In einer Nudelküche in Chengdu liegt auf dem Tisch kein Serviettenspender, sondern eine eingeschweißte Packung aus Schale, Tasse und Löffel. Wer sie aufreißt, bezahlt sie mit, meist einen kleinen Aufpreis, der auf der Rechnung auftaucht. Servietten gibt es oft gar nicht, und wer mit scharfer Sauce an den Fingern nach etwas zum Abwischen sucht, lernt schnell, warum Einheimische eine Packung Taschentücher in der Tasche tragen. Solche Kleinigkeiten stehen in keinem Visumsantrag, und doch bestimmen sie, wie sich die ersten Tage anfühlen.
Dieser Beitrag sammelt drei solcher Felder: die Sprache, das Internet und die vielen kleinen Dinge des Alltags, vom Papier bis zum heißen Wasser.
Wie weit kommt man ohne Chinesisch?
Weiter, als viele befürchten, und weniger weit, als die Hotelrezeption glauben lässt. In Peking, Shanghai, Guangzhou oder Shenzhen sind Metro-Pläne, Durchsagen und die meisten Schilder zweisprachig. An Flughäfen und in größeren Hotels wird Englisch gesprochen, ebenso an den Kassen großer Sehenswürdigkeiten. Sobald es aber um Alltägliches geht, um ein Taxi, einen Nudelladen oder eine Apotheke, endet das Englisch oft nach dem ersten Satz.
Das ist kein Mangel an Freundlichkeit. Englisch wird an chinesischen Schulen gelehrt, doch viele Menschen benutzen es im Alltag nie und scheuen sich, es mit Fremden zu sprechen. Hilfsbereitschaft ist dagegen weit verbreitet: Wer mit einem Telefon voller Schriftzeichen fragend in die Runde blickt, bekommt fast immer Hilfe, oft von jemandem, der den Satz in seine eigene Übersetzer-App tippt und das Ergebnis zurückzeigt.
Schwieriger wird es in kleineren Städten und auf dem Land. Dort gibt es mitunter weder englische Schilder noch Speisekarten mit Bildern. Wer eine Route abseits der großen Linien plant, sollte dort nicht auf Englisch setzen, sondern auf die Kamera-Übersetzung und ein paar gelernte Worte.
Welche Wörter lohnen sich vor der Reise?
Mandarin ist eine Tonsprache. Dieselbe Silbe bedeutet je nach Tonhöhe etwas völlig anderes, und genau daran scheitern die meisten Anfänger. Für den Reisealltag reicht es trotzdem, eine Handvoll Ausdrücke in Pinyin, der lateinischen Umschrift, zu kennen. Sie werden auch mit schiefen Tönen meist verstanden, weil die Situation den Rest erklärt.
| Deutsch | Pinyin | Wann man es braucht |
|---|---|---|
| Guten Tag | nǐ hǎo | Zur Begrüßung, überall |
| Danke | xièxie | Nach jedem kleinen Gefallen |
| Wie viel kostet das? | duōshao qián? | Auf Märkten und an Ständen |
| Nicht nötig, danke | bú yào | Gegen Straßenverkäufer, freundlich und klar |
| Die Rechnung, bitte | mǎidān | Im Restaurant |
| Wo ist die Toilette? | cèsuǒ zài nǎr? | Unterwegs |
| Kein Problem | méi guānxi | Wenn sich jemand entschuldigt |
Wer sich intensiver vorbereiten möchte, findet in Volkshochschulen und an den Konfuzius-Instituten einiger deutscher Städte Einsteigerkurse. Ein Kurs bis zu einem einfachen Niveau lohnt sich vor allem für längere Aufenthalte oder Reisen abseits der Städte. Für zwei Wochen Peking und Shanghai ist er kein Muss.
Ein Nebenaspekt, der Reisende regelmäßig überrascht: Zahlen werden in China auch mit einer Hand gezeigt, und die Zeichen für sechs bis zehn sehen anders aus als in Europa. Die Sechs ist eine Faust mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger, die Acht sieht aus wie eine Pistole aus Daumen und Zeigefinger. Wer am Markt drei Mangos möchte und dafür drei Finger zeigt, wird verstanden. Wer acht möchte und zwei Hände braucht, sorgt eher für Heiterkeit.
Nicht überall in China ist Mandarin die Sprache der Straße. In Hongkong, Macau und weiten Teilen der Provinz Guangdong sprechen die Menschen im Alltag Kantonesisch, und in Hongkong ist Englisch zudem Amtssprache. Dort werden außerdem die traditionellen Langzeichen geschrieben, während auf dem Festland die vereinfachten Kurzzeichen gelten. Für Übersetzer-Apps bedeutet das: das richtige Sprachpaket wählen, denn „Chinesisch (vereinfacht)“ liest Hongkonger Schilder nur mit Mühe. Was sonst in Hongkong anders ist, steht auf der Seite Hongkong und Macau.
Welche Schriftzeichen sollte man erkennen?
Niemand lernt für eine Reise Tausende Zeichen, aber eine Handvoll lässt sich leicht einprägen, weil sie überall wiederkehren. Die Zeichen 入口 (rùkǒu) für Eingang und 出口 (chūkǒu) für Ausgang stehen an jeder Metrostation, jedem Park und jedem Bahnhof. Das Zeichen 口 bedeutet dabei Mund oder Öffnung, und wer es einmal gesehen hat, erkennt es in beiden Wörtern wieder. An Toiletten stehen 男 für Männer und 女 für Frauen, oft ohne Piktogramm daneben. Das Zeichen für Männer setzt sich aus Feld und Kraft zusammen, was sich als kleine Eselsbrücke eignet.
Hilfreich sind außerdem 地铁 (dìtiě) für die Metro, wörtlich „Erdeisen“, und 站 (zhàn) für Station oder Haltestelle. Auf Speisekarten tauchen 鸡 für Huhn, 牛 für Rind, 猪 für Schwein und 鱼 für Fisch so häufig auf, dass man nach einigen Tagen zumindest weiß, welches Tier im Topf gelandet ist. Wer kein Schweinefleisch isst oder Fisch nicht verträgt, kann diese vier Zeichen auf einem Zettel notieren und im Restaurant zeigen.
Welche Übersetzer-Apps funktionieren in China?
Die wichtigste Regel betrifft nicht die Wahl der App, sondern den Zeitpunkt: Alles, was offline funktionieren soll, muss vor der Abreise vorbereitet werden. In China sind die Server von Google ohne Umweg nicht erreichbar, der Download eines Sprachpakets scheitert also genau dann, wenn er gebraucht wird.
Die Übersetzer-App von Google kann gesprochene Sprache übersetzen, Text eintippen lassen und über die Kamera Schilder, Speisekarten oder Verpackungen in Echtzeit lesen. Für die Offline-Nutzung wird das Sprachpaket für Chinesisch zu Hause heruntergeladen, zusammen mit Deutsch oder Englisch. Die Android-Version gibt es als Google-App im Play Store; auf dem iPhone steht sie im App Store. Apple liefert mit der App „Übersetzen“ eine Alternative mit Offline-Modus, die ebenfalls Gesprochenes überträgt.
Für Chinesisch als Sprache selbst hat sich außerdem Pleco bewährt, ein Wörterbuch mit Handschrifterkennung, in dem man ein unbekanntes Zeichen nachmalen kann. Das hilft bei Schildern, die die Kamera nicht sauber erfasst. Und WeChat, das in China ohnehin fast jeder nutzt, übersetzt Nachrichten per langem Druck auf die Sprechblase. Wer mit einem Vermieter oder einer Unterkunft schreibt, braucht dann keine zweite App.
Ein praktischer Trick im Gespräch: kurze, einfache Sätze eintippen. Lange Sätze mit Nebensätzen kommen verdreht an, kurze fast immer richtig.
Was passiert in China mit dem Internet?
China filtert den Datenverkehr über ein System, das im Westen oft Great Firewall genannt wird. Gesperrt sind unter anderem Google mit Gmail und Maps, WhatsApp, Instagram, Facebook, YouTube und viele Nachrichtenseiten. Das betrifft jeden Zugang, der über ein chinesisches Netz läuft: das Hotel-WLAN, das WLAN im Café und eine chinesische SIM-Karte.
Anders verhält es sich beim Roaming. Wer mit der SIM-Karte des deutschen Anbieters surft, wird in der Regel über das Heimnetz geleitet und erreicht die gewohnten Dienste. Das ist der einfachste Weg, allerdings je nach Tarif teuer. Viele eSIM-Angebote für China arbeiten nach demselben Prinzip mit einer Auslandsroute. Die Unterschiede zwischen Roaming, eSIM und lokaler SIM erklärt die Seite eSIM für China im Detail.
Ein VPN ist die dritte Möglichkeit, über chinesische Netze auf gesperrte Dienste zuzugreifen. Die Rechtslage dazu ist nicht eindeutig, und die Zuverlässigkeit einzelner Dienste schwankt stark. Was Reisende dazu wissen sollten, ohne dass hier ein Anbieter empfohlen wird, steht auf der Seite VPN in China.
Öffentliche WLANs verlangen in China oft eine Anmeldung per SMS an eine chinesische Handynummer. Mit einer deutschen Nummer kommt der Code häufig nicht an. In Hotels gibt es dagegen meist ein Passwort an der Rezeption oder auf der Zimmerkarte. Wer auf WLAN setzen möchte, sollte also nicht mit dem Café an der Ecke rechnen.
Weil viele westliche Dienste fehlen, laufen in China andere Apps: Amap oder Baidu Maps statt Google Maps, Didi statt Uber, WeChat statt WhatsApp. Eine Übersicht, welche davon auch ohne chinesische Nummer funktionieren, bietet die Seite eSIM, VPN und Apps für China.
Warum gehören Taschentücher ins Gepäck?
Zurück zur Nudelküche. Servietten sind in einfachen Restaurants in China keine Selbstverständlichkeit, und in öffentlichen Toiletten fehlt oft das Papier. Chinesische Familien lösen das pragmatisch: Jede Handtasche enthält eine Packung Taschentücher, die im Alltag für alles herhält, vom Tischabwischen bis zum Toilettengang. Reisende tun gut daran, es ihnen nachzumachen.
Die Packungen gibt es in jedem Supermarkt und in den Convenience-Stores, die in größeren Städten fast an jeder Ecke liegen, etwa Filialen von FamilyMart, Lawson oder 7-Eleven. Feuchttücher und ein kleines Desinfektionsgel ergänzen die Ausrüstung. Wer eine Wanderung, einen Ausflug an die Große Mauer oder eine lange Zugfahrt plant, hat mit zwei Packungen keine Sorgen.
Öffentliche Toiletten sind in China vielerorts Hocktoiletten. In Hotels, Flughäfen und neueren Einkaufszentren gibt es auch Sitztoiletten, an Autobahnraststätten, Bahnhöfen kleinerer Städte oder an Ausflugszielen dagegen oft nur die Hockvariante. Das ist eine Frage der Gewöhnung. Benutztes Papier gehört vielerorts nicht ins Becken, sondern in den Eimer daneben, weil die Leitungen dafür nicht ausgelegt sind. Ein Schild weist meist darauf hin. Wie andere solche Alltagsunterschiede einzuordnen sind, beschreibt die Seite Kulturschock in China.
Welche kleinen Dinge machen den Alltag leichter?
Heißes Wasser ist in China allgegenwärtig. In fast jedem Hotelzimmer steht ein Wasserkocher, in Zügen und Bahnhöfen gibt es Spender, aus denen Reisende ihre Teebecher und Instantnudeln auffüllen. Leitungswasser ist dagegen nicht zum Trinken gedacht. Wer eine eigene Thermosflasche dabeihat, reist wie viele Chinesen selbst: mit Tee oder abgekochtem Wasser für den ganzen Tag.
Beim Essen wird geteilt. Gerichte kommen in die Mitte des Tisches, oft auf eine drehbare Glasplatte, und jeder nimmt sich mit den eigenen Stäbchen. Die Stäbchen stecken nie senkrecht im Reis, weil das an Räucherstäbchen bei Beerdigungen erinnert. Trinkgeld ist in den meisten Situationen nicht üblich; wann es doch vorkommt, erklärt die Seite Trinkgeld in China.
In vielen Restaurants gibt es keine gedruckte Speisekarte mehr. Stattdessen klebt auf dem Tisch ein QR-Code, über den man in WeChat oder Alipay bestellt und bezahlt. Die Menüs sind fast immer nur auf Chinesisch, haben aber meist Fotos. Mit der Kamera-Übersetzung lässt sich die Seite grob lesen, und im Zweifel hilft der Griff zum Foto: Ein Fingerzeig auf das Bild des Nachbartischs oder auf ein Gericht in der App wird überall verstanden. Wer Allergien hat, sollte sie vorab als chinesischen Satz im Telefon speichern.
Beim Gedränge an Bahnsteigen, Aufzügen oder Kassen ist Geduld hilfreicher als Empörung. Schlangen bilden sich in den großen Städten inzwischen ordentlich, an Bushaltestellen und in touristischen Hotspots aber nicht immer. Auch die Frage nach einem gemeinsamen Foto gehört zum Alltag, besonders außerhalb der Metropolen. Ein freundliches Nein wird akzeptiert.
Rauchen ist in öffentlichen Innenräumen großer Städte offiziell verboten, in Restaurants kleinerer Orte und in manchen Hotels aber verbreitet. Wer empfindlich reagiert, fragt bei der Buchung ausdrücklich nach einem Nichtraucherzimmer. Und für Inlandsflüge gelten strenge Regeln für Powerbanks: Geräte ohne das chinesische Prüfzeichen CCC oder ohne lesbare Kapazitätsangabe können bei der Sicherheitskontrolle abgenommen werden. Die aktuelle Regel steht bei der jeweiligen Fluggesellschaft.
Eine letzte Kleinigkeit spart viel Aufwand im Taxi. Die meisten Hotels haben eine kleine Visitenkarte mit Namen und Adresse in chinesischen Schriftzeichen an der Rezeption liegen. Eine davon gehört in die Hosentasche, denn sie funktioniert auch dann noch, wenn der Akku des Telefons am Abend leer ist.
FAQHäufige Fragen
Kommt man in China mit Englisch zurecht?
In internationalen Hotels, an Flughäfen und in den Metros der großen Städte meist ja. Im Taxi, in kleinen Restaurants und auf dem Land kaum. Eine Übersetzer-App mit heruntergeladenem Offline-Paket ist deshalb wichtiger als jedes Sprachniveau.
Funktioniert Google Übersetzer in China?
Ohne Umweg sind die Google-Server in China nicht erreichbar. Die Offline-Übersetzung funktioniert aber, wenn das Sprachpaket für Chinesisch vor der Abreise heruntergeladen wurde. Mit deutschem Roaming oder einer eSIM mit Auslandsroute ist die App meist auch online nutzbar.
Sind WhatsApp und Instagram in China gesperrt?
Über chinesische WLANs und SIM-Karten sind sie nicht erreichbar. Wer über das Roaming des deutschen Anbieters surft, kann sie in der Regel weiter nutzen. Mehr dazu auf der Seite eSIM, VPN und Apps für China.
Gibt es in chinesischen Toiletten Papier?
In Hotels, Einkaufszentren und Flughäfen meist ja, in öffentlichen Toiletten, an Bahnhöfen kleinerer Städte und an Ausflugszielen oft nicht. Eine Packung Taschentücher gehört deshalb in jede Tagestasche.
Kann man in China Leitungswasser trinken?
Nein, Leitungswasser sollte in China nicht ungekocht getrunken werden. Hotels stellen Wasserkocher oder Flaschenwasser bereit, und in Zügen und Bahnhöfen gibt es Spender mit heißem Wasser.
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