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Reiseinfos Xiamen
  Xiamen, ehemals im Westen bekannter unter dem Namen Amoy, ist kleiner und wesentlich charmanter als die Provinzhauptstadt Fuzhou. Die Strassen und Gebäude, die attraktiven Einkaufsarkaden und der viel besuchte Uferbezirk der Stadt versprühen die Atmosphäre des Europas des 19. Jhs. Xiamen ist nicht nur eine der gastfreundlichsten, sondern auch eine der saubersten Städte des Landes – und zugleich die landesweit vielleicht am geschmackvollsten renovierte Stadtsiedlung, denn sie vermittelt das Ambiete eines Ferienresorts, ungeachtet der zum Teil etwas heruntergekommenen Seitenstrassen. Zur Resort Atmosphäre trägt in nicht geringem Masse die wundervolle kleine Insel Gulangyu im Südwesten bei, die mit einer Fähre in nur zehn Minuten erreicht ist. Sie war einst die koloniale Heimat von Europäern und Japanern, deren Villen noch heute die verkehrsfreien Strassen säumen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Unterkunft auf der Insel zu wählen.

Xiamen wurde Mitte des 14. Jhs. Gegr
ündet, nahm unter der Ming Dynastie an Grösse zu und wurde im 17. Jahrhundert zu einem blühenden Hafen, der im Laufe der Zeit dem Einfluss einer beständigen und recht geheimnisvollen Abfolge von portugiesischen, spanischen und holländischen Glücksrittern unterlag. Als im 17. Jahrhundert die Mandschu Armeen von Norden her vormarschierten, um die Ming auszumerzen, wurde Xiamen zu einer Widerstandsbasis des alten Regimes. Der Pirat und von eigenen Gnaden ernannte Prinz Koxinga – sein richtiger Name war Zheng Chenggong – führte die Widerstandsbewegung an, bis er zur Flucht gezwungen wurde und einen letzten Stützpunkt in Taiwan fand, wo er die dort ansässigen holländischen Händler vertrieb und verstarb, bevor auch diese Insel von den Mandschu eingenommen wurde.

Zwei Jahrhunderte später kamen die Briten, die den Handel belebten und ihre Basis auf der Insel Gulangyu einrichteten. Ihre Präsenz wurde 1842 mit dem Vertrag von Nanjing formal besiegelt. Zu Beginn des 20. Jhs. War Xiamen mit seiner vor der K
üste lebenden Ausländergemeinde eine recht wohlhabende Stadt, die ihren Wohlstand aus einem stabilen Handelsumsatz un den steten Zuwendungen wohlhabender Auswanderer bezog, deren Zahl im Laufe der Jahrhunderte laufend zugenommen hatte. Diese glückliche Situation blieb bis zur japanischen Invasion zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bestehen.

Der Vormarsch der Kommunisten im Jahre 1949 und die anschliessende Flucht Chiang Kaisheks mit den Resten seiner nationalistischen Armeen nach Taiwan st
ürzten Xiamen in ein vollständiges Chaos – massenweise strömten Menschen herbei, um auf Schiffen und Booten über die Meeresstrasse zu entkommen. Auch in den folgenden Jahzehnten lagen beständig Kriegswolken über der Region, denn die festländischen Armeen hielten dort immer wieder Manöver in Vorbereitung eines entscheidenden Angriffs auf Taiwan ab. Erste Ziele sollten dabei die kleinen Inseln Jinmen und Mazu ( im Westen bekannter unter den Namen Quemoy und Matsu ) sein, die der Küste vorgelagert in Sichtweite zu Xiamen liegen.
Inzwischen hat sich das Rad der Geschichte gedreht. Obwohl sich Jinmen und Mazu noch immer in den Händen der ( taiwanischen ) Nationallisten befinden, hat sich die drohende Konflicktlage bedingt durch die Aussicht auf erhebliche wirtschaftliche Gewinne ein wenig entspannt. In den fr
ühen 80er Jahren erhielt Xiamen den Status einer der ersten chinesischen Wirtschaftssonderzonen, und seitdem erlebt die Stadt wie Shenzhen an der Grenze zu Hongkong einen beispiellosen Aufschwung. Zur Zeit besteht sogar eine direkte Fährverbindung zwischen Taiwan und dem Festland ( allerdings nur für Taiwanen ) sowie regelmässiger Frachtverkehr zwischen beiden Seiten.
Die durch einen 5 km langen Damm mit dem Festland verbundene Insel, auf der Xiamen liegt, schmiegt sich in eine grosse Bucht vor Fujians S
üdostküste. Das bebaute Gelände im westlichen Teil der Insel liegt dem Festland gegenüber, während die Ostküste der Insel Jinmen zugewandt ist, die zu Taiwan gehört. Bootsfahrten um Jinmen lassen sich von verschiedenen Stellen aus unternehmen; entweder vom Ufer gegenüber der Zhongshan Road, vom Heping Fährhafen oder auch von Gulangyu.

Der schönste Zeitvertreib in Xiamen ist – abgesehen von einem Besuch der Insel Gulangyu – ein gem
ütlicher Bummel durch die strassen der Altstadt. Ein geeigneter Ausgangspunkt ist die Kreuzung von Siming Road, der mitten durch die Altstadt führenden wichtigsten Nord-Süd-Verbindung, und Zhongshan Road, der in Ost-West-Richtung  verlaufenden Haupteinkaufsstrasse, in deren Umgebung sich eine interessante Mischung aus Fassaden des frühen 20. Jhs., sauberen übersichtlichen Strassenzügen mit Bürgersteigen sowie Geschäften befindet. Am westlichen Ende der Zhongshan Road öffnet sich der Blick aufs Meer und auf die nahe Insel Gulangyu.
S
üdöstlich und östlich des Stadtzentrums befinden sich nur weniger Sehenswürdigkeiten. In der Siming Nan Road, etwa 2 km südlich der Zhongshan Road, steht das Museum der Überseechinesen. Die Sammlung präsentiert Exponate, die von der grossen Fujian Diaspora rund um die Welt gespendet wurden. Dazu gehören Töpferwaren und sogar erlesene Bronzen aus der Zeit der Shang Dynastie vor dreitausend Jahren. Im Erdgeschoss gibt eine Ausstellung mit Fotos, Gemälden und Reliquien Aufschluss über das Leben, das Chinesen im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte im Ausland führten. Zur Zeit wird das Museum renoviert, soll aber Anfang 2006 wieder eröffnet werden.

1 km weiter s
üdöstlich steht der Tempel Nanputuo Si, der vor über 1000 Jahren am Südhang des Wulao Feng errichtet wurde. Kaum ein anderer buddhistischer Tempel Chinas wirkt so modern und wird so sorgfältig geleitet wie dieser. Die Dächer sind mit einem grellen Durcheinander aus fliegenden Drachen, menschlichen Gestalten und vielfarbigen Blumen verziert. Zu den Kunstschätzen des Tempels gehört eine Inschriftensammlung von Widerstandskämpfern aus der frühen Qing Dynastie, die über Gräueltaten der Mandschu berichtet. Das Tempelleben ist derzeit äusserst rege; angeschlossen ist auch ein vegetarisches Restaurant.

Unmittelbar s
üdlich des Nanputuo Si beginnt das Gelände der Xiamen Universität, über das man zur Küstenstrasse Daxue Road gelangt, die an attraktiven Sandstränden vorbeiführt. Gut 1 km südwestlich liegt nahe der Endhaltestelle von Bus Nr. 2 die Huli Shan Potai ( Geschutzstellung am Berg Huli ). Die dortige schwere Artillerie deutscher Produktion hatte eine Reichweite von 10 km und diente unter der Qing Dynastie der Abwehr imperialistischer Fremdmächte.

Eine längere Wanderung ( mindestens 2 Std. ) f
ührt vom Nanputuo Si hinauf auf den sich dahinter erhebenden Hügel Wulao Shan – alternativ fährt Bus Nr. 17 vom Tempeleingang dorthin. Beide Varianten führen zum Botanischen Garten Wanshi, zu dessen 4000 Pflanzenarten auch ein Küsten-Mamutbaum gehört, den der amerikanische Präsident Nixon anlässlich eines offiziellen Chinabesuches stiftete.
 

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