch heute an Ort und Stelle besichtigen und nachvollziehen.

Kernstück ist eine dammartige Insel, die an ihrer Spitze, Fischmaulgenann, den Min Fluss teilt. Um die abzuleitende Wassermenge zu regulieren, wurden dort - und werden manchmal heute noch zu demonstrationszwecken - grosse hölzerne Dreibeingestelle in den Fluss gestellt sowie durch kieselgefüllte, viele Meter lange, röhrenförmige Bambuskörbe beschwert und miteinander verbunden.
Die Besichtigung der Anlage beginntman am besten am Osthang des Gebirgsausläufers, der direkt am Ming Fluss die Wasserscheide bildet. Dort steht an der Straße der mit pagodenartigen Dächern verzierte Aussichtsturm Qinyan Lou ( Turm des Qin Damms), der einen Panoramablick über den Fluss mit der Flussteilungsinsel gewährt. Vom Pavillon steigt man Richtung Fluss hinab zu einem grossen, prächtigen Tempel, der dem Gedenken an Li Bing und seinen Sohn gewidmet ist. Sein Name "Zweikönigstempel" bezieht sich auf postume Ehrentitel der beiden.

Vom Gedenktempel geht es weiter abwärts zu einem Weg oberhalb des Flussufers. Nach rechts gelangt man zu einer Stelle, wo die hölzernen Dreibeine und die kieselgefüllten Bambusrollen zur Besichtigung aufgestellt sind. Von dort führt eine arg schwankende Hängebrücke auf die Insel. Vom Ende der Hängbrücke sind es nach rechts nur wenige Schritte bis zum "Fischmaul", der flussaufwärts gerichteten Flussteilungsspitze. Auf ihrer Aussenseite wurde eine moderne Schleusenanlage errichtet, die heute die Flussregulierung bernimmt. Man geht dann - oder fährt mit einem offenen Elektrokarren - zum Südende der Insel. Kurz bevor man es erreicht, sieht man links den vor über 2200 Jahren gegrabenen Durchstich names "Schatzflaschenöffnung" ( Baopingkou ), durch den das abgeleitete Wasser die anschliessenden Bewässerungskanäle speist.

Der Rundgang endet in der gepflegten, kunstreich bepflanzten Anlage des Lidui Parks. Auf dem Hauptweg sind eiserne "Schläfer" zu sehen, Gusseisenzylinder, die seit der Ming Zeit ins Kanalbett gelegt wurden als Markierung für die Solltiefe, die beim allwinterlichen Entfernen unerwünschter Geröll- und Sandablagerungen zu erreichen war. Mehr erfreut allerdings der Anblick uralter, knorriger Ginkgos, die wie bei einem Bonsai künstlich verzwergt wurden - freilich bei vier, fünf Metern Höhe.

Der "Tempel der Drachenzähmung" - gemeint ist die Bezwingung des Wassers - steht ganz im Norden des Parks auf einer Anhöhe. Von hier aus überblickt man den Kanaldurchstich. Im Tempel ist eine 1974 aus dem Flussbett geborgene, 2,9 m grosse Steinfigur zu sehen. Sei stellt Li Bing, den "Vater" von Dujiangyan, dar und entstand laut einer Inschrift im Jahre 168. Vom Park verkehrt ein Sessellift zum Zweikönigstempel - eine schöne, wenn auch recht luftige Form der Anreise.
 

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