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Die Tradition der Gartengestaltung wird in dieser Stadt
Suzhou
schon seit dem Bestehen der Song Dynastie vor tausend
Jahren gepflegt. In der Zeit ihrer höchsten
Blüte unter den Ming–
und Qing Dynastien soll es über
200 Gärten
gegeben haben. Ungefähr
ein halbes Dutzend der grossen Anlagen sowie einige
kleinere Gärten
wurden inzwischen restauriert. Anderswo in China sind
grosse, weitläufige
Gartenanlagen zu finden – etwa in der von Hügeln
umgebenen kaiserlichen Sommerresidenz von Chengde oder
im Sommerpalast von Peking-, in Suzhou jedoch sind die
Gartenanlagen vergleichsweise klein und
überschaubar, oft
hinter hohen Umfassungsmauern verborgen und speigln
deshalb das wahre Wesen des chinesischen Gartenbaus
weitaus besser wider.
Viele westliche Besucher haben Schwierigkeiten, sich in
chinesische Gärten
einzufühlen und sie zu
geniessen, da solche Anlagen nicht geschaffen werden, um
ein Stück der Natur zu
verfeinern oder um natürlich
auszusehen. Der chinesische Gartenbau ist eine
Kunstform, bei der Gestein, Wasser, Bauwerke, Bäume
und Pflanzen in tiefsinnigen Kompositionen arrangiert
werden. Wie in der Malerei, der Bildhauerei und der
Lyrik ist das Ziel, einen kontemplativen Raum zu
schaffen, der die chinesischen Lebenswünsche
nach Ausgelichenheit, Harmonie, Verhältnissmässigkeit
und Versiedenartigkeit widerspiegelt. Die reichen
Gelehrten und Kaufleute, die Suzhous Gärten
anlegen liessen, wollten Orte schaffen, die man allein
oder in Gesellschaft von Freunden bei einem Glas Wein
zum Rezitieren von Gedichten oder zu literarischen
Debatten geniessen konnte. Die Gartenbauer bedienten
sich kleiner Pavillons und Terrassen, um Grösse
zu suggerieren, fügten
an- und absteigende überdachte
Wandelgänge
und Galerien hinzu, um Höhe
zu erzeugen, und modellierten verschachtelte Gruppen aus
Gestein und Bambus, um Dahinterliegendes weder halb zu
offenbaren, noch halb zu verbergen. Die Effekte
vermeintlicher Weitläufigkeit
erzielte man durch Blicke durch kunstvoll gestaltete
Gitterfenster, umkachelte
Öffnung,
Mondtore und durch Spiegelungen auf Wasserflächen
– verblüffende
Perspektiven, die entweder auf ein gesamtes
Landschaftsbild hinwiesen oder
äussere
Gegebenheiten wie die Aussenwände
von benachbarten Gebäuden
einbezogen.
Zu den charakteristischen Merkmalen von Suzhous Gärten
gehören die weissen
Kiefern, die skuril gestalteten Felsen aus dem See Tai
Hu und die Steintafeln über
den Eingängen.
Komplettiert wurde das Gesamtbild durch Tiere – noch
heute schwimmen in manchen Teichen Fische und Schildkröten.
Die Stilunterschiede zwischen den verschiedenen Gärten
ergeben sich im Wesentlichen durch die jeweilige
Zusammensetzung und Gewichtung der Elemente. Manche
bestehen zu zwei Dritteln aus Wasser, andere sind
Labyrinthe aus bizarren Felsen, und wiederum andere
lenken die Blicke überwiegend
in das Innere prachtvoll eingerichteter Pavillons.
Praktisch alles hat symbolische Bedeutung – Kiefer und
Kranich stehen zum Beispiel für
langes Leben Mandarin-Enten für
eheliches Glück. |
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