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Südlich der Bucht von
Hangzhou, inmitten einer flachen Ebene, die von
niedrigen Hügeln
umgeben und kreuz und quer von Wasserwegen durchzogen
ist, liegt eine der
ältesten
Städte
Zhejiangs.
Bereits im 5. Jh.v. Chr.
Etablierte sich Shaoxing als regionales Zentrum und
entwickelte sich in den darauffolgenden Jahrhunderten –
besonders unter der Song Dynastie, als der kaiserliche
Hof im benachbarten Hangzhou residierte – zu einer blühenden
Stadt, die jedoch mangels eines direkten Zugangs zum
Meer nie von wirklich grosser Bedeutung war. Umso
überraschender ist es,
dass die kleine Stadt eine wichtige Rolle in der
chinesischen Legende und Kultur spielt, indem sie einige
von Chinas schillerden Persönlichkeiten
hervorgebracht hat, darunter Yu der Grosse, mythischer
Bezwinger der Fluten, der Frauen mordende Ming Maler Xin
Wei, die ruhmreiche Revolutionsheldin Qiu Jin sowie Lu
Xun, ein bedeutender Schriftsteller des 20. Jhs. – sie
alle haben ihre Spuren hinterlassen. Besuchern präsentiert
sich Shaoxing heute als ruhigere und gemütlichere
Version von Suzhou und bietet neben einigen
interessanten Sehenswürdigkeiten
auch die Möglichkeit zu
Bootstouren durch kalassische chinesische Landschaften.
Die Stadt kann im Rahmen eines Tagesausflugs von
Hangzhou besucht werden, doch da einer der Hauptgründer
für einen Besuch der
Charme und die Schönheit
der Umgebung sind, reicht ein Tag definitiv nicht aus,
um den Shenswürdigkeiten
der Stadt gerecht zu werden.
Nahe der Stadt liegt der Jian Hu, dessen ungewöhnlich
klares Wasser ein wichtiger Bestandteil der hier
produzierten Alkoholika sind, die nicht nur in China
überaus begehrt sind.
Das höchste Ansehen
geniessen der gelber Reiswein und der rubinfarbene Nu Er
Hong (Mädchen
Rotwein), mit dem Bräute
traditionell auf das Wohl ihres frisch angetrauten
Ehemannes anstossen – das alkoholische Gebräu
wird bei der Geburt eines Mädchens
gekauft und im Hinterhof vergraben, wo es bis zum
Zeitpunkt der Eheschliessung heranreift.
Shaoxings Zentrum wird von einer typisch chinessichen
Einkaufsstrasse beherrscht, doch nicht weit davon
entfernt gurgeln Wasserläufe
und säumen
weiss getünchte Häuser
die Kopfsteinpflastergassen der Altstadt. An vielen Gebäuderückseiten
ragen baufällig
wirkende Veranden – die meist die Küche
beherbergen – über die
Kanäle.
Die Stadt lässt
sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Ein nützlicher
Orientierungspunkt ist der fushan Park im West mit Blick
über die Kanäle
und Brücken der Stadt.
Der Haupteingang zum Park befindet sich an der Fushanhen
Jie, leicht an einem auffälligen
Torbogen zu erkennen, der ihr
östliches Ende von der Nord-Süd Achse Jiefang Road abgrenzt.
An bzw. Nahe der Jiefang Road stehen einige ehemalige
Wohnhäuser
berühmter Persönlichkeiten.
Der gepflegte und friedliche Qingteng Shuwu (Studienraum
des Grünen Weinstöcks)
versteckt sich in einer schmalen Gasse namens Houguan
Xiang 100 m südwestlich
der Kreuzung von Jiefang Road und Renming Road. Die
ruhige Ausstrahlung dieses Orts lässt
nicht vermuten, dass hier einst der exzentrische Ming
Maler und Dramatiker Xu Wei lebte, der einige schlimme
Gewalttaten beging und zu guter Letzt sogar seine
Ehefrau ermorderte.
500 m weiter südlich
wird der flache Tu Shan von der Yingtian Pagode gekrönt.
Sie gehörte einst zu
einem in der Song Zeit errichteten Tempel, wurde von den
Taiping Rebellen niedergebrannt und später
wieder aufgebaut. Der mühevolle
Aufstieg wird mit schönen
Ausblicken auf die Kanäle
der Stadt belohnt.
Die schwarzen Dachziegel einen Block weiter südlich
in der Hechang Tang gehören
zum Ehemaligen Wohnhaus von Qiu Jin, einer radikalen
Aktivistin, die hier 1875 geboren wurde. Sie ging zum
Studium nach Japan und schloss sich nach ihrer Rückkehr
Sun Yat Sens geheimer Revolutionaspartei an. Nach
Herausgabe mehrerer revolutionärer
Schriften in Shanghai und Tailnahme an einigen
misslungenen Handstreichen wurde sie festgenommen und
1907 von den Qing Truppen in Hangzhou hingerichtet.
Östlich
der Jiefang Road befinden sich an der Luxun Road einige
Sehenswürdigkeiten, die
in Beziehung zu dem berühmten
Schriftsteller Lu Xun stehen. Da Lu Xun seine Kindheit
und frühen Jugendjahre
in Shaoxing verbrachte, tauchen in seinen Werken
zahlreiche lokale Charaktere auf. Die Kurzgeschichte
Kong Yiji beispielsweise erzählt
von einem Dorfidioten, der die kaiserlichen Prüfungen
nicht besteht und deshalb von der Gesellschaft
ausgestossen wird – den Stoff hierfür
sammelte Lu Xun vermutlich in einem Schankraum, der sich
einst in dieser Strasse befand. Etwas
östlich der Lu Xun
Gedenkhalle gelangt man nach ein paar Minuten Fussmarsch
hinter der schlichten Lu Xun Bibliothek zum Ehemaligen
Wohnhaus von Lu Xun, das in ein Museum umgewandelt
wurde. Nach Betrachtung so vieler hoher und abweisender
Mauern anderer Wohngebäude
ist es ziemlich interessant, das Innenleben eines
traditionellen Hauses einmal genauer unter die Lupe zu
nehmen. Der Rundgang macht mit der ehemaligen Behausung
des Schriftstellers bekannt und führt
darüber hinaus in einen
schönen Garten. Direkt
gegenüber dem Museum
befindet sich die kleine Schule Sanwei Shuwu, die Lu Xun
als Kind besuchte. Es gibt dort nur einen Raum zu
besichtigen, in dem auf einer Schulbank ein glatter
Tuschestein und eine Schale Wasser stehen – damals die
einzigen Werkzeuge für
arme Kalligrafie Studenten, die sich Papier und Tinte
nicht leisten konnten.
Eine weitere unbedingt lohnend Sehenswürdigkeit
Shaoxings und feste Bestandteil einer jeden
Stadtbesichtigung liegt nur wenige hundert Meter nordöstlich
der Gedenkstätten
für Lu Xun mitten in
einem der malerischsten und traditionellsten Viertel der
Stadt. Die nach wie vor viel benutzte Bazi Qiao (Brücke
in Form des Schriftzeichens Acht – so benannt nach ihrem
Ausehen) aus dem 13. Jahrhundert ist ein architektonisches
Meisterwerk und sowohl das
älteste
als auch das berühmteste
Bauwerk seiner Art in Shaoxing. |
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