In China muss man den Namen Zhuge Liang nicht erklären. Der Kanzler des Reiches Shu im 3. Jahrhundert ist durch den Roman “Die Geschichte der Drei Reiche” zur Verkörperung von Klugheit geworden, ungefähr so, wie in Europa Odysseus für List steht. Der Wuhou-Tempel in Chengdu, chinesisch Wuhouci, ist ihm und seinem Herrn gewidmet und eine der meistbesuchten Stätten der Stadt.
Wem ist der Tempel gewidmet?
Zhuge Liang (181–234) diente Liu Bei (161–223), der nach dem Zerfall der Han-Dynastie das Reich Shu Han mit der Hauptstadt Chengdu gründete. Zhuge Liang trug den Adelstitel eines Markgrafen von Wuxiang, kurz Wuhou; nach diesem Titel heißt der Tempel, obwohl die Anlage eigentlich um das Grab Liu Beis herum entstand. Die Verehrung des Beraters hat die des Kaisers im Volksmund schlicht überholt.
Die heutigen Gebäude stammen aus der frühen Qing-Zeit. Auf der Hauptachse folgen hintereinander eine Halle für Liu Bei und dahinter eine Halle für Zhuge Liang. In den Seitengängen stehen bemalte Tonfiguren von Ministern und Generälen des Reiches Shu, darunter Guan Yu und Zhang Fei, die Schwurbrüder Liu Beis.
Die Stele und das Grab
Im vorderen Hof steht eine Stele aus der Tang-Zeit, datiert 809. Sie wird die “Stele der drei Vollkommenheiten” genannt, weil drei Dinge an ihr gerühmt werden: der Text des Kanzlers Pei Du, die Kalligrafie von Liu Gongchuo und die Arbeit des Steinmetzen. Wer sich für chinesische Schrift interessiert, bleibt hier länger als an jeder Statue.
Ein Pfad führt westlich zum Hügelgrab Liu Beis, einem von einer Ziegelmauer umgebenen Erdhügel unter alten Bäumen. Es ist einer der ruhigsten Punkte der Anlage und nie so voll wie die Hallen.
Kontext und Kombination
Der Roman, der all das populär machte, entstand erst über tausend Jahre nach den Ereignissen und wird Luo Guanzhong zugeschrieben. Auf Deutsch erschien eine gekürzte Fassung von Franz Kuhn unter dem Titel “Die drei Reiche”. Was in den Hallen dargestellt ist, folgt oft dem Roman, nicht der Geschichtsschreibung. Das ist in China nicht anders als bei Wilhelm Tell.
Direkt an den Tempel grenzt die Jinli-Gasse mit Imbissständen. Hier lässt sich Sichuans Küche von Dandan-Nudeln bis zu scharfen Spießen probieren, siehe Chinesisches Essen. Mit der Pandastation im Norden der Stadt und dem Tempel ist ein Chengdu-Tag gut gefüllt; alles Weitere steht unter Chengdu und die Pandas. Wer die konfuzianische Idee des loyalen Beamten verstehen will, die Zhuge Liang verkörpert, liest die Seite zum Konfuzianismus.
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor Ort oder beim Betreiber prüfen. Wer Zeit hat, geht nach dem Tempel noch zur Strohhütte des Du Fu im Westen der Stadt, der Gedenkstätte für einen Dichter, der dort einige Jahre lebte und über den Regen von Chengdu schrieb.
FAQHäufige Fragen
Muss man die Geschichte der Drei Reiche kennen?
Nein, aber es hilft. Wer vorher eine Zusammenfassung des Romans liest oder weiß, wer Liu Bei, Guan Yu und Zhang Fei sind, erkennt in den Hallen viel mehr wieder.
Lohnt sich die Jinli-Gasse?
Als Ergänzung ja, am besten am Abend, wenn die Laternen brennen. Sie ist eine nachgebaute Altstadtgasse mit Imbissen und Souvenirläden, kein historisches Viertel.
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