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Seit 1500 Jahren lang eine Kultstätte,
reiht sich der Jiuhua Shan (Neun Prächtige
Berge) in die heiligen buddhistischen Berge
Chinas ein, seit der koreanische Mönch
Jin Qiaojue ( der für
die Reinkarnatiion des Bodhisatitva Dizang
gehalten wurde, dessen Grundsätze
vertrat) hier 794 in einer abgeschiedenen Höhle
starb. Heute gibt es am Jiuhua Shan mehr als 60
Tempel – einige aus dem 9. Jahrhundert – sowie eine
umfangreiche Sammlung von Skulpturen, religiösen
Texten und frühen
Kalligrafien, aber auch massenweise Besucher (
viele davon im Ausland lebende Chinesen und
Koreaner) sowie einige
überdimensionale Bauprojekte, die den
ansonsten überschaubaren
Massstab des Jiuhua Shan zu
übersteigen
drohen. Dennoch kann man in den meist
schmucklosen, von Weihrauch und leisen Gesängen
durchdrungenen Hallen eine Atmosphäre
wahrer Andacht spüren.
60 km südlich
des Yangzi und trotz seiner Entfernung zu den
grossen Verkehrszentren ist der Jiuhua Shan
einfach zu erreichen. Von Qingyang schlängelt
sich die Strasse durch sattgrüne
Reisfelder und Bambuspflanzungen, vorbei an Dörfern
mit weiss getünchten
Häusern,
und immer wieder eröffnen
sich wunderbare Aussichten auf spitze Gipfel und
tiefe Täler.
Die Fahrt endet inmitten der Berge in dem
malerischen Dörfchen
Jiuhua Shan, wo sich rund um die wenigen
Kopfsteinpflasterstrassen die Unterkünfte
und berühmtesten
Tempel drängen.
Bei der Ankunft an den Toren des Dorfes wird ein
Eintrittsgeld zum Jiuhua Shan erhoben. Vorbei an
vielen Marktständen
– die Postkarten, allerhand Plunder,
wasserdichte Landkarten und Regenschirme ( hier
ist es meist sehr feucht0 anbieten – gelangt man
nach etwa 100 m zu einer Kreuzung, an der sich
die Strasse teilt und in einem etwa 2 km langen
Rundkurs um das Dorf führt.
Sehenswürdigkeiten
An einen Felsen gleich hinter den Dorftoren
schmiegt sich das imposante Qing Kloster Zhiyuan
Si mit glatten, vertikalen Mauern, geschwungenen
Dachvorsprüngen
und gelbem Ziegeldach. Das recht gross wirkende
Äussere lässt
kaum auf die Enge der vielen kleinen Hallen
schliessen, die mit Skulpturen
überladen sind,
darunter ein bärtiger,
hakennasiger Donnergott mit Reisszähnen,
der – so scheint es – aus seiner schützenden
Glasvitrine gleich hinter dem Eingang
auszubrechen vergoldete, von mehreren Arhat
umringte buddhistische Dreieinigkeit feierlich
auf einelnen Lotusblüten.
Dieser Ort bildet einen angemessenen Rahmen für
das alljährliche
Tempelfest, das zu Ehren von Dizang am letzten
Tag des siebten Mondmonats abgehalten wird, und
zu dessen Anlass sich die Halle mit Gläubigen,
Mönchen und
Touristen füllt.
Man sollte unbedingt auch einen Blick hinter den
Altar werfen, wo eine Gruppe von Guanyin
Statuetten bis zu den hohen Dachbalken aus Holz
hinaufreicht.
Auf der Hauptstrasse durch das Dorf erreicht man
bald den nächsten
sehenswerten Tempel, den neuen, knallbaunten
Dabei Lou, der einige imposante
Steinmetzarbeiten birgt. Ungefähr
gegenüber liegt
der Huacheng Si, seines Zeichens der
älteste
erhaltene Tempel am Berg, der teilweise bis in
die Tang Ära zurückgehen soll, allerdings
umfassend restauriert wurde. Sein Eingang liegt
im hinteren Bereich eines grossen gepflasterten
Platzes, in dessen Zentrum sind ein tiefer Teich
mit ein paar Goldfischen darin befindet. Im
Tempel fungiert die niedrige, aber geräumige
Haupthalle zugleich als Museum. Die hier
ausgestellten Gemälde
zeigen das Leben des Jin Qiaojue von seiner
Meeresüberquerung
nach China ( auf der er nur von einem treuen
Hund begleitet wurde) bis zu seinem Tod im Alter
von 90 Jahren sowie die Entdeckung seines
wundersam unversehrten Körpers
drei Jahre danach.
Aufstieg zum Berg
Der offizielle Eingang zum Berg ist durch ein
riesiges verziertes Tor und einen Tempel
gekennzeichnet, die sich etwa 500 m hinter dem
Dabei Lou an der Hauptstrasse befinden. Als
alternativer Aufstiegsweg bieten sich schmale
gepflasterte Pfade an, die sowohl hinter dem
Zhiyuan Si als auch in der Kurve der
Hauptstrasse beginnen. Darüber
hinaus fährt
eine Standseilbahn von der Hauptstrasse beim
Longquan Fandian zum Kamm oberhalb des Zhiyuan
Si hinauf. Kombiniert man die verschiedenen Möglichkeiten
miteinander, so lässt
sich eine schöne
und einfache, einstündige
Rundwanderung auf der Kammlinie oberhalb des
Dorfes unternehmen oder gar eine
abwechslungsreiche ganztägige
Tour bis zu den höheren
Gipfeln des Jiuhua – wobei man auch hier mit
Minibussen und Seilbahnen etwas Zeit einsparen
kann.
Die Rundwanderung beginnt hinter dem Dabei Lou,
dort, wo die Strasse scharf nach rechts abbiegt.
Von hier steigen Treppen zu einem mittelgrossen
Tempelkomplex hinauf, dessen Atrium in der
Eingangshalle lebensgrosse Gestalten aus der
buddhistischen Hölle
birgt. Die Skulpturen, schauerlich und amüsant
zugleich, sind so bildhaft dargestellt, dass man
sich des Gefühls
nicht erwehren kann, den Künstlern
habe ihre Arbeit enormen Spass gemacht: Arme Sünder
werden von Dämonen
aufgespiesst, geprügelt,
erwürgt,
gesiedet und zweigeteilt, unterdessen blicken
die Tugendhaften auf sie herab und empfinden
zweifellos
äusserste
Dankbarkeit für
ihre Erlösung.
Ein paar Minuten Fussweg jenseits des Tempels
treffen an der Yingke Song (Kiefer zur Begrüssung
der Gäste)
mehrere Wege aufeinander. Der linke Pfad führt
vorbei an mehreren Pavillons und kleinern
Tempeln zum schlichten, aber stimmungsvollen
Kloster Baisui Gong, wo sich ein spektakulärer
Blick auf das Dorf bietet. Das Innere des
Klosters ist alles andere als wetterfest – nicht
selten ziehen Wolken durch die Haupthalle. In
einem hinteren Zimmer wird die Munie des Ming
Priesters Wu Xia aufgewahrt, berühmt
für seine
Sammlung der Huayuan Sutren, die er einst mit
einer Mischung aus Goldstaub und seinem eigenen
Blut schrieb. Sein winziger Körper
ist in sitzender Gebetshaltung ausgestellt und
wirkt aufgrund des dicken, glatten Blattgoldüberzugs
reichlich grotesk. Vom Baisui Gong führen
Treppen hinab zum Zhiyuan Si, oder man nimmt
einfach die Standseilbahn zur Hauptstrasse.
Der Weg zu den höheren
Gipfeln zweigt an der Yingke Song nach rechts ab
und steigt dann etwa zwei Stunden bergan, vorbei
an der Fenghuang Song (Phönixkiefer),
an weiteren Tempeln und windgeschliffenen Felsen
bis zur fantastischen Gipfellandschaft der
Tiantai Zhengding (Himmelsterrasse). Er gibt
auch eine Drahtseilbahn von der Fenghuang Song
bis zu einer Stelle direkt unterhalb der Gipfel.
Wer nicht laufen kann oder möchte,
fährt
von der Haltestelle gegenüber
dem Eingangstor des Dabei Lou im Dorf per
Minibus zur Fenghuang Song. Die Fahrpreise für
diese Busse sind im Eintrittspreis zum Jiuhua
Shan inbegriffen.
Als der Tang Literat Li Bai von hier oben den
Sonnenaufgang trachtete, wurde er vom Anblick
der aus den Wolken aufragenden Gipfel dazu
inspiriert, dem Jiuhua Shan seinen Namen – Neun
Prächtige
Berge – zu verleihen. In den kommenden Jahren
wird dies übrigens
der Ort sein, an dem man die Fortschritte eines
der bombastischsten religiösen
Bauprojekte Chinas beobachten kann: Am Berg ist
eine 99 m hohe Statue von Dizang geplant, die
nach ihrer Vollendung die grösste
Buddhaskulptur der Welt sein wird. |
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