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Die Provinzhauptstadt von Sichuan ist eine wahre Metropole, selbstbewusst, dynamisch, dabei aber auch ein
Ort für Müssigänger, Flaneure und Gourmets, zudem
Ausgangs- und Angelpunkt für Reisen durch die
bevölkerungsreichste Provinz Chinas, die mehr
erstrangige Attraktionen bietet als mancher Staat in
Europa.
Chengdu ist im Ausland zu Unrecht wenig bekannt. Dabei
hat sich hier ein bisschen Chinaexotik erhalten, die
woanders spurlos verschwunden ist - danke der Teegärten
mit ihren Dienstleistern: Masseuren, Schuh- und - kein
Scherz! - professionellen Ohrputzern.
Trotz ihrer Grösse kann man sich in der Stadt gut
orientieren. Vom zentralen Tianfu Platz aus - mit einer
Ausstellungshalle und einer monumentalen Mao-Statue
davor - führt ein Kreuz von Hauptstraßen in alle
Himelsrichtungen. Ein konzentrisches Synstem von
Ringstrassen umschliesst die Stadtmitte. Hilfreich zur
Orientierung sind auch die Flüsse, die das Zentrum von
drei Seiten umschliessen.
Hauptfluss ist der Fu He, doch bekannter ist der
zentrumsnahe Nan He, vor allem unter seinem poetischen
Beinamen "Brokatfluss" (jinjiang). Er liefert der Stadt
im Süden gewissermassen eine Schauseite mit Promenade
und Teegärten, ist selbst allerdings kein berauschender
Anblick. Mehr noch lohnt ein Bummel durch die
Nebenstrassen, denn abseits der Hauptachsen und modernen
Konsumtempel findet sich noch viel traditionelles Leben
mit Gemüsemärkten, Garküchen und vielen kleinen Läden.
Chengdu und seine Umgebung sind sehr geschichtsträchtig.
Als traditionelles Zentrum des Roten Beckens wurde es im
4. Jahrhundert v. Char. Bereits Hauptstadt des Königreichs Shu.
Zu Zeiten der Reichsteilung wurde Chengdu auch später
wiederholt Hauptstadt einzelner Reiche, so von 221 bis
263, als hier die "kleine Han-Dynastie" bestand. Bereits
zuvor hatte sie sich durch den Fleiss ihrer Bewohner,
die kunstvolle Seidenstoffe webten, ihren Beinamen
"Brokatstadt" verdient, den sie noch heute trägt. Auch
Salz- und Teehandel sowie die Papierherstellung und die
Buchdruckerkunst trugen über Jahrhunderte zu Chengdus
Wohlstand bei. Chengdu trägt seit dem 10. Jahrhundert noch einen
zweiten Schmucknamen: "Hibiskusstadt". Ihm versucht die
Stadtregierung in letzter Zeit durch entsprechende
Bepflanzung wieder stärkter gerecht zu werden. |
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