Am Nordende des Bund, dort wo der Suzhou Creek in den Huangpu mündet, steht die Waibaidu-Brücke, eine Stahlfachwerkbrücke von 1907. Wer sich hier auf das Geländer lehnt, hat links die Bankpaläste und Handelshäuser aus der Zeit der internationalen Niederlassungen im Rücken und rechts, jenseits des Flusses, die Hochhäuser von Lujiazui vor sich. Die beiden Hälften Shanghais trennen an dieser Stelle weniger als 500 Meter Wasser und rund hundert Jahre Stadtgeschichte.
Shanghai ist die größte Stadt Chinas und für viele Reisende aus Europa der erste Kontakt mit dem Land. Das hat Folgen für den Eindruck: Die Stadt ist bequemer, internationaler und leichter zu bereisen als fast jede andere chinesische Großstadt. Wer danach nach Xi’an oder in die Provinz Yunnan fährt, erlebt ein anderes China. Umgekehrt wirkt Shanghai nach zwei Wochen im Landesinneren fast europäisch.
Wann nach Shanghai und wie lange?
Frühling und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten. Der Sommer ist heiß und schwül, im Juni und Juli fällt der Pflaumenregen, und im Spätsommer können Taifune die Küste streifen. Der Winter ist nicht sehr kalt, aber feucht, und viele ältere Gebäude sind schlecht beheizt. Einzelheiten zu Temperaturen und Niederschlag nach Monaten liefert die Übersicht zur Reisezeit in China.
Für die Stadt selbst genügen drei volle Tage. Mit einem Tagesausflug in eine der Wasserstädte oder nach Suzhou werden es vier. Mehr Zeit lohnt sich für alle, die gern ohne Programm durch Wohnviertel laufen, in Cafés sitzen oder Galerien besuchen. Die Stadt belohnt das Flanieren mehr als das Abhaken.
Shanghai eignet sich auch als Einstieg für eine Route, die mit Peking kombiniert wird. Zwischen beiden Städten fahren täglich viele Schnellzüge; wie die Buchung funktioniert und worauf man bei der Wahl der Klasse achtet, erklärt die Seite zum Zugfahren in China. Eine kompakte Route für beide Metropolen steht unter Peking und Shanghai in sechs Tagen.
Ankommen: Pudong, Hongqiao und die Magnetbahn
Langstreckenflüge landen am Flughafen Pudong weit im Osten der Stadt. Von dort fährt die Magnetschwebebahn Transrapid, die mit deutscher Technik gebaut wurde und 2004 in den Regelbetrieb ging, in wenigen Minuten bis zur Station Longyang Road. Das ist spektakulär, aber als Transfer nicht immer praktisch, weil man danach mit dem Gepäck in die Metro umsteigen muss. Die Metrolinie 2 fährt ohne Umweg vom Flughafen bis in die Innenstadt, braucht dafür aber deutlich länger.
Der zweite Flughafen, Hongqiao, liegt im Westen und ist mit dem gleichnamigen Bahnhof zu einem Verkehrsknoten verbunden. Wer nach der Ankunft mit dem Zug weiterreist, sollte prüfen, ob sich ein Inlandsflug nach Hongqiao statt nach Pudong anbietet.
Für die Einreise gelten die allgemeinen Regeln für das chinesische Festland. Shanghai gehört zu den Städten, über die auch der visumfreie Transit möglich ist.
Was das im Einzelnen bedeutet, steht auf der Seite zum Transit über 240 Stunden. Für die Einreise als Tourist gibt die Seite zum China-Visum den aktuellen Stand wieder.
Der Bund: die Kulisse aus der Zeit der Handelshäuser
Der Bund, chinesisch Waitan, ist die Uferpromenade am Westufer des Huangpu. Nach dem Vertrag von Nanking 1842 wurde Shanghai für den Handel mit dem Ausland geöffnet, britische, amerikanische und französische Niederlassungen entstanden. Am Ufer bauten Banken, Reedereien und Hotels ihre Sitze. Die meisten der heute erhaltenen Gebäude stammen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, darunter das Peace Hotel mit seinem grünen Pyramidendach, das frühere Gebäude der Hongkong and Shanghai Bank mit seiner Kuppel und das Zollhaus mit dem Uhrturm.
Die Promenade selbst liegt erhöht über der Straße. Man läuft sie am besten zweimal: einmal am Tag, um die Fassaden zu sehen, und einmal am Abend, wenn beide Ufer beleuchtet sind. Wer mehr will als die Außenansicht, geht in die Lobby eines der alten Hotels oder in eines der Gebäude, die heute Restaurants und Bars beherbergen. Von deren Dachterrassen ist der Blick auf Pudong eindrucksvoller als von der Promenade, weil der Vordergrund aus Wasser und Schiffen besteht.
Südlich des Bund beginnt der Weg zur Altstadt. Die Strecke zu Fuß ist kurz und führt durch Straßen, in denen sich Neubau und alte Gassen abwechseln.
Pudong: Lujiazui und die Aussichtstürme
Noch Anfang der 1990er Jahre bestand Pudong vor allem aus Lagerhallen, Werften und Feldern. Mit der Ausweisung als Sonderentwicklungsgebiet 1990 begann der Bau des Finanzviertels Lujiazui. Der Oriental Pearl Tower mit seinen rosa Kugeln wurde zum ersten Wahrzeichen, später folgten der Jin Mao Tower, das Shanghai World Financial Center mit der markanten Öffnung an der Spitze und der gewundene Shanghai Tower, mit 632 Metern das höchste Gebäude Chinas.
Alle drei hohen Türme haben Aussichtsplattformen. Man muss nicht alle besuchen. Bei klarer Sicht lohnt einer, bei Dunst lohnt keiner, denn dann sieht man vom obersten Stockwerk nur Grau. Der Blick auf den Bund von der Uferpromenade in Pudong ist kostenlos und abends mindestens so schön.
Zwischen den Ufern pendeln Fähren, die von Einheimischen als normales Verkehrsmittel genutzt werden. Die Überfahrt ist kurz und eine gute Alternative zu den Touristenbooten, die abends in langen Schleifen über den Fluss fahren.
Yu-Garten und Altstadt
Der Yu-Garten, chinesisch Yuyuan, wurde in der Ming-Dynastie ab 1559 von dem Beamten Pan Yunduan angelegt, der ihn für seine Eltern bauen ließ. Er zeigt auf kleinem Raum die Elemente des südchinesischen Gartens: Felsarrangements, Teiche, Pavillons, Mauern mit Drachenköpfen, Durchgänge, die immer neue Blickachsen öffnen. Wer morgens kurz nach Öffnung kommt, erlebt ihn ruhig. Ab dem späten Vormittag schieben sich Gruppen durch die Gänge.
Um den Garten herum liegt der Basar mit rekonstruierten Gebäuden im Stil der späten Kaiserzeit, Läden, Imbissen und dem Teehaus Huxinting auf einer Insel im Teich, das man über eine Zickzackbrücke erreicht. Die Brücke ist so gebaut, weil Geister nach altem Volksglauben nur geradeaus gehen können. Das Viertel ist touristisch, aber die Teigtaschen, die hier verkauft werden, die dünnhäutigen Xiaolongbao mit Suppe im Inneren, gehören zu den bekanntesten Spezialitäten der Stadt. Mehr zu den regionalen Küchen stehen auf der Seite zur chinesischen Küche.
Wer die eigentliche Altstadt sehen will, verlässt den Basar und läuft in die Gassen westlich und südlich davon. Viele Häuser sind in den letzten Jahrzehnten abgerissen worden, aber es gibt noch Ecken mit Wäscheleinen quer über der Straße, Garküchen und kleinen Werkstätten. Schön ist das nicht immer, aber es zeigt, wie Shanghai außerhalb der Schaufenster lebt.
Nanjing Road, People’s Square und die Museen
Die Nanjing Road verbindet den Bund mit dem People’s Square und weiter mit dem Stadtteil Jing’an. Der östliche Abschnitt ist Fußgängerzone und seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Einkaufsstraße der Stadt. Heute dominieren Kaufhäuser und Markenketten. Man läuft sie einmal, abends mit den Leuchtreklamen, und hat sie gesehen.
Am People’s Square liegt das Shanghai Museum, eine der wichtigsten Sammlungen chinesischer Kunst. Bronzen, Keramik, Kalligrafie, Malerei, Möbel aus der Ming- und Qing-Zeit und Münzen sind in übersichtlichen Galerien ausgestellt. Für Reisende, die später Xi’an oder Peking besuchen, bietet die Bronzesammlung eine gute Vorbereitung, weil sie Formen und Epochen verständlich ordnet. Inzwischen hat das Museum einen zweiten großen Standort in Pudong. Ein halber Tag im Museum ist gut investiert, besonders an einem Regentag.
Weitere lohnende Adressen sind das Kunstmuseum im früheren China-Pavillon der Expo 2010 in Pudong und das Propaganda Poster Art Centre im Westen der Stadt, eine private Sammlung politischer Plakate aus der Zeit nach 1949. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittsbedingungen vor dem Besuch beim Betreiber prüfen; manche Museen verlangen eine Reservierung mit Passnummer.
Tempel und Märkte
Der Jadebuddha-Tempel im Nordwesten der Innenstadt ist ein aktives buddhistisches Kloster. Er verdankt seinen Namen zwei Buddhafiguren aus Jade, die im 19. Jahrhundert aus Burma nach Shanghai gebracht wurden. Besucher sollten sich zurückhaltend kleiden und in den Hallen nicht fotografieren, wo es untersagt ist. Die Geschichte der Figuren und praktische Hinweise stehen unter Jadebuddha-Tempel.
Der Jing’an-Tempel an der West-Nanjing-Road ist das Gegenstück dazu: ein goldglänzender Tempel zwischen Einkaufszentren und Bürotürmen. Im Süden der Stadt liegt der Longhua-Tempel mit einer Pagode, deren heutige Gestalt auf die Song-Zeit zurückgeht.
Wer gern stöbert, findet in Shanghai Märkte für Antiquitäten, Nachbildungen, alte Bücher und Kitsch aus allen Jahrzehnten. Echte Antiquitäten sind selten, die Ausfuhr alter Kulturgüter ist geregelt, und Handeln gehört dazu. Wie man damit umgeht, beschreibt die Seite zum Antiquitätenmarkt in Shanghai.
Die Französische Konzession und Xintiandi
Westlich des Zentrums liegt das Gebiet der früheren Französischen Konzession mit Platanenalleen, Villen und Reihenhäusern aus den 1920er und 1930er Jahren. Straßen wie die Wukang Road oder die Fuxing Road eignen sich für lange Spaziergänge ohne Ziel. Hier stehen kleine Cafés, Buchläden und Galerien, und der Verkehr ist leiser als am Bund.
Xintiandi ist ein Viertel aus restaurierten Shikumen-Häusern, einer typischen Shanghaier Bauform mit steinernen Torrahmen, die Elemente des Londoner Reihenhauses mit dem chinesischen Hofhaus verbindet. Heute ist Xintiandi ein teures Ausgehviertel. In einem der Häuser fand 1921 der erste Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas statt; das Gebäude ist heute Gedenkstätte und Museum.
Wer das Wohnen in Shikumen-Häusern ohne Restaurantkulisse sehen möchte, findet im Viertel Tianzifang engere Gassen, in denen Läden und Wohnungen noch nebeneinander existieren.
Unterwegs in der Stadt
Die Metro ist das beste Verkehrsmittel. Das Netz gehört zu den längsten der Welt, die Stationen sind zweisprachig ausgeschildert, und die Züge fahren dicht. Für die Fahrt nutzt man einen QR-Code in einer der großen Bezahl-Apps oder kauft Einzelfahrkarten am Automaten. Taxis gibt es genug, und sie sind zuverlässig, abends und bei Regen aber schwer zu bekommen. Dann hilft eine Fahrdienst-App; welche Apps sich bewährt haben, steht unter Amap, Didi und Metro.
Englisch wird in Hotels und in vielen Restaurants der Innenstadt verstanden, außerhalb davon wenig. Eine Übersetzungs-App und die Hoteladresse in chinesischen Schriftzeichen gehören aufs Telefon.
Die Stadt ist sehr sicher. Wer vorsichtig sein will, achtet am Bund und auf der Nanjing Road auf freundliche junge Leute, die Touristen zu einer Teezeremonie einladen. Am Ende steht eine überhöhte Rechnung. Diese Masche ist seit Jahren bekannt und betrifft vor allem Alleinreisende.
Ausflüge: Wasserstädte, Suzhou, Hangzhou
Das Umland von Shanghai gehört zum Delta des Yangtze, einer Landschaft aus Kanälen, Seen und Reisfeldern. Die alten Wasserstädte, kleine Orte mit Kanälen statt Straßen und steinernen Bogenbrücken, sind das bekannteste Ausflugsziel. Zhujiajiao liegt noch auf Shanghaier Stadtgebiet und ist mit der Metro erreichbar. Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen und Xitang liegen weiter draußen und sind mit Bus, Bahn oder Mietwagen mit Fahrer erreichbar. Wie sich die Orte unterscheiden und wann sie weniger voll sind, beschreibt die Seite zu den Wasserstädten Tongli, Zhouzhuang und Wuzhen.
Suzhou mit seinen klassischen Gärten liegt mit dem Schnellzug nur eine knappe halbe Stunde entfernt, Hangzhou mit dem Westsee gut eine Stunde. Beides ist als Tagesausflug machbar, Hangzhou verdient aber eine Übernachtung.
Eine kleine Nebenbemerkung zur Stadtgeschichte: Der Name Shanghai wird meist als „oberhalb des Meeres“ oder „am Meer“ übersetzt. Die Stadt lag ursprünglich nicht direkt an der Küste, sondern am Huangpu, der erst ein Stück weiter nördlich in die Mündung des Yangtze fließt. Die Meeresnähe ist also ein wenig übertrieben, die Rolle als Hafen dagegen nicht. Der Hafen von Shanghai zählt seit Jahren zu den größten Containerhäfen der Welt, die großen Terminals liegen allerdings längst weit draußen am Meer, zum Teil auf Inseln in der Hangzhou-Bucht.
Mit Kindern, bei Regen, in der Hitze
Für Familien bieten sich das Wissenschafts- und Technikmuseum in Pudong und das Aquarium am Fuß des Fernsehturms an. Beide sind klimatisiert und damit auch an Sommertagen erträglich. Bei Regen verlegt man den Tag nach innen: Shanghai Museum am Vormittag, danach eine der großen Einkaufspassagen oder ein Teehaus.
In der Hitze sollte man den Tag zweiteilen. Die frühen Morgenstunden gehören dem Bund und dem Yu-Garten, die Mittagszeit einem Museum oder dem Hotel, der Abend wieder dem Fluss. Wasser gibt es an jedem Kiosk, und die Convenience-Stores an fast jeder Ecke verkaufen auch gekühlte Tees ohne Zucker, eine Wohltat nach einem Nachmittag in der Altstadt.
Wer zwischen Mai und September unterwegs ist, packt einen kleinen Schirm ein, der gegen Sonne und Schauer hilft. Einheimische nutzen ihn für beides.
FAQHäufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Shanghai?
Drei volle Tage reichen für Bund, Pudong, Altstadt mit Yu-Garten, die Nanjing Road, ein Museum und die ehemalige Französische Konzession. Wer einen Ausflug in eine Wasserstadt wie Zhujiajiao oder Tongli einplant, rechnet einen vierten Tag dazu.
Welcher Flughafen ist für Shanghai günstiger gelegen, Pudong oder Hongqiao?
Interkontinentalflüge landen fast immer in Pudong (PVG) im Osten. Hongqiao (SHA) im Westen bedient vor allem Inlandsflüge und liegt direkt am großen Bahnhof Hongqiao, von dem die Schnellzüge nach Suzhou, Hangzhou und Peking abfahren. Beide Flughäfen sind an die Metro angeschlossen.
Lohnt sich die Magnetschwebebahn vom Flughafen Pudong?
Als Erlebnis ja, als Transfer nur bedingt. Die Bahn endet an der Station Longyang Road am Rand von Pudong, dort muss man in die Metro umsteigen. Mit schwerem Gepäck ist ein Taxi oder Fahrdienst direkt zum Hotel oft bequemer.
Wann ist der Blick vom Bund am schönsten?
Kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Fassaden am Bund und die Türme in Pudong beleuchtet werden. Frühmorgens ist die Promenade fast leer, dann sieht man Frühsport und Tai Chi. An Feiertagen ist sie abends so voll, dass die Polizei die Zugänge regelt.
Kann man in Shanghai mit Karte bezahlen?
In großen Hotels, Kaufhäusern und vielen Restaurants werden internationale Karten angenommen, im Alltag bezahlt Shanghai aber mit Alipay und WeChat Pay. Wie man die Apps einrichtet, steht unter Alipay einrichten.
REGWeiterlesen
- Wasserstädte im Yangtze-Delta: Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen, Xitang Kanäle statt Straßen, Bogenbrücken aus Stein, Häuser mit Treppen zum Wasser: Die alten Handelsorte südlich des Yangtze liegen alle in Reichweite …
- Der Jadebuddha-Tempel in Shanghai Zwischen Wohnblocks und Bürotürmen im Stadtteil Jing'an steht ein gelb getünchter Tempel, der zwei aus Birma herangeschaffte Buddhafiguren aus …
- Antiquitäten und Flohmärkte in Shanghai Der Straßenmarkt an der Dongtai Road ist verschwunden. Der Handel mit Porzellan, Mao-Andenken und alten Fotos lebt in Shanghai weiter, nur …
- Peking und Shanghai in 6 Tagen Drei Tage Hauptstadt, ein halber Tag im Zug, gut zwei Tage Hafenstadt. Mehr ist in sechs Tagen nicht drin, und mehr sollte man auch nicht versuchen.
- Peking: Sehenswürdigkeiten, Stadtviertel und wie viele Tage Die Hauptstadt lässt sich in vier Tagen gut erschließen, in sechs Tagen entspannt. Entscheidend ist, die großen Anlagen früh am Tag zu besuchen und …
- Zug fahren in China: Hochgeschwindigkeitszug, 12306 und Routen In der Wartehalle von Peking Süd stehen Hunderte Menschen vor einem Gate, zehn Minuten später ist der Bahnsteig leer und der Zug nach Shanghai …
