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Wandern in China: Huangshan, Reisterrassen, Li-Fluss und Mauer

In China wandert man selten allein und fast nie auf Erde: Die berühmten Berge sind mit Treppen aus Granit erschlossen. Wo sich das trotzdem lohnt, wo es ruhiger wird und was man vorher wissen sollte.

RedaktionAktualisiert September 2026

Zeichnung in Tusche zum Thema: Wandern in China: Huangshan, Reisterrassen, Li-Fluss und Mauer
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Auf den Treppen des Huangshan begegnet man Trägern, die Getränkekisten, Gasflaschen und Bettwäsche an einer Bambusstange über der Schulter nach oben tragen. Sie gehen in kurzen, gleichmäßigen Schritten, bleiben selten stehen und überholen fast jeden Wanderer, der mit einem Tagesrucksack unterwegs ist. Die Hotels auf dem Gipfelplateau werden zu einem guten Teil auf diese Weise versorgt, obwohl es Seilbahnen gibt. Wer einem dieser Träger zusieht, versteht schnell, dass in China die Berge anders erschlossen sind als in den Alpen.

Chinesische Landschaften sieht man in Europa meist zuerst auf Bildern: Tuschmalereien mit steilen Gipfeln, Nebel, einem einsamen Pavillon und einer Kiefer am Fels. Diese Bilder sind nicht erfunden. Die Maler hatten reale Berge vor Augen, allen voran den Huangshan, und viele der berühmten Landschaften sehen bei Nebel tatsächlich so aus. Zu Fuß durch diese Bilder zu gehen, ist einer der schönsten Gründe, China zu bereisen.

Wie man in China wandert

Wer mit alpinen Erwartungen kommt, wird überrascht. Die bekannten Berge Chinas sind seit Jahrhunderten Pilger- und Ausflugsziele und entsprechend ausgebaut. Die Wege bestehen aus Stufen, oft Tausenden hintereinander, aus Granit oder Beton, mit Geländern an steilen Stellen. Unterwegs stehen Pavillons, Verkaufsstände und Toiletten, auf den Gipfeln Hotels. Seilbahnen führen auf fast jeden berühmten Berg.

Das hat Vorteile: Die Wege sind sicher, auch bei Nässe gut begehbar, und man kann Touren abkürzen. Der Nachteil ist, dass sie an Wochenenden und in Ferienzeiten sehr voll sind. In den Wochen um den Nationalfeiertag im Oktober schieben sich auf manchen Bergen Menschenmengen die Treppen hinauf, und an Aussichtspunkten muss man warten. Außerhalb dieser Zeiten, unter der Woche und früh am Morgen, sind dieselben Wege ruhig.

Richtiges Wandern auf Pfaden aus Erde und Fels findet man eher in den Randgebieten: im Südwesten, in den Dörfern um die Reisterrassen, an Flussufern, auf unrestaurierten Abschnitten der Mauer. Dort ist man weniger unter Menschen, aber auch weniger abgesichert.

Huangshan: der Berg der Maler

Der Huangshan, der Gelbe Berg, liegt im Süden der Provinz Anhui und gehört seit 1990 als Natur- und Kulturerbe zur Welterbeliste. Das Massiv besteht aus Granitgipfeln, die aus Wolken aufragen, auf denen verdrehte Kiefern wachsen, und die nach Formen und Legenden benannt sind. Der höchste Gipfel, der Lotosgipfel, erreicht 1.864 Meter. Die Kiefer, die Gäste willkommen heißt, an einem Felsen neben dem Weg, ist eines der bekanntesten Motive des Landes.

Die klassische Tour dauert zwei Tage. Man steigt zu Fuß oder mit der Seilbahn auf, wandert über die Gipfel und durch den Westmeer-Canyon, übernachtet in einem Hotel auf dem Gipfelplateau und steht vor Sonnenaufgang auf, um das Wolkenmeer zu sehen, wenn es sich zeigt. Die Treppen sind zahllos, steil und gut ausgebaut, die Wege zwischen den Gipfeln abwechslungsreich. Wer den Berg nur an einem Tag sieht, hetzt und verpasst das Licht am Abend und am Morgen, das den Huangshan ausmacht.

Am Fuß des Berges lohnen die Dörfer Hongcun und Xidi, die mit ihren Wohnhäusern der Kaufleute aus der Region Huizhou seit 2000 ebenfalls Welterbe sind. Weiße Wände, schwarze Dächer und hohe Giebelmauern prägen das Bild. Die Region lässt sich mit dem Schnellzug über den Bahnhof Huangshan Nord erreichen.

Abschweifung: ein Reisender aus der Ming-Zeit

Dass der Huangshan heute als schönster Berg Chinas gilt, verdankt er auch einem Mann, der zu Fuß unterwegs war. Xu Xiake, ein Gelehrter aus der Gegend von Wuxi, verzichtete im frühen 17. Jahrhundert auf die Beamtenlaufbahn und verbrachte gut dreißig Jahre damit, durch das Land zu wandern. Seine Reisetagebücher beschreiben Berge, Höhlen und Flüsse mit einer Genauigkeit, die man eher einem Geografen als einem Dichter zutraut, und sie reichen bis nach Yunnan, wo er am Ende seines Lebens die Gegend um Lijiang und Dali erkundete. Ihm wird der Satz zugeschrieben, wer von den Fünf Heiligen Bergen zurückkomme, schaue keine anderen Berge mehr an, und wer vom Huangshan zurückkomme, schaue die Fünf Berge nicht mehr an. Chinesische Wanderer kennen ihn bis heute, und der Tag, an dem sein Tagebuch beginnt, wird in China als Tag des Tourismus begangen.

Unterkünfte am Berg und Tagesplanung

Auf den großen Bergen gibt es Hotels direkt auf dem Gipfelplateau oder an den Bergstationen der Seilbahnen. Sie sind einfach bis ordentlich, teurer als im Tal und an Wochenenden und Feiertagen schnell ausgebucht. Wer den Sonnenaufgang sehen will, muss dort übernachten oder sehr früh aufbrechen. Das Gepäck bleibt im Hotel im Tal; die meisten Häuser am Fuß der Berge bewahren Koffer für ihre Gäste auf.

Tagestouren plant man vom Ende her. Die letzte Seilbahn fährt am späten Nachmittag, und wer sie verpasst, steigt über Treppen ab, was Stunden dauern kann. Die Zeitangaben auf den Wegweisern sind für chinesische Wanderer berechnet, die zügig gehen, und passen meist gut. Pausen, Fotos und Warteschlangen an Aussichtspunkten kommen hinzu.

Longji: Wandern durch Reisterrassen

Nördlich von Guilin ziehen sich die Reisterrassen von Longji über die Berge. Zwischen den Dörfern Ping’an und Dazhai führt ein Wanderweg durch die Terrassen, über schmale Pfade und Treppen, vorbei an Holzhäusern der Zhuang und der Yao. Die Tour dauert einen Tag und lässt sich mit einer Übernachtung in einem Gästehaus verbinden. Die Terrassen sind im Frühling geflutet, im Sommer grün und im Herbst golden. Anders als auf den großen Bergen wandert man hier nicht durch einen Park, sondern durch eine bewirtschaftete Landschaft, in der Menschen arbeiten. Fotografieren ist erlaubt, Rücksicht auf die Felder selbstverständlich. Mehr zu den Terrassen steht auf der Seite zu den Reisterrassen und Karstbergen.

Am Ufer des Li-Flusses

Zwischen Yangdi und Xingping folgt ein Weg dem Li-Fluss durch die Karstlandschaft, die man sonst nur vom Boot aus sieht. Der Weg wechselt mehrmals das Ufer; kleine Fähren oder Flöße setzen gegen eine Gebühr über. Er führt durch Dörfer, Bambushaine und Obstgärten, ist flach und für jeden machbar, verlangt aber einen ganzen Tag. Der Weg endet in Xingping, dem Ort mit dem Motiv vom 20-Yuan-Schein. Wer ihn gehen will, fährt am Morgen mit dem Bus nach Yangdi und plant die Rückfahrt von Xingping vorher. Die Region um Guilin und Yangshuo beschreibt die Seite zu Guilin und Yangshuo.

Die Tigersprungschlucht

Der Höhenweg an der Tigersprungschlucht in Yunnan ist die bekannteste mehrtägige Wanderung Chinas und die einzige, die an eine Tour in den Alpen erinnert. Er führt an der Flanke des Haba-Schneebergs entlang, hoch über dem Jinsha, mit Blick auf die Wände des Jadedrachen-Schneebergs. Übernachtet wird in Gästehäusern. Der Weg ist nicht schwierig, verlangt aber Kondition und eine gewisse Vorsicht wegen Steinschlag. Alles zu Route, Unterkünften und Sicherheit steht auf der Seite zur Tigersprungschlucht.

Die Mauer zu Fuß

Die Chinesische Mauer ist eine Wanderung, auch wenn sie selten so genannt wird. Auf den restaurierten Abschnitten nördlich von Peking geht man über Stufen und Rampen von Wachturm zu Wachturm, oft steil und mit großen Höhenunterschieden. Mutianyu ist gut restauriert, weniger überfüllt als Badaling und hat eine Seilbahn und eine Rodelbahn für den Abstieg. Huanghuacheng hat einen Abschnitt, der an einem Stausee endet und teilweise im Wasser verschwindet.

Die unrestaurierten Abschnitte, etwa bei Jiankou, sind landschaftlich großartig, aber bröckelig, steil und offiziell meist nicht freigegeben. Wer dort unterwegs ist, bewegt sich außerhalb der Regeln und auf eigenes Risiko. Einen Überblick über die Abschnitte gibt die Seite zur Chinesischen Mauer, Details zum meistempfohlenen Abschnitt stehen unter Mutianyu.

Weitere Berge

Neben dem Huangshan gibt es eine Reihe von Bergen, die in China als heilig oder berühmt gelten. Der Tai Shan in Shandong war über Jahrhunderte der Berg, auf dem Kaiser dem Himmel opferten; seine Treppe mit Tausenden von Stufen ist ein klassischer Nachtaufstieg zum Sonnenaufgang. Der Hua Shan bei Xi’an ist berühmt für seine steilen Pfade an Felswänden. Der Emei Shan in Sichuan ist einer der vier heiligen Berge des Buddhismus, mit Klöstern entlang des Weges und Makaken, die Wanderern das Essen aus der Hand reißen; mehr dazu auf der Seite zu Chengdu und Sichuan.

Im Nordwesten der Provinz Hunan liegt Zhangjiajie mit dem Landschaftsgebiet Wulingyuan, seit 1992 Welterbe. Tausende von Sandsteinsäulen stehen dort dicht nebeneinander in einem Wald. Die Wege sind gut ausgebaut, es gibt Aufzüge und Seilbahnen, und in den Ferien ist der Andrang enorm.

Praktische Hinweise

Die wichtigste Vorbereitung ist die Wahl der Zeit. Wer die großen Berge an einem Wochentag außerhalb der Ferien besucht, erlebt sie ganz anders als an einem Feiertag. Für die Landschaftsgebiete wird Eintritt verlangt, oft mit Reservierung und Reisepass. Aktuelle Regeln, Öffnungszeiten und Preise vorab beim Betreiber prüfen.

Das Wetter unterscheidet sich stark nach Region. Im Norden, an der Mauer und am Tai Shan, sind Frühling und Herbst trocken und klar, der Sommer bringt Gewitter, der Winter Frost und vereiste Stufen. Im Süden, am Li-Fluss und in den Reisterrassen, regnet es im Frühling und Sommer viel, und die Luftfeuchtigkeit macht jede Steigung anstrengender. In Yunnan bestimmt der Monsun den Rhythmus: Trockenzeit im Winterhalbjahr, Regenzeit im Sommer, mit Erdrutschgefahr auf den Bergwegen. Auf dem Huangshan kann es an einem Tag gleichzeitig sonnig im Tal und nebelig auf dem Gipfel sein, und gerade dieser Nebel ist es, den die Maler festhielten.

Die Karten auf dem Telefon sind für Wanderwege unterschiedlich gut. Die chinesischen Karten-Apps zeigen in den Landschaftsgebieten die Hauptwege meist zuverlässig an; welche Apps sich für Reisende bewährt haben, beschreibt die Seite zu Amap, Didi und Metro. Internationale Karten-Apps sind in China ungenau, weil die Kartendaten gegenüber dem Satellitenbild verschoben sind. Eine Offline-Karte und ein ausgedruckter Plan des Gebiets schaden nicht.

Ausrüstung: feste Schuhe mit guter Sohle, weil Steinstufen bei Nässe glatt werden; Regenschutz und eine warme Schicht, weil es auf den Bergen deutlich kühler ist als im Tal; Sonnenschutz und genug Wasser. Stöcke helfen beim Abstieg über Treppen, der die Knie stärker belastet als der Aufstieg. Was je nach Jahreszeit ins Gepäck gehört, steht auf der Seite zu Kleidung und Packliste.

Chinesische Wandergruppen sind gesellig, laut und hilfsbereit. Man wird angesprochen, fotografiert, zu Tee oder Obst eingeladen. Musik aus tragbaren Lautsprechern gehört auf manchen Wegen dazu. Wer Stille sucht, findet sie am frühen Morgen, bevor die erste Seilbahn fährt, und auf den Nebenwegen, die von den Hauptrouten abgehen und auf denen kaum jemand unterwegs ist.

Eine letzte Kleinigkeit: Auf vielen Berggipfeln hängen an den Geländern Tausende von Vorhängeschlössern mit Namen von Paaren, die sich ewige Liebe versprechen. Die Schlüssel werfen sie in die Schlucht. Man muss das nicht mitmachen, aber es erklärt, warum es in den Kiosken auf dem Gipfel Schlösser zu kaufen gibt.

FAQHäufige Fragen

Welche Wanderung in China ist die schönste?

Für einen ersten Eindruck der Landschaft eignen sich der Uferweg am Li-Fluss zwischen Yangdi und Xingping und die Wege durch die Reisterrassen von Longji. Die spektakulärste Bergwanderung ist der Höhenweg der Tigersprungschlucht in Yunnan, der bekannteste Berg der Huangshan.

Braucht man in China einen Führer zum Wandern?

Für die markierten Wege in den großen Landschaftsgebieten nicht. Die Wege sind ausgebaut und ausgeschildert, oft auch auf Englisch. Für abgelegene Abschnitte der Mauer, Hochgebirgstouren oder Mehrtagestouren ohne Infrastruktur ist ortskundige Begleitung sinnvoll.

Kann man in China wild zelten?

In den Landschaftsparks und Naturschutzgebieten ist Zelten außerhalb ausgewiesener Plätze meist verboten. Übernachtet wird in Berghotels, Gästehäusern oder in den Dörfern. Die Regeln unterscheiden sich von Gebiet zu Gebiet und werden vor Ort durchgesetzt.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in China?

Frühling und Herbst, also etwa April bis Mai und September bis November. Im Sommer sind viele Gebiete heiß, feucht und in den Ferien überfüllt, im Süden und Südwesten ist Regenzeit. Im Winter sind die Treppen in den Bergen des Nordens oft vereist.

Darf man auf unrestaurierten Abschnitten der Mauer wandern?

Viele unrestaurierte Abschnitte sind offiziell nicht für Besucher freigegeben, und das Verbot wird teils mit Kontrollen und Bußgeldern durchgesetzt. Auf den erschlossenen Abschnitten wie Mutianyu oder Huanghuacheng ist das Wandern erlaubt und sicherer.

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