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Man mag kaum galuben, dass die heutige Millionenstadt im
Jahre 1979 noch ein einfacher ländlicher Weiler ohne
Bürogebäude in der Schwemmlandebene an der Grenze zu
Hongkong mit einer Eisenbahnstation namens Baoan war.
Nur sechs Jahe später strömten bereits Delegationen
aus ganz China herbei, begierig darauf, das ganz auf
Leistungsanreize ausgerichtete Wirtschaftssystem
Shenzhens kennen zu lernern und ihre eigenen
Unternehmen, Städte und Provinzen nach diesem Vorbild
umzugestalten. 1990 besass die Stadt vier Häfen, und
allein ihre Fertigungsindustrien erwirtschafteten einen
Jahresumsatz von über zwei Milliarden USD. Ein
Atomkraftwerkt musste errichtet werden, um die Nachfrage
nach Energie befriedigen zu können. 15 Jahre später
erreichte die Jahresproduktionsleistung einen Wert von
400 Milliarden USD, und ein ein drittes Kraftwerk befand
sich im Bau. Heute erwirtschaftet Shenzhen ein Drittel
seines Einkommens aus dem Export von
High-Tech-Produkten, und nahezu die Hälfte aller
weltweit produzierten Armbanduhren stammen aus dieser
Stadt.
Und doch ist das heutige Shenzhen nicht besonders
spektakulär oder attraktiv. Landesweit wachsen
ähnliche Stadtsihoütten in den Himmel, und das
Grenzgebiet zur ehemaligen britischen Kolonie wirkt
sogar ein wenig schmuddelig und hat weitaus mehr Bettler
und Diebe als andee Landesteile zu verzeichnen. Nach
einer kurzen Umschau gibt es kaum einen grund, länger
zu verweilen, als zur Organisation der Ausreise nach
Hongkong oder der Weiterreise ins Landesinnere notwendig
ist.
Einen guten Einblick in die sehr unterschiedlichen
Lebensbedingungen innerhalb der Stadt vermittelt ein nur
einstündiger Spaziergang auf der Renming Road, die
nordöstlich des Bahnhofs und des Grenzübergangs Luo Hu
( manche Schilder tragen die kantonesische Umschrif „Lo
Wu“ ) quer durchs Stadtzentrum verläuft.
Das Internationale Handelszentrum ist ein dreistöckiger
Block an der Ecke der Jiabin Road, in dem Menschenmassen
Schmuck- und Parfümwaren der gehobenen Kategorie
begutachten. Hinter der Jiefang Road beginnt das Gewirr
der schmalen Gassen, die einst Baoans Altstadt bildeten
und heute ein preiswertes Einkaufsviertel für Kleidung,
Schuhe und technischen Schnickschnack sind. Ein
niedriges Gebäude mit blauem Dach in der Qingyuan Road
ist eine Art historisches Monument: Es war Chinas erstes
McDonald’s Restaurant und beherbergt heute eine
Zweigestelle von Kentucky Fried Chicken.
Als grüne Oase präsentiert sich der 1500 m westlich
des Zentrums gelegene und via Shennan Zhong Road zu
erreichende Lizhi Park. Wer die Strecke nicht laufen
möchte, kann auch mit der U-Bahn bis zur Station Da Ju
Yuan fahren. Der überraschend angenehme Park hat einen
hübschen See und ein modernes Operhaus, das
gelegenthlich lohnendes chinesisches Theater zeigt.
Zu einer anderen Art des Zeitvertreibens locken drei
sehr professionell gestaltete Themenparks, die 30 Min.
Fahrt vom Zentrum nebeneinander an der
Guangshen-Schnellstrasse liegen – Ausschau halten nach
der Miniaturausgabe der Golden Gate Bridge, die die
Strasse überspannt. Anfahrt mit der U-Bahn Linie 1 bis
zur Endstation Shijiezhichuang. Inmitten zahlloser
Souvenirläden bietet dort Window on the World eine
Ansammlung von Modellen berühmter Bauwerke aus der
ganzen Welt, während Splendid China Chinas berühmte
Sehenswürdigkeiten in Kleinformat vorstellt. Im
Eintrittspreis enthalten ist der Besuch des Folk Culture
Village, das unterhaltsame, für Touristen
aufbearbeitete Einblicke in das Leben der nationalen
ethnischen Minderheiten gewährt mit Jurten, Pavillons,
Hütten, Bogengägen, Felsmalereien, mechanischen Ziegen
und farbenprächtig gekleideten Schauspieltruppen, die
jede halbe Stunde nationale Volkstänze aufführen.
Eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit ist Minsk World,
ein kompletter russischer Flugzeugträger ( samt
Flugzeugen ), der in den Docks verankert liet. Für eine
ausführliche Besichtigung ist mindestens ein halber Tag
zur veranschlagen. |
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