Das Chinesische Neujahr, in China unter dem Namen „Chūn
Jié” (Frühlingsfest) bekannt, hat eine lange und
großartige Geschichte. In anderen Ländern sind zu dieser
Zeit die meisten guten Vorsätze, die am 31. Dezember
getroffen wurden, längst vergessen und in die Schublade
„vielleicht nächstes Jahr“ gesteckt worden.
Dennoch ist nicht alle Hoffnung verloren, da die
Feierlichkeiten am Chinesischen Neujahr, welches
meistens Ende Januar oder Anfang Februar stattfindet,
eine zweite Change bieten von Neuem anzufangen.
Der Ursprung des Chinesischen Neujahrfestes ist
jahrhundertealt – eigentlich zu alt, um seine Spuren
tatsächlich verfolgen zu können.
Einer altertümlichen Legende nach soll ein
menschenfressendes ungeheuerliches Monster namens „Nian“,
das „Jahr“, am Tag vor dem Neujahr aus den bergen nach
China gekommen sein und schüchterte dort die Bewohner
ein, indem es Mensch und Vieh fraß. Sie erkannten
jedoch bald, dass das Ungeheuer vor roter Farbe, Feuer
und Lärm zurückschreckte und bedeckten Fenster und Türen
mit rotem Papier, machten Feuer und lärmten mit
Feuerwerkskörpern und Trommeln.
Das Monster zog sich zurück, aber jedes Jahr aufs Neue
am Früchlingsfest ziehen die Menschen rote Kleidung an,
essen rote Speisen, zünden Feuerwerke und dekorieren
ihre Häuser mit roten Papierstreifen, um „Nian“ Angst
einzujagen und ihn abzuhalten zurückzukommen.
Es wird allgemein als das Frühlingsfest anerkannt und
traditionell 15 Tage lang gefeiert. Die Vorbereitungen
neigen dazu bereits einen Monat vor dem Frühlingsfest zu
beginnen (ähnlich dem westlichen Weihnachten), wenn die
Menschen anfangen Geschenke, Dekorationsartikel, Kleider
und Essen zu kaufen. Tage vor dem eigentlichen Fest ist
ein riesiges Aufräumen im Gange. Die chinesischen
Haushalte werden von oben bis unten geputzt, um all die
Spuren des Pechs wegzufegen, und Fenstern und Türen wird
ein neuer Anstrich verpasst- üblicherweise rot-.
Wände, Türen, Fenster sind mit Papierbildern und Reimen
zu verschiedenen Themen, wie Glück, Freude, Gesundheit
und Langlebigkeit geschmückt.
Der Vorabend des Neujahres ist wahrscheinlich der
spannendste Teil des Festes, wenn sich langsam die
Erwartungenen und die Ungeduld auf die Feier
heranschleichen. Hier wird ein Wiedersehens-Dinner
abgehalten, an welchem weitentfernte und nahe Verwandte
zusammentreffen. Am Tag selbst findet ein alter Brauch
statt, genannt „Hóng Bāo“ (rotes Päckchen). Kindern
werden dabei von Erwachsenen und Verheirateten rote
Umschläge überreiecht, die Geld beinhalten.
Ganz nach dem Vorbild von Weihnachten wurde auch das
Beschenken unter Familienmitgliedern eingeführt.
Es wird herkömmlich neben anderen Gerichten Fisch und
Hähnchen gereicht. Beide repräsentieren
Zusammengehörigkeit, Glück und Wohlstand und sollen ein
erfülltes nächstes Jahr bringen. Darüber hinaus werden
andere typische Speisen, zum Beispiel Jiaozi, Fleisch-
und Fischknödel, vergetarische Gerichte, Trockenfrüchte
als auch frische Mandarinen und Orangen und vieles mehr
gereicht. Ganz gleich was aufgetischt wird; alle
Gerichte haben eine symbolische Bedeutung. Nach dem
Essen setzt sich die Familie meist zu einem Karten- oder
Brettspiel zusammen, oder schaut sich ein dem Anlass
gewidmetes Fernsehprogramm an.
Punkt Mitternacht leuchtet dann der Himmel; unzähligen
Feierwerkskörper deuten ein freudiges Jahr an und sind
mittlerweile wesentlicher Bestandteil des Chinesischen
Frühlingsfestes.
Das Ende des Frühlingsfestes ist gekennzeichnet durch
das Laternenfest, welches mit Gesang, Tanz und
Laternenshows gefeiert wird. Und obwohl die Bräuche des
Chinesischen Neujahrfestes variieren, ist die
grundlegende Botschaft Friede und Freude für die
Familenmitglieder und Freunde.