|
|
Die Stadt Guilin liegt im Nordostteil der Autonomen
Region Guangxi der Zhuang. Die Zhuang sind mit einer Bevölkerung
von mehr als 15 Millionen die grösste
nationale Minderheit Chinas. Die Region Guangxi gehört
schon zum tropischen Teil Chinas, die Sommer sind lang,
heiss und feucht. Die besten Reisezeiten sind im Frühling
und Herbst.
In der Abenddämmerung
mit dem Flugzeug in die karstige Hügellandschaft
von Guilin hineinfliegen – das ist einer der schönsten
Anflüge in ganz China,
und er bestätigt,
dass das am Li Fluss in Südchina
gelegene Guilin zu Recht als eine der schönsten
Landschaften Chinas gilt. Dieser Blick lässt
den Besucher die Verse des Tang Gelehrten Han Yu
(768-834) nachempfinden:
"Der Fluss ist wie ein grünes
Band aus Seide, und die Hügel
sind wie türkisfarbene
Haarnadeln aus Jade."
Die Gegend um Guilin entspricht der europäischen
Vorstellung von einer typischen chinesischen Landschaft,
wie sie häufig
auf Rollbildern dargestellt wurde. Hier, nahe der Stadt
mit dem bezaubernden Namen „Wald der Sassia“
(Zimtbaumwald) haben sich schon vor Jahrhunderten Künstler
ihre Anregungen von den Natur geholt. Die in
Jahrmillionen entstandenen Karstformationen zählten
für Maler und Dichter
zu den eindrucksvollsten Denkmälern
der Wirkungskräfte
der Natur.
Jeder zeitlich eng bemessene Aufenthalt in Guilin
erscheint den meisten Besuchern zu kurz. Die Landschaft
ist voller Anziehungspunkte, Felsen und Flüsse
verändern
ihr Aussehen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen,
und es ist faszinierend, jede Szenerie in vollem
Sonnenlicht, in der Abenddämmerung,
bei Regen oder in dunstigem Wetter zu erleben.
Der „Frühere Palast“
(Wangcheng) bildet den Mittelpunkt der Stadt. Von der
1393 fertiggestellten Anlage sind nur noch Teile der
Mauer und einige Fundamente erhalten. In dem
Mauergeviert ragt der „Berg der einzigartigen Schönheit“
(Duxiushan) auf. Die 152 Meter hohe Erhebung – es führen
300 Stufen hinauf – bietet einen hervorragenden Blick
über die Umgebung. Am
Fuss des Bergs findet man Inschriften im Felsen, von
denen einige aus der Tang Zeit, die meisten aber aus der
Ming Zeit stammen.
Die grösste und schönste
Tropfsteinhöhle nahe
Guilin ist die Schilfrohrflötengrotte,
eine der attraktivsten Sehenswürdigkeiten
dieser Gegend. Sie wurde nach dem Schilfrohr benannt,
das ihren Eingang beschattete und aus dem man früher
Flöten fertigte. Im
Laufe der Jahrhundert ewurden bizarre Formen
herausgebildet, in die man Märchenwesen
und Fabeltiere „hineinlesen“ kann. Tief im Inneren liegt
ein Raum, der 1000 Menschen Platz bietet und von den
Chinesen „Kristallpalast“ genannt wird. Einer Legende
zufolge war eine der Steinsäulen
die Zaubernadel des Drachenkönigs,
die von dem Affenkönig
(wie in dem beliebten chinessichen Roman „Die Reise nach
dem Westen“ geschildert) als Waffe verwendet worden sein
soll. Der Weg führt zu
einer Terrasse mit schönem
Parnorama.
Doch der besondere Reiz der Stadt Guilin liegt viel mehr
in der Szenerie der sie umgebenden Turm- und
Kegelkarstlandschaft, die als eine der schönsten
Landschaften Chinas gilt. Der nach einem Heerführer
der Han Zeit benannte „Fubo Hügel“
ist ein beliebtes Ausflugsziel. Entlang der Pfade und
Stufen zum Gipfel stehen ein riesiger Kessel und eine
2,5 Tonnen schwere Glocke, die früher
einmal im Fubo Tempel aufbewahrt wurden. Die
Tempelanlage ist nach Süden
ausgerichtet und besteht aus einer Anzahl Pavillons, die
einen herrlichen Ausblick auf die sie umgebende Hügellandschaft
und die Stadt gestatten.
Der Vierfarben Berg besteht aus mehreren Gipfeln. Seine
Kalksteinformationen mit ihren verschiednen Schichten
ähneln
den farbenprächtigen
Bündeln von Seidenfäden
– woher der Name stammt. Der Vielfarben Berg ist für
seine Höhlen mit Buddha
Figuren berühmt, die
seit der Tang Zeit in den Felsen geschlagen wurden.
Der südlich des
Stadtkerns gelegene Elephantenrüssel
Berg hat seinen Namen deshalb, weil er wie ein Elephant
aussieht, der seinen Rüssel
zum Triken in den Li Fluss hält.
Auch um diesen Berg ranken sich Legenden. Hoch oben
erhebt sich die „Puxian Pagode“.
Die Namen etlicher Berge rühren
allein von ihrer Form her, so zum Beispiel der des
„Kamel Berg“ und des „Berg des Aufstehenden Mondes“ im
Osten der Stadt oder der des „Bergs der Sieben Sterne“,
dessen Gipfel so geordnet sein sollen wie die Sterne im
Sternbild des „Grossen Bären“.
Dieser Berg enthält
sechs Höhlen, die alle
mit Stelen und Steininschriften aus der Tang Zeit gefüllt
sind.
Gegen 8 Uhr morgens verlassen die Ausflugsboote die
Anlegestelle, um sich auf eine der reizvollsten Fahrten
zu begeben, die man sich überhaupt
vorstellen kann. Die etwas sechsstündige
Reise auf dem Li Fluss geht viel zu schnelll vorbei, und
die Passagiere haben den Eindruck, sie befänden
sich auf einem Schiff, das sich gemächlich,
wie auf einer Reise in längst
vergangenen Zeiten, durch die Landschaft eines
chinesischen Gemäldes
bewegt. Vorbei an Fischern, die auch heute noch mit
angerichteten Kormoranen, deren Hals mit einem Ring oder
einer Schnur so abgebunden ist, dass nur ganz kleine
Beutetiere verschlungen werden können,
auf Fischfang gehen. Das Boot gleitet an berühmten
Felsen vorüber, die am
Ufer steil emporragen und schon in der Tang Zeit von
Dichtern und Malern verewigt worden sind. Rund 80
Kilometer führt der Weg
flussabwärts
durch die wunderbarsten Karstformationen, die die
Phantasie des Besuchers beflügeln
und in ein „Märchenland“entführen.
Das Boot fährt
zwischen Bambushainen dahin und versetzt den fremden
Gast in ein China, in dem die Zeit stehengeblieben zu
sein scheint. |
|