Am Eingang zum Lama-Tempel in Peking hängen keine Schilder mit Kleiderregeln, und trotzdem fällt auf, wer in Trägertop und Shorts zwischen den betenden Pilgern steht. Ein paar hundert Kilometer entfernt, auf dem Mauerabschnitt bei Jinshanling, spielt die Kleidung eine ganz andere Rolle: Dort entscheidet die Schuhsohle, ob der Abstieg angenehm oder mühsam wird. Beim Packen für China geht es vor allem um diese zwei Fragen, das Klima und den Anlass.
Wie unterscheidet sich das Klima nach Region?
China reicht von der subarktischen Kälte am Amur bis zu den Tropen auf Hainan. Für die Kleidung lassen sich grob vier Zonen unterscheiden, die für die meisten Reiserouten entscheidend sind.
Der Norden mit Peking, Xi’an und der Inneren Mongolei hat ein kontinentales Klima: heiße, oft schwüle Sommer, kurze Übergangszeiten und lange, trockene, kalte Winter. Weiter nordöstlich, in Harbin, wird es im Winter so kalt, dass dort jedes Jahr Eisfestivals mit ganzen Palästen aus Eis entstehen.
Das Jangtse-Gebiet mit Shanghai, Hangzhou, Suzhou und Wuhan ist feuchter. Die Sommer sind heiß und drückend, im Frühsommer bringt die Pflaumenregenzeit, „meiyu“, wochenlang Nieselregen. Die Winter sind nicht so kalt wie in Peking, fühlen sich wegen der Feuchtigkeit aber oft kälter an.
Der Süden mit Guangzhou, Hongkong, Guilin und Hainan ist subtropisch bis tropisch. Leichte Kleidung genügt dort fast das ganze Jahr, dafür regnet es im Sommer oft heftig, und im Sommer und Herbst können Taifune die Küste treffen.
Der Südwesten ist ein Fall für sich. Kunming heißt „Stadt des ewigen Frühlings“, weil die Hochlage die Temperaturen ausgleicht; tagsüber ist es mild, nachts kühl, und die Sonne brennt in der Höhe stärker, als die Luft vermuten lässt. In Lijiang, Shangri-La und auf dem tibetischen Hochland sind die Nächte auch im Sommer kalt. Einen Überblick nach Monaten bietet die Seite zur Reisezeit und zum Klima.
Die Heizungsgrenze: warum der Winter im Süden kälter wirkt
Ein Detail, das viele Reisende überrascht, hat mit einer Linie auf der Landkarte zu tun. Entlang des Qinling-Gebirges und des Huai-Flusses verläuft die traditionelle Grenze zwischen Nord- und Südchina, und sie war lange auch eine Grenze der Heizung. Nördlich davon wurden Städte in der Planwirtschaft mit Fernwärme ausgestattet, südlich davon nicht. Das wirkt bis heute nach: In Peking sind Wohnungen, Hotels und Museen im Winter gut geheizt, in Shanghai, Hangzhou oder Chengdu dagegen haben viele ältere Gebäude nur Klimaanlagen, die auch heizen können, oder gar keine Heizung.
Für die Kleidung heißt das: In Peking zieht man sich für draußen warm an und kann drinnen ablegen. Im Jangtse-Gebiet friert man im Winter eher drinnen, in Restaurants, Tempeln und alten Gasthäusern. Eine Schicht Thermounterwäsche und ein warmer Pullover, den man nicht ablegen muss, sind dort die bessere Strategie als eine dicke Jacke allein.
Was packt man für welche Jahreszeit?
Im Frühling, grob von März bis Mai, schwanken die Temperaturen stark. Im Norden kann es morgens frisch und mittags warm sein, dazu kommen in Peking gelegentlich Sandstürme aus der Wüste Gobi und herumfliegende Pappelsamen, die wie Schnee durch die Straßen treiben. Das Zwiebelprinzip mit T-Shirt, dünnem Pullover und leichter Jacke funktioniert am besten.
Der Sommer ist fast überall heiß, im Süden und im Jangtse-Gebiet zudem sehr feucht. Leichte, lockere Kleidung, am besten aus Leinen, Baumwolle oder schnell trocknendem Funktionsstoff, ein Sonnenhut und eine dünne Regenjacke gehören ins Gepäck. Weil Züge, Einkaufszentren und Museen stark klimatisiert sind, sollte trotzdem eine leichte Jacke im Tagesrucksack sein. Den Sonnenschirm, den man in China oft sieht, kann man vor Ort kaufen; er ist dort ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand und kein Regenschutz.
Der Herbst gilt in weiten Teilen des Landes als die angenehmste Reisezeit. Im Norden ist es klar und trocken, tagsüber mild und abends kühl. Eine Jacke für den Abend reicht meist, ab November wird es im Norden rasch winterlich.
Im Winter braucht man im Norden eine richtig warme Ausrüstung: Daunenjacke, Mütze, Handschuhe, Schal und Schuhe mit dicker Sohle. Im Süden genügt eine Übergangsjacke, im Jangtse-Gebiet zusätzlich warme Kleidung für drinnen.
Kleidung beim Tempelbesuch
Chinesische Tempel sind in den meisten Fällen lebendige Orte, an denen gebetet, geräuchert und gespendet wird. Eine formale Kleiderordnung gibt es in buddhistischen und daoistischen Tempeln der Han-Chinesen selten. Zurückhaltende Kleidung ist trotzdem eine Frage des Respekts: keine sehr kurzen Shorts, keine bauchfreien Oberteile, keine Kleidung mit auffälligen Aufdrucken. In den Hallen nimmt man Hüte und Sonnenbrillen ab.
Strenger sind tibetisch-buddhistische Klöster, etwa das Songzanlin-Kloster bei Shangri-La oder der Lama-Tempel in Peking, und die Moscheen, etwa die Große Moschee in Xi’an. Dort sollten Schultern und Knie bedeckt sein. In Moscheen wird Frauen oft ein Kopftuch nahegelegt, und der Gebetsraum ist Nichtmuslimen häufig nicht zugänglich. In tibetischen Klöstern geht man im Uhrzeigersinn um Stupas, Gebetsmühlen und Heiligtümer, und in manchen Hallen ist das Fotografieren untersagt. Eine dünne Strickjacke oder ein großes Tuch im Tagesrucksack löst die meisten dieser Fragen, auch im Hochsommer. Mehr über die Glaubensrichtungen hinter den Tempeln steht auf der Seite zu den Religionen Chinas.
Welche Schuhe braucht man für die Große Mauer?
Die Chinesische Mauer ist kein Spazierweg. Selbst gut restaurierte Abschnitte bestehen aus Stufen in allen Höhen, von flachen Absätzen bis zu Tritten, die einem Erwachsenen bis zum Knie reichen, und aus geneigten Rampen mit abgetretenem Stein. Bei Regen oder Frost werden sie glatt. Auf unrestaurierten Abschnitten kommen lose Steine, Geröll und Pfade durch Gestrüpp hinzu.
Am besten eignen sich eingelaufene Wander- oder Trekkingschuhe mit griffiger Profilsohle, bei unrestaurierten Abschnitten mit Knöchelhalt. Auf einem gut ausgebauten Abschnitt wie Mutianyu reichen auch feste Sportschuhe mit guter Sohle. Neue, nicht eingelaufene Schuhe sind eine häufige Ursache für Blasen, glatte Sohlen für Stürze beim Abstieg. Wer im Winter auf die Mauer geht, braucht zusätzlich warme Socken und Handschuhe, denn auf dem Grat pfeift der Wind. Welche Abschnitte sich für wen eignen, erklärt die Seite zur Chinesischen Mauer, der beliebte Abschnitt Mutianyu hat eine eigene Seite.
Auch abseits der Mauer sind gute Schuhe wichtig. Ein Tag in der Verbotenen Stadt, in den Gärten von Suzhou oder in der Altstadt von Pingyao summiert sich schnell auf viele Kilometer über Steinpflaster, Schwellen und Treppen. Bequeme, eingelaufene Schuhe, dazu Sandalen für heiße Tage und ein zweites Paar zum Wechseln, sind mehr wert als jedes elegante Paar für den Abend.
Kleidung für Wandern, Flussfahrten und Geschäftstermine
Wer in China wandert, braucht etwas mehr als Stadtkleidung. Am Huangshan in der Provinz Anhui führen Tausende Steinstufen auf die Gipfel, oben ist es deutlich kühler als im Tal, und Nebel und Nieselregen kommen oft innerhalb einer Stunde. Eine winddichte Jacke und eine Schicht zum Wärmen gehören dort auch im Sommer in den Rucksack. In den Reisterrassen von Longji sind die Pfade nach Regen lehmig, und leichte Schuhe mit glatter Sohle rutschen. Touren wie diese beschreibt die Seite zum Wandern in China.
In Yunnan kommt die Höhe hinzu. Wer von Kunming über Dali und Lijiang nach Shangri-La reist, erlebt an einem Tag Sonne mit starker UV-Strahlung und am Abend Temperaturen, bei denen eine Daunenweste willkommen ist. Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, eine Kappe und eine warme Schicht für den Abend sind deshalb Pflicht, mehr zu den Etappen steht auf der Seite zu Yunnan.
Auf einer Flussfahrt auf dem Jangtse oder dem Li-Fluss weht an Deck oft ein kühler Wind, auch wenn es an Land warm ist. Eine leichte Jacke und eine Kopfbedeckung reichen, für Landgänge braucht man bequeme Schuhe.
Für Geschäftsreisen gelten die Maßstäbe internationaler Unternehmen: Anzug oder Kombination, für Frauen ein Kostüm oder ein Hosenanzug, gedeckte Farben. Im Sommer ist in vielen Firmen ein Hemd ohne Krawatte üblich. Bei Banketten, zu denen Geschäftspartner einladen, ist Kleidung eine Form der Höflichkeit, und zu legere Kleidung wird eher bemerkt als zu formelle. Farben tragen dabei eine eigene Bedeutung. Rot steht für Glück und wird zu Hochzeiten und zum Neujahrsfest getragen, Weiß ist traditionell die Farbe der Trauer. Im Alltag achtet darauf niemand, bei einer Einladung zu einer Hochzeit wäre ein ganz weißes Outfit dagegen ein Missgriff, und zu einer Beerdigung trägt man keine kräftigen Farben.
Packliste für eine zweiwöchige Reise
Für eine Rundreise von zwei Wochen im Frühling oder Herbst durch mehrere Klimazonen hat sich folgende Grundausstattung bewährt:
- drei bis vier T-Shirts oder Blusen aus schnell trocknendem Material
- zwei lange Hosen, davon eine leichte, und bei Bedarf eine knielange Hose oder ein Rock
- ein warmer Pullover oder eine Fleecejacke
- eine leichte, wasserdichte Jacke mit Kapuze
- Unterwäsche und Socken für eine Woche, dazu ein Paar Wandersocken
- eingelaufene Wander- oder feste Sportschuhe und ein leichtes zweites Paar
- ein großes Tuch oder eine dünne Strickjacke für Tempel und klimatisierte Räume
- Sonnenhut, Sonnenbrille und für den Winter im Norden Mütze und Handschuhe
- eine Packung Taschentücher und ein kleines Handtuch für unterwegs
Mit dieser Liste kommt man durch die meisten Situationen. Alles zusammen passt in einen mittelgroßen Koffer oder einen Rucksack, was bei Umstiegen in Zügen und Metro ein echter Vorteil ist. Im Sommer fällt der warme Pullover weg und ein zweites leichtes Hemd kommt hinzu, im Winter ersetzt eine Daunenjacke die Regenjacke.
Wäsche waschen und Nachkaufen vor Ort
Weil fast alle Hotels einen Wäscheservice anbieten und viele Mittelklassehäuser Waschmaschinen für Gäste haben, muss niemand für jede Reisewoche einen eigenen Stapel Kleidung einpacken. In Städten gibt es außerdem Waschsalons, die sich häufig per QR-Code bedienen lassen. Schnell trocknende Kleidung aus Funktionsstoff oder Merino ist dabei im Vorteil, weil sie über Nacht im Zimmer trocknet.
Vergessenes lässt sich in China günstig nachkaufen. Kaufhäuser, Einkaufszentren und Märkte führen Kleidung für jede Jahreszeit, und internationale Marken haben Filialen in allen großen Städten. Schwierig wird es bei großen Größen: Schuhe jenseits der europäischen Größe 44 und Kleidung in großen Konfektionsgrößen sind außerhalb der Großstädte selten zu finden. Wer darauf angewiesen ist, nimmt ausreichend Ersatz mit. Günstig und praktisch sind dagegen Regenschirme, Regenponchos, Handschuhe, Mützen und Thermounterwäsche, die in jedem Supermarkt und in vielen Convenience-Stores bereitliegen, sobald das Wetter umschlägt. Wer im Winter ohne warme Schicht in Peking ankommt, findet in den Einkaufsstraßen innerhalb einer Stunde alles, was fehlt.
Auf Märkten für Kleidung und Stoffe wird gehandelt, in Kaufhäusern nicht; wie das Feilschen höflich gelingt, beschreibt die Seite zu Sitten und Verhandlungsregeln. Beliebt als Mitbringsel sind nach Maß geschneiderte Hemden oder ein Qipao, das eng anliegende Kleid mit Stehkragen, das in Shanghai in den 1920er- und 1930er-Jahren seine heute bekannte Form bekam. Schneider in Shanghai und Hongkong fertigen solche Stücke oft innerhalb weniger Tage, wobei eine Anprobe vor der Abreise eingeplant werden sollte.
FAQHäufige Fragen
Was zieht man in China im Sommer an?
Leichte, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle, Leinen oder Funktionsstoffen, dazu Sonnenhut und eine dünne Regenjacke. Für klimatisierte Züge, Museen und Hotels gehört eine leichte Jacke oder ein Pullover in den Tagesrucksack.
Wie warm muss man sich im Winter in Peking anziehen?
Richtig warm. Peking ist im Winter trocken und kalt, oft mit scharfem Wind. Daunenjacke, Mütze, Handschuhe, Schal und warme Schuhe sind angemessen, besonders für Ausflüge an die Große Mauer.
Gibt es in China eine Kleiderordnung für Tempel?
In den meisten buddhistischen und daoistischen Tempeln gibt es keine strenge Kleiderordnung, zurückhaltende Kleidung wird aber geschätzt. In tibetischen Klöstern und in Moscheen sollten Schultern und Knie bedeckt sein. Hüte nimmt man in den Hallen ab.
Welche Schuhe braucht man für die Chinesische Mauer?
Eingelaufene Wander- oder Trekkingschuhe mit griffiger Sohle. Die Stufen sind unregelmäßig hoch, teils sehr steil und bei Nässe rutschig. Neue Schuhe oder glatte Sohlen sind dort eine schlechte Wahl.
Kann man in China unterwegs Wäsche waschen?
Ja. Viele Hotels bieten einen Wäscheservice, manche haben Waschmaschinen zur Selbstbedienung, und in Städten gibt es Waschsalons. Mit schnell trocknender Kleidung reicht deshalb meist ein Koffer für eine Woche.
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