Wenn Sie zum ersten Mal nach China reisen und bis jetzt, wenn überhaupt, nur chinesische Restaurants in
Deutschland besucht haben, so wissen Sie vermutlich noch
nicht genau, was Sie in China erwartet.
Hier deshalb
einige Informationen zum Essen aber auch zu chinesischen
Tischmanieren!
Essenszeiten
Wie wir, so essen auch die Chinesen 3 Mal am Tag.
Allerdings nehmen sie die Mahlzeiten meist 1-2 Stunden
früher ein, als wir es gewohnt sind.
Das Frühstück wird in der Regel bereits um 7 Uhr
gegessen. Häufig ist man veschiedenerlei gefüllte
Teigtaschen oder Nudeln.
Zum Mittagessen gegen 11 oder
12 Uhr werden ebenso wie zum Abendessen (meist zwischen
17 und 18 Uhr) unterschiedlichste warme Speisen gereicht.
Chinesische Gerichte
Chinesische Gerichte bestehen meist aus einer Vielzahl
an unterschiedlichen Hauptgerichten von denen alle
gemeinsam essen. Zusätzlich hat jeder einzelne in der
Regel eine Reisschüssel vor sich stehen, die manchmal
jedoch auch erst gegen Ende der Mahlzeit gereicht wird.
Die Hauptgerichte werden vor allem im Restaurant nach
und nach serviert, schlagen Sie sich also nicht direkt
den Bauch voll! Es ist übrigens nicht unhöflich, die
Reisschüssel mit der linken Hand näher zum Mund zu
führen, um sich das Essen so zu vereinfachen.
Mit den Stäbchen nimmt man sich von den Hauptgerichten,
die häufig auf einer runden Drehscheibe angeordnet sind,
was man gerade essen möchte. Sollten Sie mit dem Umgang
mit Stäbchen nicht vertraut sein, so werden Sie diesen
recht schnell erlernen. Es ist aber in fast allen
Lokalen oder auch zu Hause möglich Besteck zu erhalten.
Traditionell wird selten etwas anderes als Tee zu den
Mahlzeiten zum Trinken gereicht, doch es ist
selbstverständlich möglich um einen Softdrink oder auch
ein Bier zu bitten. Häufig wird gegen Ende der Mahlzeit
eine Suppe serviert, welche die Chinesen als Getränk
betrachten. So sagt man auf Chinessich auch Suppe
trinken und nicht essen.
Die chinesische Küche ist genauso vielfältig wie Chinas
Bevölkerung und Fläche groß ist. In der Regel unterteilt
man die chinesischen Gerichte in vier verschiedene
Geschmacksrichtungen:
1) Shandong Küche
Region: Die Provinz Shandong liegt relativ weit nördlich
und am Meer. Die Shandong Küche ist am gesamten
Einzugsgebiet des Gelben Flusses verbreitet.
Hauptmerkmale: Die Shandong Küche nutzt eine große
Auswahl an Zutaten und kennt viele verschiedene
Zubereitungsarten. Besonders bekannt ist sie für ihre
Suppen und fein zubereiteten Meeresfrüchte. Die
sogenannte Konfuziusküche, die ebenfalls zur Shandong
Küche gezählt wird, legt einen Schwerpunkt auf Üppigkeit
und prachtvolle Präsentation. Alle Speisen sind meist
sehr kalorien- und proteinreich.
Beispielgerichte: Geschmorte Seegurken mit Lauch,
Gebratene Tintenfischeier, Geschmorte Haifischflossen,
Geschmortes Hähnchen
2) Sichuan Küche
Region: Die Provinz Sichuan liegt im Westen
Zentralchinas. Im Wesentlichen setzt sich die Sichuan
Küche aus Gerichten der Städte Chengdu und Chongqing
zusammen.
Hauptmerkmale: Sichuan wird als Speisekammer Chinas
bezeichnet, was bereits auf die Vielfalt der genutzten
Zutaten hinweist. Dementsprechend groß ist die Vielzahl
an Gerichten, darunter unterschiedliche Teigwaren und
winzige Snacks.Die entscheidende Geschmacksrichtung ist
scharf, aber es gibt auch süß-scharfe und sauer-scharfe
Gerichte.
Beispielgerichte: Gekochter Karpfen, Bärentatze,
Mapo-Bohnenkäse, Hühnerwürfel in Bohnenpaste, Geröstetes
Hühnerfleisch in Soße.
3) Guangdong Küche (auch als kantonesische Küche bekannt)
Region: Die Provinz Guandong liegt im äußersten Süden
Chinas am Meer. Die Gerichte stammen meist aus den
Städten Guangzhou, Chaozhou und Dongjiang.
Hauptmerkmale: Die Guandong Küche ist ebenfalls für ihre
nahezu unendliche Auswahl an Zutaten bekannt. Sie
zeichnet sich durch grosse Raffinesse und einen
unverwechselbaren Geschmack aus.
Beispielgerichte Schlangenbrühe, Gedünstetes Spanferkel,
Wachskürbis mit acht Kostbarkeiten, Gebratene Garnelen,
Gekochte Pilze, Gebratene Schweine
4) Huai Yang Küche
Region: Diese Küche umfasst Speisen der Städte Yangzhou,
Zhenjiang und Huai’an, die alle in der Provinz Jiangsu
im Osten Chinas und ebenfalls am Meer gelegen sind.
Hauptmerkmale: Die Huai Yang Küche legt besonderen Wert
auf Farbe und Form aber auch auf feinen, frischen und
zarten Geschmack. Besonders zu empfehlen sind Kuchen und
kleine Snacks. Die typische Geschmacksrichtung ist
salzig und zugleich ein bisschen süß.
Beispielgerichte: Bettler-Hähnchen, Mandarinfisch mit
süßsaurer Soße, Gekochte Hühnerfleischscheiben,
Gesalzene Ente, Gedämpfte Karauschen in Lotosblättern.
Absolute No-Goes beim Essen
Wenn Sie mit Chinesen zusammen essen, sollten Sie nie...
... die Esstäbchen in den Reis stecken. Dies ist ein
Symbol für die Toten und bedeutet auch für Ihren
Gastgeber ein schlechtes Omen. Legen Sie die Stäbchen
also einfach quer über die Reisschüssel oder auf die
extra dafür vorgesehenen Porzelanbänkchen
... alleine eine Zigarette rauchen, ohne Ihren Nachbarn
zumindest ebenfalls eine anzubieten
... ihre Nase am Tisch putzen und vor allem nicht
anschliessend das benutzte Taschentuch in die Hose
stecken. Gehen Sie lieber auf die Toilette.
Außerdem wird es teilweise noch immer als unhöflich
gesehen, alle Hauptmahlzeiten aufzuessen, vor allem,
wenn man zu jemandem nach Hause eingeladen wurde. Das
Reisschälchen zu leeren, zeigt das es geschmeckt hat.
Doch wenn man die Hauptspeisen aufisst, könnte der
Gastgeber den Eindruck bekommen, nicht genügend Speisen
zur Verfügung gestellt zu haben.
Achtung gewöhnungsbedürftig!
Die chinesischen Tischsitten unterscheiden sich auf so
manche Art und Weise von den unsrigen. Für die Chinesen
ist Essen meist ein wahrer Genuss und jede Mahlzeit eine
Festspeise. Dabei ist es absolut nicht unhöflich, zu
schlürfe, zu schmatzen oder auch zu rölpsen.
Außerdem ist es ganz normal, Speiseabfälle auf den Tisch
zu spucken, zumal dieser meist genau aus diesem Grund
über eine leicht zu säubernde Oberfläche verfügt. Je
nach Lokalität werden Reste oder Müll auch einfach auf
den Boden geworfen. Es ist –vor allem für Männer- auch
üblich während des Essens zu rauchen. Man sieht also
häufig Männer, die in der einen Hand die Essstäbchen und
in der anderen eine Zigarette halten.
Auch so manche Speise wird Ihnen sicher
gewöhnungsbedürftig erscheinen. Hier gilt zunächst
einmal, seien Sie der neuen Küche gegenüber offen, denn
nicht zu unrecht gilt sie als eine der besten der Welt.
Etwas was Sie zunächst am liebsten weit von sich weisen
würden, kann sich als eine kleine Delikatesse
herausstellen! Wenn Sie eine Speise aber absolut nicht
essen wollen, so bleiben Sie höflich und geben Sie einen
Grund vor. Ihr Gastgeber wird diesen Hinweis meist
verstehen und Ihnen die Speise nicht aufzwingen.
Ähnliches gilt übrigens für alkoholische Getränke. Wenn
Sie einmal zugestimmt haben, Alkohol zu trinken könnten
Sie unter Umständen schnell nicht mehr wissen, dass
wievielte Glas es inzwischen ist. Um dies zu umgehen,
ist es am geschicktesten bereits im Vorhinein zu sagen,
dass Sie –zum Beispiel auf grund von Medikamenten-
keinen Alkohol trinken können.
Essen im Restaurant
Auch die Stimmung in einem chinesischen Restaurant
unterscheidet sich häufig von der in einem deutschen
Lokal.
Sie sollten auf große Runde Tische eingestellt sein, auf
deren Mitte eine drehbare Platte steht, auf welcher die
Speisen serviert werden.
Grundsätzlich ist es in China häufig wesentlich lauter
und lebhafter als in Deutschland, egal ob im Supermarkt,
im Kleidungsgeschäft oder im Restaurant. Die Chinesen
genießen eine lebendige Atmosphäre. Lautstarke Gespräche
und auch lautstarkes Essen sind ebenso normal wie Musik.
Daher gibt es in chinesischen Restaurants häufig mehrere
abgetrennte Räume, in denenen man sich ein bisschen vor
der Geräuschpegel im Lokal schützen kann, was vor allem
bei Geschäftsessen häufig genutzt wird.
Zum Schluss noch eine letzte wichtige Frage: Essen die
Chinesen wirklich Hund?
Ja, es gibt Gegenden in Chinas Süden (vor allem die
Provinz Guandong), in denen tatsächlich Hundefleisch auf
den Tisch kommt, aber: Dies gilt tatsächlich nur für
diese Region, die auch ansonsten eine sehr vielfältige
Speiseliste hat. Hier sind auch Schlangen, Vögel und
andere Exoten keine Seltenheit. In anderen Gebieten
Chinas werden Sie kaum Hunde- oder Katzenfleisch finden
und viele Chinesen dort finden das Verhalten der
Südchinesen genauso merkwürdig wie Sie. Nicht umsonst
heißt ein weitverbreiteter Spruch im Norden: In Südchina
ist man alles, was vier Beine hat und kein Tisch ist und
alles was fliegt und kein Flugzeug ist. |
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