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Eine traditionelle Redensart beschreibt
Guizhou als ein Gebiet, in dem es “keine
drei Tage ohne Regen, keine drei Hektar ohne
Berge und keine drei Münzen
in irgendeiner Tasche” gibt. Oberflächlich
betrachtet stimmt das. Guizhou verzeichnet
die höchste
Niederschlagsmenge Chinas und eine sehr hohe
Armutsquote, die darauf zurückzuführen
ist, dass
über
80% der Landfläche
von unerschliessbaren Bergen und
ausgelaugten Kalstenböden
bedeckt werden.
Die neuere Geschichte der Provinz ist keine
besonders glückliche,
obwohl zumindest die ethnischen Minderheiten
für
eine längere
Zeit sich selbst
überlassen
wurden. Chiesischer Einfluss erreichte die
Region erstmals um 100 v. Chr., doch erst ab
dem 17. Jahrhundert begann die Regierung,
systematisch Han-Chinesen anzusiedeln. Die
Einheimischen wehrten sich im Miao-Aufstand
1854 – 1873, der kaum weniger Chaos und
Blutvergiessen mit sich brachte als die
Taiping Rebellion. 60 Jahre später
hatte sich die Region noch immer nicht
erholt. Als Soldaten der Roten Armee in den
1930er Jahren durch Guizhou zogen, fanden
sie Menschen, die nackt auf den Feldern
arbeiteren und eine auf Opium gründende
Wirtschaft vor. Erst in der letzten Dekade
hat Guizhous Bevölkerungszahl
wieder das Niveau erreicht, das es vor dem
Aufstand hatte.
Inzwischen sind die Minderheiten und die
romantische Landschaft zu vermarktbaren
Werten geworden, und die Provinz beginnt
Kapital aus diesen beiden Trümpfen
zu ziehen. Wie keine andere Minderheit sind
die Miao mit vielen Untergruppen präsent,
vor allem in der Region um Kaili, daneben
die Bouyei, die in der Umgebung der
Provinzhauptstadt Guiyang und im westlich
davon gelegenen Anshun siedeln. Speziell die
Miao feiern zahlreiche Feste, die zum Teil
Zehntausende Besucher anziehen und
äusserst
sehenswert sind. Auch die künstlerischen
Traditionen verdienen Beachtung, besonders
die eingentümlichen
Architekturformen und die vorzüglichen
Texilien. Die Reize der
überall
von terrassiererten Hängen
und kleinen Dörfern
geprägten
Landschaft liegen vor allem in den Karsthöhlen
von Longgong und Zhijin, die beide
über
Anshun erreicht werden können,
und in den beeindruckenden Wasserfällen
von Huangguoshu, ebenfalls in der Nähe
von Anshun, und bei Chishui, ganz im Norden
der Provinz an der Grenze zu Sichuan.
Guizhous einziger heilige Berg ist der
Fanjing Shan, der
über
die nordöstliche
Stadt Tongren zugänglich
ist.
Guizhous oftmals gesichtslose Städte
gehören
sicher nicht zu den Höhepunkten
einer Reise in diese Region, Guiyang ist
jedoch reicht angenehm und liegt zudem günstig
im Zentrum der Provinz. Einen Besuch lohnen
daneben die historische Stadt Zunyi, einer
der legendenbehafteten Orte des Langen
Marsches im Norden, und die hübsche
Kleinstadt Zhenyuan im Osten der Provinz mit
einigen idyllisch am Fluss gelegenen, alten
Gebäuden.
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