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Guilin und Yangshuo: Li-Fluss, Karstberge und Reisterrassen

Die Karstkegel am Li-Fluss sind das Motiv, das in China jedes Kind vom Geldschein kennt. Wie man Guilin und Yangshuo aufteilt, wann der Fluss am schönsten ist und warum man ein Fahrrad mieten sollte.

RedaktionAktualisiert September 2026

Beispielroute: 14 Tage China

Zeichnung in Tusche zum Thema: Guilin und Yangshuo: Li-Fluss, Karstberge und Reisterrassen
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Auf der Rückseite des chinesischen 20-Yuan-Scheins sieht man einen Fluss, einen Fischer auf einem Floß und eine Reihe von Kegelbergen, die sich im Wasser spiegeln. Die Stelle liegt am Li-Fluss bei Xingping, etwa eine halbe Stunde von Yangshuo entfernt, und an manchen Tagen halten dort mehr Menschen einen Geldschein in die Luft als irgendwo sonst in China. Der Vergleich von Schein und Landschaft ist das beliebteste Urlaubsfoto der Gegend.

Guilin liegt im Nordosten des Autonomen Gebiets Guangxi der Zhuang, im Süden Chinas. Die Stadt und ihr Umland gehören zu den berühmtesten Landschaften des Landes: Hunderte von Karstkegeln, die steil aus der flachen Ebene aufragen, dazwischen Flüsse, Reisfelder und Dörfer. Ein altes Sprichwort sagt, die Landschaft von Guilin sei die schönste unter dem Himmel. Seit 2014 gehört der Karst von Guilin zur Welterbestätte des südchinesischen Karsts.

Vor der Reise: Jahreszeit und Dauer

Der Name Guilin bedeutet „Wald der Duftblüten“. Gemeint ist der Osmanthus, ein Strauch, dessen kleine gelbe Blüten im Herbst die ganze Stadt mit einem Duft zwischen Aprikose und Honig erfüllen. Das ist ein guter Grund, im September oder Oktober zu kommen. Der Herbst ist ohnehin die beste Reisezeit, trockener und klarer als der Rest des Jahres.

Der Frühling ist regnerisch und oft neblig, was die Berge verhüllt, aber auch die Stimmung liefert, die man von chinesischen Tuschebildern kennt. Der Sommer ist heiß, schwül und bringt die heftigsten Regenfälle; nach starkem Regen führt der Fluss Hochwasser, und Bootsfahrten können ausfallen. Im Winter ist es kühl und oft grau. In trockenen Wintern sinkt der Wasserstand des Li so weit, dass die Boote erst weiter flussabwärts ablegen. Eine Übersicht mit Monatswerten für alle Regionen bietet die Seite zur Reisezeit in China.

Für Guilin, Yangshuo und die Reisterrassen von Longji braucht man vier Tage. Die Region lässt sich gut in eine längere Route einbauen, etwa zwischen Xi’an oder Shanghai und Hongkong; eine solche Strecke beschreibt die Beispielroute für 14 Tage.

Ankommen

Der Flughafen Liangjiang liegt südwestlich von Guilin und wird aus allen großen Städten angeflogen. Schnellzüge verbinden Guilin mit Guangzhou, Shenzhen, Changsha, Guiyang und weiter mit Peking und Shanghai. Yangshuo hat einen eigenen Schnellzugbahnhof an der Strecke von Guiyang nach Guangzhou, der rund eine halbe Stunde vom Ortskern entfernt liegt. Wer direkt nach Yangshuo will, muss also nicht über Guilin. Wie man Tickets kauft, beschreibt die Seite zum Zugfahren in China.

Guilin: Stadt zwischen den Bergen

Guilin selbst ist eine mittelgroße Stadt, deren Zentrum von Karstbergen, Flüssen und Seen durchsetzt ist. Das Wahrzeichen ist der Elefantenrüsselberg am Zusammenfluss von Li und Taohua: ein Felsen, der mit einem großen Bogen ins Wasser reicht und von der Seite wirklich aussieht wie ein trinkender Elefant. Man sieht ihn am besten vom gegenüberliegenden Ufer, am Abend, wenn er beleuchtet ist.

Die Schilfrohrflötenhöhle im Nordwesten der Stadt verdankt ihren Namen dem Schilf, das am Eingang wächst und aus dem früher Flöten geschnitzt wurden. Die Tropfsteinhöhle ist mit farbigem Licht inszeniert, was nicht jedem gefällt, aber die Formationen sind beeindruckend. An den Wänden finden sich Inschriften von Besuchern, die bis in die Tang-Zeit zurückreichen; die Höhle ist also seit über tausend Jahren ein Ausflugsziel.

In der Innenstadt verbindet ein System aus Kanälen den Li-Fluss mit mehreren kleinen Seen. Am Shan-See stehen zwei Pagoden, die Sonnen- und die Mondpagode, deren Spiegelung abends zum Standardfoto gehört. Im alten Palastbezirk der Ming-Prinzen, der heute eine Universität beherbergt, erhebt sich der Einsame Schöne Gipfel, von dem man über die Stadt sieht. Der Fubo-Berg am Flussufer und der Park der Sieben Sterne mit seinen Höhlen und Felsen ergänzen das Programm.

Guilin ist außerdem die Stadt der Reisnudeln. Guilin Mifen, runde Reisnudeln mit geschmortem Fleisch, Erdnüssen und eingelegten Bohnen, isst man zum Frühstück in einem der unzähligen kleinen Nudellokale. Man mischt sich die Würze selbst aus Schalen auf dem Tisch.

Der Li-Fluss

Die Bootsfahrt von Guilin nach Yangshuo ist das Herzstück jedes Besuchs. Der Fluss windet sich über mehr als 80 Kilometer durch die Karstlandschaft, vorbei an Bergen mit Namen wie „Neun Pferde auf der Felswand“, an Bambushainen, Dörfern und Wasserbüffeln im Uferwasser. Die großen Boote legen südlich von Guilin ab und erreichen Yangshuo nach einem halben Tag. Die schönsten Abschnitte liegen zwischen Yangdi und Xingping.

Man kann den Fluss auch in kleineren Stücken erleben. Zwischen Yangdi und Xingping fahren Flöße, die früher aus Bambus gebaut wurden und heute meist aus Kunststoffrohren bestehen, mit einem Außenbordmotor. Sie sind langsamer, näher am Wasser und bieten einen intimeren Blick. Wer wandern will, kann einen Teil der Strecke am Ufer zu Fuß gehen; dazu mehr auf der Seite zum Wandern in China.

Die Kormoranfischer, die man auf Fotos sieht, gibt es noch, aber sie fischen heute vor allem für die Kamera. Am Abend in Xingping oder Yangshuo stellen sie sich mit Laterne und Vögeln an das Ufer und nehmen für ein Foto eine Gebühr. Das ist ehrlicher, als es klingt: Die Fischerei mit Kormoranen lohnt sich wirtschaftlich nicht mehr, das Fotografieren schon.

Yangshuo: Rad, Fluss und West Street

Yangshuo war in den 1990er Jahren ein Treffpunkt von Rucksackreisenden und ist heute ein großer Ferienort. Die West Street im Zentrum ist eine Fußgängerstraße mit Bars, Restaurants und Läden, abends laut und voll. Man läuft sie einmal entlang, isst vielleicht den Bierfisch, die lokale Spezialität aus Flussfisch, der in Bier geschmort wird, und zieht dann in eines der Gästehäuser außerhalb.

Die eigentliche Stärke von Yangshuo liegt vor der Stadt. Mit dem Rad oder einem Elektroroller fährt man entlang des Yulong-Flusses, eines Nebenflusses des Li, auf Feldwegen zwischen Reisfeldern und Karstkegeln. Die Yulong-Brücke, eine steinerne Bogenbrücke aus der Ming-Zeit, ist ein beliebtes Ziel. Auf dem Yulong fahren ebenfalls Flöße, die an kleinen Wehren hinuntergleiten. Der Mondberg, ein Karstberg mit einem großen runden Loch in der Spitze, lässt sich über eine Treppe besteigen, die in einer halben Stunde nach oben führt.

Die Felswände um Yangshuo gehören zu den bekanntesten Klettergebieten Chinas. Es gibt Kletterschulen, Ausrüstungsverleih und Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Wer lieber kocht, findet Kochkurse mit Marktbesuch.

Am Abend wird am Li-Fluss eine große Show unter freiem Himmel aufgeführt, die mit der Landschaft als Bühne arbeitet. Sie wurde vom Regisseur Zhang Yimou konzipiert und hat viele ähnliche Produktionen in anderen Landschaften nach sich gezogen. Wer sich allgemein für Bühnenkunst in China interessiert, findet mehr auf der Seite zu Oper, Akrobatik und Kung-Fu-Shows.

Die Reisterrassen von Longji

Etwa zwei Autostunden nördlich von Guilin, im Kreis Longsheng, ziehen sich Reisterrassen über ganze Berghänge bis fast zum Gipfel. Longji bedeutet „Drachenrücken“, weil die Terrassen aussehen wie die Schuppen eines Drachen. Sie wurden über Jahrhunderte von den Zhuang und den Yao angelegt, die in den Dörfern an den Hängen leben.

Es gibt zwei Hauptbereiche: Ping’an, ein Dorf der Zhuang mit Holzhäusern und Aussichtspunkten, und Jinkeng mit den Dörfern Dazhai und Tiantouzhai, in denen die Yao leben. Zwischen beiden führt ein Wanderweg, für den man einen Tag braucht. Im Dorf Huangluo tragen die Yao-Frauen ihr Haar sehr lang, oft bis zum Boden, und zeigen es Besuchern in einer Vorführung.

Die Terrassen verändern sich mit den Jahreszeiten. Im Frühling werden sie geflutet und spiegeln den Himmel, im Sommer sind sie grün, im Herbst vor der Ernte golden. Im Winter sind sie leer und braun. Wer übernachtet, erlebt den Morgen mit Nebel in den Tälern. Die Seite zu den Reisterrassen und Karstbergen beschreibt die Landschaft ausführlicher.

Xingping, Daxu und die alten Marktorte

Wer den Li-Fluss nicht nur vom Boot aus sehen will, übernachtet in Xingping. Der kleine Ort am Ufer hat eine Altstadt mit Holzhäusern und liegt genau an dem Flussabschnitt, der auf dem Geldschein abgebildet ist. Frühmorgens, bevor die Ausflugsboote kommen, ist der Fluss hier still, und von den Aussichtspunkten auf den Bergen über dem Ort sieht man den Nebel aus dem Tal steigen. Der Aufstieg zu einem dieser Punkte führt über steile Treppen und dauert eine gute halbe Stunde.

Südlich von Guilin liegt am Li auch Daxu, ein ehemaliger Handelsort mit einer langen Hauptstraße aus Steinplatten, alten Läden und einer Bogenbrücke. Daxu ist weniger herausgeputzt als Xingping und eignet sich für einen Halt auf dem Weg nach Yangshuo, wenn man mit dem Auto fährt.

Abschweifung: ein Kanal aus der Zeit des ersten Kaisers

Etwa eine Stunde nördlich von Guilin, im Kreis Xing’an, liegt ein Bauwerk, das kaum ein Besucher kennt und das zu den ältesten Kanälen der Welt zählt. Der Lingqu wurde im Jahr 214 v. Chr. auf Befehl von Qin Shihuang gebaut, jenem Kaiser, dessen Terrakotta-Armee bei Xi’an steht. Er verbindet den Xiang, der nach Norden zum Yangtze fließt, mit dem Li, der nach Süden zum Perlfluss fließt, und diente dazu, Truppen und Nachschub für die Eroberung des Südens zu transportieren. Ein keilförmiges Wehr teilt das Wasser in zwei Richtungen. Der Kanal führt bis heute Wasser, und in Xing’an kann man an seinem Ufer spazieren gehen. Dass der Li-Fluss, heute eine Postkartenlandschaft, einmal Teil einer militärischen Versorgungslinie war, erzählt keine Bootsfahrt.

Die Zhuang und das Lied der Liu Sanjie

Die Zhuang sind mit mehr als 15 Millionen Menschen die größte der anerkannten Minderheiten Chinas, und Guangxi ist ihre Heimat. Im Alltag der Städte fallen sie kaum auf, auf dem Land und bei Festen dagegen schon. Die Legende der Liu Sanjie, einer Sängerin, die mit ihren Liedern die Mächtigen verspottete, ist in Guangxi allgegenwärtig; ein Film über sie aus dem Jahr 1961 machte die Figur in ganz China bekannt, und die Abendshow am Li-Fluss trägt ihren Namen. Im Frühling feiern die Zhuang ein großes Liederfest, bei dem junge Leute sich im Wechselgesang begegnen.

Praktisches vor Ort

In Guilin und Yangshuo zahlt man wie überall in China mit Alipay und WeChat Pay. In den Dörfern um die Reisterrassen und auf den Flößen ist Bargeld hilfreich. Die Hotels in Yangshuo reichen vom einfachen Gästehaus bis zum Resort in den Reisfeldern; die schönsten liegen außerhalb des Ortes am Yulong.

Wer das Fahrrad mietet, prüft Bremsen und Reifen, bevor er losfährt, und nimmt Wasser mit. Auf den Feldwegen gibt es wenig Schatten, und die Hitze zwischen den Bergen staut sich. Die Wege sind gut ausgeschildert, eine Offline-Karte auf dem Telefon hilft trotzdem.

Die Mücken am Abend sind am Fluss und in den Reisfeldern nicht zu unterschätzen, besonders im Sommer. Ein Mückenschutz mit einem wirksamen Mittel gehört in die Tasche, ebenso ein leichter Regenschutz, weil die Schauer hier schnell kommen und ebenso schnell wieder vorbei sind.

FAQHäufige Fragen

Soll man in Guilin oder in Yangshuo übernachten?

Für die meisten Reisenden ist Yangshuo die bessere Basis: Die Landschaft beginnt direkt vor der Tür, Räder und Boote sind leicht zu organisieren. Guilin lohnt eine Nacht für die Sehenswürdigkeiten in der Stadt und als Ausgangspunkt für die Reisterrassen von Longji.

Wie lange dauert die Bootsfahrt auf dem Li-Fluss?

Die klassische Fahrt von Guilin nach Yangshuo dauert mehrere Stunden, meist einen halben Tag. Kürzere Abschnitte, etwa mit einem Bambus- oder Kunststofffloß zwischen Yangdi und Xingping, dauern ein bis zwei Stunden. Aktuelle Abfahrtszeiten und Preise beim Betreiber prüfen.

Wann ist die beste Reisezeit für Guilin?

Frühling und Herbst. Im Frühling ist es oft neblig und regnerisch, was die Berge geheimnisvoll aussehen lässt, der Herbst ist trockener und klarer. Der Sommer ist heiß, schwül und regenreich, im Winter kann der Fluss so wenig Wasser führen, dass sich die Bootsstrecken verkürzen.

Wie viele Tage braucht man für Guilin, Yangshuo und Longji?

Vier Tage sind ein gutes Maß: einer in Guilin, einer für den Li-Fluss, einer mit dem Rad um Yangshuo und einer für die Reisterrassen. Wer in den Terrassen übernachtet oder in Yangshuo klettern will, nimmt einen fünften dazu.

Wie kommt man von Guilin nach Yangshuo?

Mit dem Boot auf dem Li-Fluss, mit dem Bus über die Straße in gut einer Stunde oder mit dem Schnellzug zum Bahnhof Yangshuo, der etwas außerhalb des Ortes liegt. Vom Bahnhof fahren Busse und Taxis ins Zentrum.

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