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Die Pfeffermenge, die hier lagert, ist so gross, dass
diejenige, welche für
die westliche Welt nach Alexandria verladen wird, im
Vergleich dazu ganz unbedeutend ist; denn sie macht
nicht mehr als etwa den hundertsten Teil davon aus.
Dies schrieb Marco Polo im späten
13. Jahrhundert, als er Quanzhou besuchte, das damals Zaitun
hiess (abgeleitet von dem arabischen Wort für
Olive, dem Symbol für
Frieden und Wohlstand). Damals war Quanzhou einer der
beiden grössten
Handelsumschlagplätze
der Welt und nutzte seinen tiefen Naturhafen sowie seine
Lage an den Handelsrouten, die südostwärts
bis zu den indonesischen Molukken und westwärts
bis nach Afrika und Europa reichten, zur Mehrung seines
eigenen Wohlstands. Die Stadt war in dieser Zeit
ausgesprochen kosmopolitisch geprägt
– zu Zehntausenden liessen sich Araber und Perser
nieder, die zum Teil kolossale Vermögen
anhäuften.
Quanzhous Araber sollen chinesische Erfindungen wie den
Kompass, das Schiesspulver und den Buchdruck in der
westlichen Welt eingeführt
haben.
Die Zeit seiner höchsten
Blüte
erlebte Quanzhou während
der Song- und Yuan Dynastien, als die alte
Seidenstraße, die durch Nordwestchina nach Zentralasien
führte,
dem Banditentum und kriegerischen Auseinandersetzungen
anheim fiel, sodass sich der Handel aufs Meer verlagerte
und die Maritime Seidenstraße entstand. Marco Polo war
jedoch mitnichten der einzige Europäer,
der damals den Weg nach Quanzhou fand – der Italiener
Andreas Perugia, Quanzhous dritte katholischer Bischof,
war zur Beaufsichtigung des Baus einer Kathedrale
hierher entsandt worden, wo er 1332 starb. Vierzehn
Jahre später
beschrieb der berühmte
marokkanische Reisende Ibn Battuta den Hafen als
überaus
geschäftig
und prall gefüllt
mit grossen Dschunken. Zur Zeit der Qing Dynastie aber
litt die Stadt unter
Überbevölkerung
und zunehmendem Bedeutungsverlust seines Hafens, und es
setzte ein gewaltiger Exodus in Richtung Südostasien
ein. Offiziellen chinesischen Statistiken zufolge leben
heute
über
zwei Millionen Menschen, deren Wurzeln in Quanzhou
liegen, im Ausland – im Vergleich zu einer halben Milion
Menschen im gesamten heutigen Stadtgebiet. Trotz seines
historischen Verfalls zeugt auch heute noch vieles in
Quanzhou von vergangener Grösse,
sodass sich ein Zwischenaufenthalt bei der Reise von
Fuzhou nach Xiamen mit Sicherheit lohnt.
Gemessen an chinesischen Verhältnissen
ist Quanzhou eine Kleinstadt, die ausschliesslich am
Nordufer des Flusses Jin liegt. Ein Grossteil der
Sehenswürdigkeiten
lässt
sich beqeum zu Fuss erwandern. Die beiden wichtigsten
Nord-Süd
Achsen sind die Strassenzüge
der Zhongshan Road und Wenling Road, zwischen denen sich
der grösste Teil des
Stadtzentrums erstreckt. Die
ältesten
Teile der Stadt befinden sich im Westen sowie im nördlichen
Bereich der Zhongshan Road, wo sich auf sorgsam
restaurierten und mit Arkaden versehenen Strassen aus
der Kolonialzeit, die von Bäumen
gesäumt
sind, dicht gedrängt
die Fussgänger
und Radfahrer tummeln. Wie in Fuzhou finden sich auch in
dieser Stadt vor allem Tianhou Gong am südlichen
Ende der Zhongshan Road Beachtung verdient. In seiner
grossen luftigen Halle wenden sich die Gläubigen
mit ihren Hilfegesuchen an Südchinas
populärste
Gottheit, die Kaiserin des Himmels.
Einer der interessantesten Stadtbereiche liegt nördlich
der Tumen Street, der wichtigsten Ost-West Verbindung
Quanzhous, wo ein
überraschend
harmonisches Miteinander von authentischen antiken Gebäuden
und modernen Geschäften
mit traditionellen Verzierung anzutreffen ist. Folgt man
der Tumen Street hinter der Kreuzung mit der Wenling
Road, in Richtung Nordwesten, so gelangt man zunächst
zum eindrucksvollen Tempel Guandi Miao Tempel, der dem
gottgleich verehrten Kriegs- und Heilkunsthelden Guan Yu
aus der Zeit der Drei Reiche geweiht ist. Das Tempeldach
ist mit den typischen Figuren und Schnörkeln
verziert, und die stimmungsvollen Innenräume
– bewacht von lebensgrossen Soldatenstatuen auf Pferderücken
– verbreiten durch ihre niedrigen Decken, rauchgeschwärzten
Statuen und Wandgravierungen, die Szenen aus Guan Yus
Leben zeigen, eine faszinierende Stimmung.
Nur wenige Schritte weiter erhebt sich die aus Granit
erbaute Qingjing Moschee, die beredetes Zeugnis von der
Präsenz
der Araber im mittelalterlichen Quanzhou gibt. Die im
Jahre 1009 von arabischen Siedlern gestiftete und drei
Jahrhunderte später
von persischen Muslims wieder aufgebaute Moschee gehört
zu den
ältesten
Bauwerken ihrer Art in ganz China und weist eine für
diese Region
äusserst
ungewöhnliche, im
Mittleren Orient gründende
Architektur auf, obwohl nur wenige Teile des
Originalbauwerks die Zeitläufte
überdauert
haben. Der mächtige
Eingangsturm soll eine exakte Kopie des Turms der
Omaijadenmoschee von Damaskus sein. Die in Blattform
gestalteten Bogengänge
sind mit arabischen Kalligrafien und Mustern aus dem 14.
Jahrhundert verziert, und auch Teile der Wände
und Stützpfeiler
der einstigen Gebetshalle sind erhalten geblieben. Das
kleine geflieste Gebäude
nebenan ist die heutige Gebetshalle. Die Houcheng
Tourismus- und Kulturstrasse hinter der Moschee ist
übrigens
ein guter Ort, um Souveniers zu erstehen.
Wenige Minuten weiter westlich führt
zwischen Qingjing Moschee und Zhongshan Road ein
Schmucktor nach Norden zu einem ausgedehnten
gepflasterten Platz, an dessen gegenüberliegendem
Ende der Konfuziustempel Fuwen Miao steht. Er hat heute
keine besondere Bedeutung mehr, doch am Platz selbst
sind zahlreiche jüngst
renovierte Beispiele von Quanzhous traditioneller
Architektur zu sehen – die Bauwerke aus Granit und
markanten roten Backsteinen sind mit schwarzem Gebälk
durchsetzt, und die Dachfirste münden
in einer vorspringende Gabelung. |
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