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Rund 30 km östlich des
Tai Hu und gerade einmal eine Stunde Bahnfahrt von
Shanghai entfernt liegt dort, wo die Eisenbahnstrasse
auf den Kaiserkanal stösst,
die Stadt Suzhou, deren alter Kern von einem Stadtgraben
umgeben ist und die für
ihre Gärten,
Seide und schönen
Frauen berühmt ist. Die
Stadt selbst erstreckt sich um ein Netz miteinander
verbundener Kanäle,
deren Wasser die berühmten
klassischen Gartenanlagen speisst, die Suzhous Pracht
und Stolz sind.
He Lv, der halb mythische Herrscher des Königreiches
Wu, soll Suzhou um 600 v. Chr. Gegründet
und zu seiner Hauptstadt gemacht haben, doch erst
über ein Jahrtausend später
bescherte die Aushebung des Kaiserkanals der Stadt
zunehmenden Wohlstand. Auch Seidenhandel wurde schon in
frühester Zeit
betrieben – er erblühte
unter der Tang Dynastie und erlebte einen wahren Boom,
als während
der Song Dynastie der gesamte Kaiserhof nach Süden
zog. Noch heute gehört
Seide zu den wichtigsten Einnahmequellen Suzhous.
Durch die Nähe
zur kaiserlichen Hauptstadt Hangzhou zog Suzhou
zahlreiche Gelehrte, Beamte und Kaufleute an, die der
Stadt Kundschaft und Reichtum bescherten.
Im späten
13. Jahrhundert Berichtete Marco Polo von Sechstausend Brücken,
klugen Geschäftsleuten,
fähigen
Fachleuten aller Handwerke, sehr weisen und deshalb als
Heilige verehrten Männern
und herausragenden
Ärzten
der Naturheikunde. Diese Kreise waren für
die Gestaltung der kunstvollen Gartenanlagen
verantwortlich, die bis zum heutigen Tag Suzhous
herausragende Sehenswürdigkeiten
sind. Als der erste Kaiser der Ming Dynastie seine
Hauptstadt in Nanjing einrichtete, festigte die Stadt
ihre privilegierte Position im Umfeld des Kaiserhofs und
erblühte als Zentrum für
Holzschnitte und Seidenweberei. Durch das systematische
Zusammenziehen von Arbeitskräften
wandelten sich die Produktionsbedingungen in einer
Weise, wie sie der Westen erst 300 Jahre später
im Zuge der industriellen Revolution erleben sollte.
Bis in die jüngere
Vergangenheit blieb Suzhou von schlimmeren Auswüchsen
der Geschichte verschont, wenngleich für
kurze Zeit auch Besatzungsmächte
wie die Taiping Revolutionäre
in den 60er Jahren des 19. Jhs. Und die Japaner und im
Zweiten Weltkrieg Einzug hielten. Die 2500 Jahre alten
Stadtmauern, die noch 1925 nahezu vollständig
abgerissen, und die noch existierenden Teile der
Altstadt – Wassergräben,
Tore, von Bäumen
gesäumte
Kanäle,
Steinbrücken,
Kopfsteinpflasterstrassen und weiss getünchte
alte Häuser
– verschwinden zusehends. Suzhou erlebt einen
wirtschaftlichen Boom, der rund um die Stadt grosse
Industriegebiete entstehen lässt.
Das Zentrum ist nach wie vor von Wasserradern
durchgezogen und begrünt.
Es ist so viel vom ursprünglichen Charakter erhaltne geblieben, dass sich ein mehrtägiger
Aufenthalt lohnt.
Für Chinesen gehört
Suzhou zu den beliebtesten Touristenzielen des gesamten
Landes. In den Hauptreisezeiten ist die Stadt mit
Besuchern aus fern und nah überfüllt,
was einerseits für eine
ausgelassene Atmosphäre
sorgt, andererseits jedoch unweigerlich bedeutet, dass
man die Gärten
nur in Ausnahmefällen
in der ihnen ursprünglich
angedachten Ruhe erleben kann. Die drei berühmtesten
Gärten
– Wangshi Yuan, Shizi Lin und Zhuozheng Yuan – gehören
zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers und locken das
ganze Jahr über die
Massen an. Viele andere ebenso schöne,
aber weniger bekannte Gärten
– insbesondere Canglang Ting und Ou Yuan – wirken
demgegenüber vergleichsweise friedvoll und leer. Geöffnet
sind die Gärten
täglich.
Als beste Strategie empfiehlt es sich, so viel wie möglich
von den drei berühmtesten
Gärten
vor 10 Uhr vormittags anzuschauen und den Rest des Tages
den kleineren Gärten
zu widmen. Am schönsten
präsentieren
sich die Gärten
bei blauem Himmel mit wenigen Wolken, denn sie benötigen
zu ihrer vollen Prachtenfaltung Kontraste, Licht und
Schatten, klar umrissene Konturen und effektvolle
Wasserspeigelungen. Die verschiedenen Jahreszeiten fördern
überraschend wenig
Unterschiede zutage und lassen die Gärten
ganzjährig
ihren Reiz behalten, wenngleich der Frühling
mit seinen Blüten und
leuchtenderen Farben eine ganz besondere Abwechslung ins
Erscheinungsbild bringt.
Suzhou gehört zu den
angenehmen Orten Chinas, die man einfach nur bei einem
Bummel erkunden sollte. Abseits der Hauptstrassen führt
der Weg zu Pagoden und Tempeln, in geschäftige
Einkaufsviertel und an betriebsame Kanäle.
Da die Entfernungen beträchtlich
sind und das Gelände
vorwiegend flach ist, bietet die Erkundung per Fahrrad
eine reizvolle Alternative zu den Spaziergängen.
Das übersichtliche
historische Zentrum mit seinem Netz aus Strassen und
Wasserwegen innerhalb des rechteckigen Stadtgrabens
macht die Oriientierung leicht. Die Hauptstrasse Renming
Road verläuft
von unmittelbar nördlich
des Grabens gelegenen Bahnhof südwärts
durch das Zentrum. Das traditionelle Geschäftszentrum
Suzhous erstreckt sich rund um die Guanqian Jian, auf
halben Weg der Renming Road durch die Stadt. In dieser
Gegend gibt es zahlreiche Lebendige Strassenzüge
mit kleinen Läden,
Teehäusern
und Restaurants. |
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