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Zugtickets über 12306 kaufen: Reisepass, App, Bahnhof

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Peking nach Shanghai in gut vier Stunden: Die Fahrkarte dafür ist der Reisepass, gebucht wird über die Plattform 12306. Die englische Fassung macht das auch ohne Chinesischkenntnisse möglich.

Veröffentlicht 24. August 2026Aktualisiert 24. August 2026

Zeichnung in Tusche zum Thema: Zugtickets über 12306 kaufen: Reisepass, App, Bahnhof
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Der Bahnhof Beijing South erinnert eher an ein Flughafenterminal als an einen Bahnhof. Eine gewaltige Halle unter einem ovalen Dach, Sicherheitskontrollen am Eingang, Anzeigetafeln mit Dutzenden Abfahrten und Gates, vor denen sich Reisende in Schlangen sammeln, bis der Zug nach Shanghai, Tianjin oder Jinan aufgerufen wird. Wer hier einsteigen will, braucht keine Papierfahrkarte. Der Pass reicht, sofern das Ticket vorher über 12306 gebucht wurde.

12306 ist die offizielle Buchungsplattform von China Railway, benannt nach der Telefonnummer der Bahnauskunft. Über sie laufen Fahrkarten für nahezu alle Züge im Land, vom Hochgeschwindigkeitszug der G-Klasse bis zum langsamen Nachtzug mit Liegewagen. Seit einigen Jahren gibt es eine englische Website und eine englische Fassung der App, die für Inhaber ausländischer Pässe freigeschaltet sind.

Welche Züge es gibt

Bevor es um die Buchung geht, ein kurzer Blick auf das Angebot. Die Buchstaben vor der Zugnummer verraten den Typ. G steht für Hochgeschwindigkeitszüge auf den neuen Strecken, D für schnelle Züge, die etwas langsamer oder auf gemischten Strecken fahren. C bezeichnet Pendel- und Regionalschnellzüge, etwa zwischen Peking und Tianjin. Z, T und K sind konventionelle Züge, oft über Nacht, mit Sitzen, harten und weichen Liegen. Zahlen ohne Buchstaben gehören zu langsamen Regionalzügen.

Für Reisende mit wenig Zeit sind G- und D-Züge der Normalfall. Wer eine Strecke wie Chengdu nach Kunming oder Xi’an nach Lanzhou fährt, hat die Wahl zwischen einer schnellen Tagesfahrt und einem Nachtzug, der eine Hotelnacht spart. Einen Überblick über die wichtigsten Strecken und das Netz gibt die Seite Zugfahren in China.

Registrierung mit dem Reisepass

Die englische Website von 12306 steht unter 12306.cn in einer englischen Sprachversion bereit, die App heißt in den Stores Railway 12306 oder China Railway 12306. Für die Anmeldung legt man ein Konto mit E-Mail-Adresse oder Telefonnummer an und hinterlegt die eigenen Daten: Name wie im Pass, Nationalität, Passnummer, Geburtsdatum, Ablaufdatum des Passes. Der Name gehört in der Schreibweise der maschinenlesbaren Zeile ins Formular, also ohne Umlaute und in Großbuchstaben.

Nach der Registrierung prüft 12306 die Passdaten. Das geht teils sofort, teils dauert es. In einigen Fällen verlangt das System, die Verifizierung an einem Bahnhofsschalter abzuschließen, wo ein Mitarbeiter den Pass einsieht. Diese Hürde lässt sich nicht aus Deutschland lösen, sie ist ärgerlich, aber meist eine Sache von wenigen Minuten am ersten Bahnhof der Reise.

Bestätigungscodes schickt 12306 per E-Mail oder SMS. Wer sich mit der deutschen Mobilnummer registriert, braucht während der Reise SMS-Empfang auf dieser Nummer, etwa über die zweite Leitung neben einer Reise-eSIM.

Mitreisende legt man im Konto als eigene Passagiere an, jeweils mit ihren Passdaten. Ein Konto kann damit Tickets für die ganze Familie oder eine Reisegruppe buchen. Jeder Mitreisende braucht allerdings seinen eigenen Pass am Gate, denn das Ticket ist an genau diesen Pass gebunden.

Die Buchung

Der Buchungsablauf folgt einer einfachen Logik. Abfahrtsbahnhof und Zielbahnhof eingeben, Datum wählen, dann erscheint eine Liste der Züge mit Abfahrt, Ankunft, Fahrzeit und verfügbaren Klassen. Großstädte haben oft mehrere Bahnhöfe. Peking etwa hat unter anderem Beijing, Beijing South, Beijing West und Beijing North, Shanghai hat Shanghai und Shanghai Hongqiao. Die Suche nach der Stadt statt nach einem Bahnhof zeigt meist alle an. Wichtig ist, sich den Bahnhof zu merken, von dem der gebuchte Zug abfährt, denn zwischen den Bahnhöfen liegen oft eine Stunde Metrofahrt.

In Hochgeschwindigkeitszügen gibt es in der Regel drei Klassen: zweite Klasse mit fünf Sitzen pro Reihe, erste Klasse mit vier Sitzen und eine Business- oder Premiumklasse mit wenigen, sehr breiten Sitzen. Die zweite Klasse ist für die meisten Fahrten völlig ausreichend. Bei der Buchung lässt sich oft ein Sitzplatztyp wählen, etwa Fenster oder Gang. Die Buchstaben A und F bezeichnen in der zweiten Klasse meist die Fensterplätze.

Bezahlt wird mit Alipay, WeChat Pay oder in einigen Fällen mit internationalen Kreditkarten. Wer Alipay nutzt, sieht das Ticket nach der Zahlung in der App bestätigt. Eine Anleitung dazu steht im Beitrag Alipay als Tourist einrichten. Nach der Buchung erscheinen Wagen- und Sitznummer in der Bestellübersicht. Ein Screenshot davon ist nützlich, falls am Bahnhof das Netz fehlt.

Wann der Verkauf beginnt und was ausverkauft bedeutet

Der Vorverkauf startet eine feste Zahl von Tagen vor der Abfahrt. Die genaue Frist und die Uhrzeit, zu der neue Kontingente freigeschaltet werden, stehen in den Hinweisen von 12306. Außerhalb von Ferien sind die meisten Züge auch kurzfristig buchbar. Zu Feiertagen, allen voran rund um das Frühlingsfest, sind beliebte Verbindungen innerhalb von Minuten ausverkauft. Das ist die Zeit der großen Heimreisewelle, die im Beitrag Reisen rund um das chinesische Neujahr beschrieben ist.

Ist ein Zug ausverkauft, bietet 12306 oft eine Warteliste an. Dabei hinterlegt man einen Wunsch, und das System teilt einen Platz zu, falls jemand storniert. Das klappt erstaunlich oft, ist aber keine Garantie. Eine andere Lösung sind Teilstrecken: Gelegentlich ist ein längerer Abschnitt des gleichen Zuges noch buchbar, oder man kauft zwei Tickets mit Umstieg in einer Zwischenstadt.

Stehplätze gibt es in Hochgeschwindigkeitszügen nur in Ausnahmefällen. In konventionellen Zügen werden sie bei hoher Nachfrage verkauft. Für Reisende, die Gepäck dabei haben, ist das eine sehr anstrengende Option.

Umbuchung und Stornierung

Tickets lassen sich vor der Abfahrt in der App umbuchen oder stornieren. Die Gebühren richten sich danach, wie kurz vor der Abfahrt man storniert: Je knapper, desto höher. Die Details ändern sich gelegentlich und stehen in den Hinweisen der Plattform, eine feste Zahl wäre hier schnell veraltet. Das Geld fließt auf das Zahlungsmittel zurück, das bei der Buchung verwendet wurde, was bei Alipay mit ausländischer Karte einige Tage dauern kann.

Für Umbuchungen gibt es noch eine praktische Variante. Wer zu früh am Bahnhof ist, kann an manchen Schaltern oder in der App auf einen früheren Zug derselben Strecke umbuchen, sofern dort Plätze frei sind. In der Hochsaison ist das selten möglich, an ruhigen Tagen spart es Wartezeit.

Betriebszeiten der Plattform sind eine Eigenheit, die Reisende überrascht. Verkauf und Umbuchung laufen nicht rund um die Uhr, sondern von frühmorgens bis nach Mitternacht, mit einem Wartungsfenster in der Nacht. Wer um drei Uhr morgens buchen möchte, muss warten.

Am Bahnhof: Kontrolle, Wartehalle, Gate

Große Bahnhöfe in China sind keine offenen Durchgangsorte wie in Deutschland. Am Eingang wird der Pass kontrolliert, danach durchlaufen Gepäck und Reisende eine Sicherheitskontrolle mit Röntgengerät. Feuerzeuge, Messer über einer bestimmten Länge und brennbare Flüssigkeiten dürfen nicht mit. Getränke sind meist erlaubt. Für den Weg vom Eingang bis zum Gate braucht man an großen Bahnhöfen wie Shanghai Hongqiao, Guangzhou South oder Chengdu East mehr Zeit als gedacht, weil Kontrolle, Rolltreppen und lange Hallen zusammenkommen. Eine Dreiviertelstunde vor Abfahrt am Eingang zu sein, ist an normalen Tagen realistisch, zu Feiertagen eher mehr.

Hinter der Kontrolle liegt die Wartehalle. Anzeigetafeln zeigen für jeden Zug das Gate, an dem der Einstieg erfolgt. Kurz vor Abfahrt öffnen die Sperren, und die Reisenden gehen hinunter zum Bahnsteig. An vielen Bahnhöfen lassen sich die automatischen Sperren inzwischen mit dem Scan des Passes öffnen. Wo das nicht funktioniert, gibt es einen Durchgang mit Personal, an dem Pass und Buchung geprüft werden. Die Sperren schließen einige Minuten vor Abfahrt, danach ist kein Einstieg mehr möglich, auch wenn der Zug noch steht.

Der richtige Wagen ist leicht zu finden. Auf dem Bahnsteig markieren Nummern am Boden, wo welcher Wagen hält. Die Züge sind pünktlich, und die Haltezeiten an Zwischenbahnhöfen sind kurz, oft nur zwei Minuten. Also schon beim Einfahren am richtigen Abschnitt stehen.

Eine kleine Beobachtung am Rand: In der zweiten Klasse chinesischer Hochgeschwindigkeitszüge lassen sich die Sitzreihen drehen. Am Endbahnhof dreht das Personal alle Reihen in Fahrtrichtung, damit niemand rückwärts fahren muss.

Nachtzüge und Liegewagen

Nicht jede Strecke muss im Hochgeschwindigkeitszug zurückgelegt werden. Auf langen Verbindungen, etwa von Peking nach Xi’an oder von Kunming nach Lijiang, fahren weiterhin konventionelle Nachtzüge, und manche Strecken bedienen inzwischen auch Hochgeschwindigkeits-Schlafwagen der D-Klasse. Bei 12306 erscheinen die Liegeplätze als eigene Kategorien. Die weiche Liege liegt in einem Abteil mit vier Betten und abschließbarer Tür, die harte Liege in einem offenen Wagen mit Nischen zu je sechs Betten, drei übereinander.

Bei der harten Liege entscheidet die Etage über den Komfort. Das untere Bett ist am teuersten, weil man dort sitzen kann und nicht klettern muss, tagsüber nutzen es allerdings alle Nischennachbarn als Sitzbank. Das obere Bett ist am günstigsten und am ruhigsten, dafür reicht die Höhe kaum zum Aufsetzen. Das mittlere ist ein Kompromiss. Wer zu zweit reist und eine Nische teilen will, bucht beide Plätze in einem Vorgang, dann vergibt das System sie meist zusammen.

Gepäck an Bord

Für Gepäck gibt es in chinesischen Zügen keine strengen Grenzen wie im Flugzeug, der Platz ist aber begrenzt. Über den Sitzen liegt eine durchgehende Ablage, in die auch mittelgroße Koffer passen. Am Wagenende gibt es in vielen Hochgeschwindigkeitszügen ein Gestell für große Stücke. Wer mit sehr großem Koffer reist, steigt früh ein, denn diese Plätze sind schnell belegt. Das Gepäck bleibt während der Fahrt beim Reisenden, einen Gepäckwagen wie früher gibt es auf den schnellen Strecken nicht.

Zug oder Flugzeug?

Auf Distanzen bis etwa fünf oder sechs Stunden Fahrzeit ist der Zug fast immer die bessere Wahl. Die Bahnhöfe liegen zentraler als die Flughäfen, die Sicherheitskontrolle ist schneller, und Verspätungen sind selten. Auf der Strecke Peking nach Shanghai hat der Hochgeschwindigkeitszug dem Flugzeug seit der Eröffnung 2011 viele Fahrgäste abgenommen. Erst bei sehr langen Strecken, etwa von Peking nach Kunming oder Guilin nach Harbin, lohnt der Flug.

Ankunft und Ausgang

Am Zielbahnhof führt der Weg über den Ausgang, an dem der Pass manchmal erneut kurz geprüft wird. Wer weiter mit der Metro fährt, folgt den Schildern mit dem Metrosymbol. An großen Bahnhöfen sind Taxi- und Fahrdienstzonen ausgeschildert, eine Anleitung zu Didi und den Karten-Apps steht im Beitrag Amap, Didi und die Metro-Apps.

Für längere Reisen durch mehrere Städte lohnt es sich, die Zugstrecken früh festzulegen und die Tickets zu buchen, sobald der Verkauf beginnt. Wie eine solche Strecke aussehen kann, zeigt die Beispielroute für 14 Tage, weitere praktische Fragen vom Stromadapter bis zur Apotheke bündelt die Seite China Reisetipps.

An Bord gibt es in Hochgeschwindigkeitszügen heißes Wasser aus einem Spender am Wagenende. Chinesische Mitreisende haben dafür eine Thermoskanne oder einen Becher mit Instantnudeln dabei, und spätestens nach der ersten Stunde riecht der Wagen nach Rindfleischbrühe.

FAQHäufige Fragen

Kann man bei 12306 mit einem deutschen Reisepass buchen?

Ja. Die englische Website und die App von 12306 sind für Inhaber ausländischer Pässe freigeschaltet. Bei der Registrierung werden Name, Passnummer und Nationalität hinterlegt, anschließend prüft das System die Angaben.

Braucht man eine ausgedruckte Fahrkarte?

In der Regel nicht. Die Fahrkarte ist elektronisch mit dem Pass verknüpft. An vielen Bahnhöfen öffnen automatische Sperren mit dem Scan des Passes, wo das nicht klappt, führt der Weg über den Schalter mit Personal. Ein Beleg lässt sich bei Bedarf am Bahnhof ausdrucken.

Wie weit im Voraus kann man Zugtickets in China buchen?

Der Verkauf beginnt eine feste Zahl von Tagen vor der Abfahrt, die 12306 in den Buchungshinweisen nennt. Für Feiertagszeiten wie das Frühlingsfest lohnt es sich, den Verkaufsstart genau abzupassen.

Kann man ein 12306-Ticket stornieren?

Ja, Stornierungen und Umbuchungen sind vor der Abfahrt über die App möglich. Die Gebühr hängt davon ab, wie kurz vor der Abfahrt storniert wird, die aktuellen Regeln stehen in den Hinweisen von 12306.

Wie früh sollte man am Bahnhof sein?

Großbahnhöfe in China funktionieren wie kleine Flughäfen mit Sicherheitskontrolle und Wartehalle. Die Sperren zum Bahnsteig schließen kurz vor Abfahrt. Eine Dreiviertelstunde Puffer ist für große Bahnhöfe realistisch, zu Feiertagen mehr.

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