China ReiseexperteReiseplanung China · Ratgeber

Kultur & Feste

Peking-Oper, Akrobatik, Kung-Fu-Shows und Gesichtswechsel

Eine Trommel setzt ein, dann ein Gong, und eine Figur mit weiß geschminktem Gesicht und schwarzen Augenbrauen tritt mit kleinen, abgezirkelten Schritten ins Licht. Wer so etwas zum ersten Mal sieht, versteht kein Wort und ist trotzdem gebannt.

RedaktionAktualisiert September 2026

Zeichnung in Tusche zum Thema: Peking-Oper, Akrobatik, Kung-Fu-Shows und Gesichtswechsel
Kultur & Feste

Im alten Gildehaus der Provinz Huguang im Süden Pekings sitzen die Zuschauer an kleinen Tischen mit Teeschalen vor einer hölzernen, rot und golden bemalten Bühne unter einem geschwungenen Dach. So sahen Theater in der Qing-Zeit aus: Man trank Tee, aß Nüsse und rief “hao!”, gut, wenn eine Arie gelungen war. Das Gebäude stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, und 1912 wurde hier die Kuomintang gegründet, bei einer Versammlung mit Sun Yat-sen. Heute ist es eine der schönsten Adressen, um in Peking eine Oper zu sehen. Die chinesische Oper ist allerdings nur eine von mehreren Bühnenkünsten, die Reisende in China erleben können, und jede verlangt etwas anderes vom Publikum.

Was ist die Peking-Oper, und woher kommt sie?

Chinesisch heißt die Gattung xiqu, und sie vereint Gesang, Sprechen, Pantomime, Tanz und Kampfkunst in einer einzigen Form. Es gibt Hunderte regionale Opernstile, jeder mit eigenem Dialekt, eigener Musik und eigenen Stücken. Die älteste noch gespielte große Form ist die Kunqu aus Kunshan bei Suzhou, zart, langsam und literarisch, deren berühmtestes Stück, “Der Päonienpavillon” von Tang Xianzu, 1598 entstand. Kunqu wurde 2001 als eines der ersten Beispiele in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Die Peking-Oper, jingju, ist vergleichsweise jung. Ihr Ursprung wird meist auf das Jahr 1790 gelegt, als Operntruppen aus der Provinz Anhui zum 80. Geburtstag des Qianlong-Kaisers nach Peking kamen und blieben. Sie vermischten ihre Melodien mit denen aus Hubei und Elementen der Kunqu, und im Lauf des 19. Jahrhunderts entstand daraus die Form, die heute als nationale Oper Chinas gilt. Seit 2010 steht sie ebenfalls auf der UNESCO-Liste.

Die Bühne ist fast leer. Ein Tisch und zwei Stühle genügen, um einen Palast, ein Gericht oder einen Berggipfel darzustellen. Ein Reiter trägt eine Peitsche mit Quasten, kein Pferd, und wer ein Ruder bewegt, sitzt in einem Boot. Ein Darsteller, der einmal im Kreis über die Bühne läuft, hat eine lange Reise hinter sich. Die langen weißen Wasserärmel der Kostüme werden geschüttelt, geworfen und gefaltet, und jede Bewegung hat eine Bedeutung. Das Orchester sitzt seitlich, angeführt vom Trommler, dazu die hohe Jinghu-Geige, Zupfinstrumente, Gongs und Becken, deren scheppernder Klang für europäische Ohren am Anfang ungewohnt ist.

Rollen und Schminkmasken: wer ist wer auf der Bühne?

Jede Figur gehört zu einem von vier Rollenfächern, und wer sie erkennt, kann einer Handlung auch ohne Sprachkenntnisse folgen. Sheng sind die männlichen Rollen: ältere Gelehrte und Beamte mit langen Bärten, junge Liebhaber mit hoher, fast falsettartiger Stimme und Kampfhelden in Rüstung. Dan sind die weiblichen Rollen, von der tugendhaften Ehefrau über die kokette junge Frau bis zur Kriegerin. Jing sind die Figuren mit bemaltem Gesicht, meist Generäle, Richter oder Schurken mit kräftiger Stimme. Chou schließlich sind die Komiker, erkennbar an einem weißen Fleck um Nase und Augen.

Die berühmten “Masken” der Peking-Oper sind in Wahrheit Schminke, lianpu genannt, die vor jeder Vorstellung neu aufgetragen wird. Ihre Farben tragen Bedeutung. Rot steht für Treue und Mut, das bekannteste Beispiel ist der General Guan Yu. Schwarz steht für Aufrichtigkeit und Unbestechlichkeit, etwa beim Richter Bao Zheng, oder für ungestüme Kraft. Weiß bedeutet List und Verschlagenheit, die klassische Figur dafür ist der Feldherr Cao Cao. Blau und Grün kennzeichnen wilde, eigenwillige Helden, Gold und Silber Götter und Dämonen. Echte Masken, aus Holz geschnitzt, gibt es dagegen in älteren Ritualtheatern und in der tibetischen Oper.

Bis ins 20. Jahrhundert spielten Männer auch die Frauenrollen. Der berühmteste von ihnen war Mei Lanfang, der von 1894 bis 1961 lebte und die Dan-Rollen zu einer eigenen Kunst machte. Er gastierte 1930 in den USA und 1935 in Moskau, und dort sah ihn Bertolt Brecht. Unter dem Eindruck dieser Vorstellung schrieb Brecht seinen Aufsatz über “Verfremdungseffekte in der chinesischen Schauspielkunst”, der für sein eigenes Theater wichtig wurde. In Peking erinnert ein Museum in Mei Lanfangs früherem Wohnhof an ihn, und ein großes modernes Opernhaus trägt seinen Namen.

Welche Stücke eignen sich für den ersten Besuch?

Lange Gesangsdramen, in denen eine Figur zwanzig Minuten lang ihr Schicksal beklagt, sind für Einsteiger schwer. Stücke mit viel Bewegung, Kampf und Komik funktionieren besser. Ein Klassiker dafür ist “Die Kreuzung”, eine Szene, in der zwei Männer in einer dunklen Herberge miteinander kämpfen, ohne einander zu sehen. Die Bühne ist dabei hell erleuchtet, und die Dunkelheit wird nur gespielt, was das Ganze zugleich spannend und komisch macht.

Ebenfalls beliebt sind Episoden um den Affenkönig Sun Wukong aus dem Roman “Die Reise nach Westen”, etwa “Aufruhr im Himmelspalast”, mit Salti, Stockkämpfen und einem Helden, der unablässig kratzt, springt und Grimassen schneidet. “Die betrunkene Konkubine” war eine Glanzrolle Mei Lanfangs und zeigt die Kunst der Dan-Rolle, und “Lebewohl, meine Konkubine” über den Feldherrn Xiang Yu und seine Geliebte ist durch den gleichnamigen Film von Chen Kaige bekannt geworden, der 1993 in Cannes die Goldene Palme gewann.

Wo sieht man in Peking eine Oper?

In Peking gibt es mehrere Häuser mit regelmäßigen Aufführungen. Das Chang’an-Theater an der großen Ost-West-Achse und das Mei-Lanfang-Theater im Westen der Stadt spielen vollständige Stücke für ein chinesisches Publikum, oft mit Übertiteln. Das Huguang-Gildehaus und einige Hoteltheater in der Gegend um Qianmen zeigen kürzere Programme mit Ausschnitten, die sich an Besucher richten, meist mit englischen Übertiteln und manchmal mit der Möglichkeit, vor Beginn beim Schminken zuzusehen. Auch das Nationale Zentrum für Darstellende Künste neben der Großen Halle des Volkes, wegen seiner Form “das Ei” genannt, nimmt Opern in den Spielplan. Weitere Ziele der Hauptstadt stellt der Beitrag über Peking vor.

Spielpläne, Zeiten und Eintrittspreise wechseln, und die Karten werden über die Theater selbst oder über große chinesische Ticketplattformen verkauft; aktuelle Angaben daher immer beim jeweiligen Haus prüfen. Bei regulären Vorstellungen sitzt ein überwiegend älteres Publikum im Saal, das jede Arie kennt, mitsummt und an den richtigen Stellen laut “hao!” ruft. Das ist ausdrücklich erwünscht und gehört zum Erlebnis.

Akrobatik in Shanghai und Peking

Die chinesische Akrobatik ist älter als die Oper. Schon in der Han-Zeit gab es an den Höfen die “hundert Spiele”, Vorführungen von Jongleuren, Seiltänzern, Schwertschluckern und Kraftmenschen. Als Wiege der Akrobatik gilt der Kreis Wuqiao in der Provinz Hebei, wo über Generationen ganze Dörfer von der Kunst lebten und wo heute eine Akrobatikschule und ein internationales Zirkusfestival sitzen.

Eine Akrobatik-Show ist für Reisende das Gegenteil der Oper: Sie braucht keine Vorkenntnisse, keine Übersetzung und keine Geduld. Auf der Bühne balancieren Artisten Stapel aus Stühlen, lassen Dutzende Teller auf Stäben kreisen, springen durch schmale Reifen, formen mit einem Dutzend Menschen auf einem einzigen Fahrrad einen Pfau oder schwingen an Stangen und Tüchern über die Bühne. Das Tempo ist hoch, die Musik laut, und nach neunzig Minuten ist man ein wenig erschöpft vom Zuschauen.

In Shanghai läuft im Shanghai Circus World im Norden der Stadt seit vielen Jahren die Show “ERA – Intersection of Time”, die Akrobatik mit Tanz, Multimedia und einem großen Finale verbindet, bei dem mehrere Motorräder gleichzeitig in einer Stahlkugel kreisen. In Peking sind die Shows im Chaoyang-Theater im Osten der Stadt und im Tianqiao-Akrobatiktheater im Süden bekannt, das in einem Viertel liegt, in dem früher Straßenkünstler auftraten. Weitere Hinweise zu Shanghai stehen im Beitrag über Shanghai.

Eine Randnotiz, die zur Ehrlichkeit gehört: Die meisten Artisten beginnen ihr Training schon als Kinder an spezialisierten Schulen, oft weit weg von ihren Familien, und der Beruf ist körperlich hart und nach wenigen Jahrzehnten auf der Bühne vorbei. Das mindert nicht die Leistung, erklärt aber, warum die Präzision so atemberaubend ist.

Kung-Fu-Shows und Kampfkunst auf der Bühne

Kampfkunst ist in China ein eigenes Bühnengenre geworden. In Peking erzählt die Show “The Legend of Kung Fu” im Roten Theater die Geschichte eines Jungen, der in ein Kloster kommt und zum Meister wird, mit Stockkämpfen, Sprüngen, zerbrochenen Brettern und Mönchen, die auf Speerspitzen balancieren. Die Handlung ist schlicht, die Choreografie beeindruckend, und für Familien mit Kindern ist das oft der Höhepunkt eines Peking-Aufenthalts.

Wer Kampfkunst an ihrem Ursprungsort erleben will, fährt zum Shaolin-Kloster am Song Shan bei Dengfeng in der Provinz Henan, das zusammen mit anderen historischen Bauten der Gegend auf der Welterbeliste der UNESCO steht. Rund um das Kloster haben sich Dutzende Kampfsportschulen angesiedelt, und auf dem Gelände gibt es regelmäßige Vorführungen. Die daoistischen Klöster am Wudang Shan pflegen eine eigene, weichere Tradition, die auf der Seite über den Daoismus beschrieben ist.

Eine andere Art Bühne sind die großen Freilicht-Inszenierungen, die in den letzten Jahrzehnten an Sehenswürdigkeiten entstanden sind. Die bekannteste ist “Impression Liu Sanjie” des Regisseurs Zhang Yimou am Li-Fluss bei Yangshuo, mit Hunderten Laiendarstellern, Booten und beleuchteten Karstbergen als Kulisse. Mehr zu dieser Gegend steht im Beitrag über Guilin und Yangshuo.

Gesichtswechsel: Bian Lian in der Sichuan-Oper

Die Sichuan-Oper ist eine der lebhaftesten Regionalopern, mit schnellen Dialogen im Dialekt der Provinz und viel Humor. Weltberühmt ist sie aber für einen einzigen Trick, den Gesichtswechsel, bian lian. Ein Darsteller in einem prächtigen Umhang tritt an den Bühnenrand, wirft den Kopf herum, hebt einen Fächer oder schwingt den Mantel, und in diesem Augenblick hat er ein anderes Gesicht: erst rot, dann grün, dann schwarz, dann golden, manchmal ein Dutzend Mal hintereinander, schneller, als das Auge folgen kann. Am Ende zeigt er für einen Moment sein ungeschminktes Gesicht, und das Publikum johlt.

Wie der Wechsel genau funktioniert, wird nicht verraten. Bekannt ist, dass mehrere hauchdünne Seidenmasken übereinanderliegen, die mit verborgenen Fäden abgezogen werden, doch die Einzelheiten geben Lehrer nur an ausgewählte Schüler weiter, und die Darsteller schweigen darüber hartnäckig. Oft gehört noch das Feuerspucken dazu, bei dem ein Darsteller scheinbar mühelos eine Stichflamme aus dem Mund schießen lässt.

Sehen kann man den Gesichtswechsel vor allem in Chengdu und Chongqing. In Chengdu zeigen Theater im Kulturpark nahe dem daoistischen Qingyang Gong gemischte Programme mit Opernausschnitten, Schattenspiel, Handpuppen, Gesichtswechsel und Feuerspucken, und in den Teehäusern der Jinli-Straße gleich neben dem Wuhou-Tempel treten Darsteller für kurze Einlagen auf. Viele Feuertopf-Restaurants lassen einen Darsteller zwischen den Tischen auftreten, was nicht die hohe Kunst ist, aber lustig und nah. Alles Weitere zu Stadt und Provinz steht im Beitrag über Chengdu und die Pandas.

Das Schattenspiel, das in solchen Programmen oft mitläuft, ist eine eigene alte Kunst mit Figuren aus durchscheinendem, bemaltem Leder und steht seit 2011 ebenfalls auf der UNESCO-Liste. Die bunten Lederfiguren werden an Ständen vor den Theatern als Andenken verkauft. Handgeschnittene Stücke erkennt man an feinen, leicht unregelmäßigen Kanten im Gegenlicht, und sie sind deutlich seltener als die gestanzte Ware, die daneben in Stapeln liegt.

FAQHäufige Fragen

Versteht man die Peking-Oper ohne Chinesischkenntnisse?

Die Handlung erschließt sich oft über Gestik, Kostüme und Musik, und viele Theater zeigen Übertitel auf Chinesisch und Englisch. Für Einsteiger eignen sich Stücke mit viel Bewegung und Kampfszenen besser als lange Gesangsdramen. Eine kurze Inhaltsangabe vorher zu lesen, hilft sehr.

Wie lange dauert eine Vorstellung der Peking-Oper?

Vorstellungen für Touristen zeigen meist Ausschnitte aus zwei oder drei Stücken und dauern ungefähr eine bis anderthalb Stunden. Vollständige Aufführungen für das heimische Publikum können deutlich länger sein. Aktuelle Spielpläne und Zeiten beim jeweiligen Theater prüfen.

Wie funktioniert der Gesichtswechsel der Sichuan-Oper?

Beim Bian Lian wechselt ein Darsteller in Sekundenbruchteilen seine Masken, oft ein Dutzend Mal hintereinander, mit einer Bewegung des Kopfes, des Fächers oder des Umhangs. Die Technik wird von Lehrern an ausgewählte Schüler weitergegeben und nicht öffentlich erklärt. Bekannt ist nur, dass mehrere dünne Masken übereinanderliegen.

Wo sieht man in China eine Akrobatik-Show?

Die bekanntesten Bühnen für Besucher sind in Shanghai und Peking, wo feste Ensembles regelmäßig spielen. Auch in anderen großen Städten gastieren Truppen. Als Heimat der chinesischen Akrobatik gilt der Kreis Wuqiao in der Provinz Hebei.

Darf man bei Vorstellungen fotografieren?

Das hängt vom Theater ab. In reinen Touristenvorstellungen wird Fotografieren ohne Blitz oft geduldet, in regulären Opernaufführungen und bei vielen Shows ist es untersagt. Die Hinweise am Eingang und die Ansagen vor Beginn gelten.

Weiterlesen

↑