Wer in China eine Karte mit einem Satellitenbild vergleicht, stellt oft fest, dass Straßen und Häuser um einige Hundert Meter gegeneinander verschoben sind. Das ist kein Fehler der App. Chinesische Karten verwenden ein eigenes Koordinatensystem, das gegenüber dem international üblichen gezielt verzerrt ist, und nur zugelassene Anbieter dürfen die Umrechnung nutzen. Für Reisende hat das eine einfache Folge: Die Kartenapp, mit der man zu Hause navigiert, funktioniert in China schlechter als die einheimische.
Mit Reiseführern ist es ähnlich. Was in Europa ein verlässlicher Begleiter ist, kann in China nach zwei Jahren in wesentlichen Punkten überholt sein, weil sich Reservierungssysteme, Bezahlwege und Einreiseregeln schnell ändern. Die beste Vorbereitung kombiniert deshalb mehrere Quellen, jede für das, was sie gut kann.
Welche Arten von Reiseführern es gibt
Grob lassen sich drei Arten unterscheiden. Die großen Länderbände decken ganz China ab, mit Kapiteln zu allen Provinzen, Karten, Stadtplänen und einem ausführlichen Teil zu Geschichte, Kultur und Küche. Sie sind dick, schwer und für die Planung einer Route am wertvollsten, weil sie zeigen, was es überhaupt gibt. Reihen wie Lonely Planet oder Baedeker haben solche Bände für China im Programm, teils auch auf Deutsch.
Die kompakten Städte- und Regionalführer konzentrieren sich auf Peking, Shanghai, Hongkong oder einzelne Regionen wie Yunnan. Sie sind handlicher, gehen mehr ins Detail und eignen sich für die Tage vor Ort. Dazu gehören etwa die kleinen Bände der Reihe Marco Polo oder vergleichbarer Verlage. Wer nur zwei oder drei Städte besucht, kommt mit ihnen oft besser aus als mit einem Länderband.
Die dritte Art sind Kultur- und Hintergrundbücher, die keine praktischen Angaben enthalten, sondern das Land erklären. Hier sind Reportagen und Essays oft wertvoller als jeder Reiseführer. Peter Hessler beschreibt in „River Town“ zwei Jahre als Englischlehrer in der Stadt Fuling am Yangtze Ende der 1990er-Jahre, und das Buch ist bis heute eine der besten Einführungen in den chinesischen Alltag abseits der Metropolen. Kai Strittmatters „Gebrauchsanweisung für China“ ist ein Klassiker auf Deutsch, geschrieben von einem Journalisten, der viele Jahre in Peking gelebt hat.
Beim Kauf lohnt es sich, auf das Erscheinungsjahr der Auflage zu achten. Ein Band, dessen Recherche vor den großen Umstellungen bei Bezahlung und Reservierung abgeschlossen wurde, beschreibt ein Land, das es so nicht mehr gibt. Für Geschichte und Kultur spielt das Alter kaum eine Rolle, für praktische Kapitel sehr wohl.
Welche Apps den Reiseführer ergänzen
Vor Ort ersetzen einige Apps große Teile des gedruckten Buches. Die wichtigste ist eine Karten-App. Amap, auf Chinesisch Gaode, ist die am weitesten verbreitete und hat eine englische Oberfläche. Sie kennt die Metro-Linien, zeigt Bus- und Fußwege und findet auch kleine Restaurants. Baidu Maps ist ebenso genau, aber fast nur auf Chinesisch nutzbar. Apple Maps greift in China auf Kartendaten eines chinesischen Anbieters zurück und funktioniert deshalb besser als Google Maps.
Die zweite wichtige App ist eine Bezahl-App, Alipay oder WeChat Pay, ohne die man in vielen Geschäften und Garküchen nicht mehr bezahlen kann. Die dritte ist Didi für Taxis. Wie man diese Apps vor der Reise einrichtet, steht unter Amap, Didi und Metro und eSIM, VPN und Apps.
Eine Übersetzungs-App mit Kamerafunktion hilft bei Speisekarten und Schildern. Für Chinesisch-Lernende ist das Wörterbuch Pleco eine gute Ergänzung, weil es Schriftzeichen auch per Handschrift erkennt. Zu bedenken ist, dass viele westliche Dienste auf dem Festland gesperrt sind, darunter Google. Wer seine Übersetzungs-App oder seine Karten offline nutzen will, lädt die Daten vor der Reise herunter. Die Rechtslage und die praktische Situation bei VPN-Diensten ist unter VPN in China beschrieben.
Was chinesische Plattformen verraten
Die aktuellsten Informationen über Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Wartezeiten stehen heute nicht in Reiseführern, sondern auf chinesischen Plattformen. Dianping, das zum Konzern Meituan gehört, ist das chinesische Gegenstück zu Bewertungsportalen und zeigt zu fast jedem Restaurant Fotos, Gerichte und Bewertungen. Xiaohongshu, international als RedNote bekannt, ist eine Plattform mit kurzen Beiträgen und Bildern, auf der chinesische Reisende sehr genau beschreiben, wo man am besten fotografiert, wie lange man ansteht und welches Tor einer Sehenswürdigkeit das ruhigere ist.
Beide Plattformen sind überwiegend auf Chinesisch, lassen sich aber mit einer Übersetzungs-App erstaunlich gut nutzen. Wer ein bestimmtes Gericht oder einen Ort sucht, gibt den chinesischen Namen ein und schaut sich die Bilder an, die oft mehr sagen als der Text. Für ausländische Reisende ist das ein Weg, das zu sehen, was Einheimische gerade empfehlen, und nicht das, was vor fünf Jahren in einem Buch stand. Man sollte allerdings wissen, dass auch dort Werbung und bezahlte Beiträge vorkommen.
Für Zug- und Flugtickets sind die offizielle Bahn-App 12306 und die großen Buchungsplattformen gebräuchlich; wie der Ticketkauf mit dem Reisepass funktioniert, steht unter Zugtickets über 12306.
Karten auf Papier
Ein Stadtplan auf Papier wirkt altmodisch, hat in China aber seinen Platz. In vielen Hotels liegen zweisprachige Karten mit Schriftzeichen und Umschrift aus, auf denen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Metrostationen verzeichnet sind. Sie eignen sich gut, um sich am ersten Abend zu orientieren, und man kann sie einem Taxifahrer zeigen. An Flughäfen und großen Bahnhöfen gibt es an den Informationsschaltern oft ähnliche Pläne.
Für Wanderungen, etwa in der Tigersprungschlucht oder am Huangshan, sind die digitalen Karten nicht immer vollständig. Dort helfen die Karten, die an Eingängen und in Gästehäusern angeschlagen sind, und ein Foto davon auf dem Telefon.
Welche offiziellen Quellen verlässlich sind
Für alles, was sich schnell ändert, sind offizielle Quellen besser als jeder Reiseführer. Einreise und Sicherheit behandelt das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen, die regelmäßig aktualisiert werden. Für Visum und Transit ist die chinesische Einwanderungsbehörde NIA zuständig, und die chinesische Botschaft in Berlin veröffentlicht die Regeln für Antragsteller aus Deutschland.
Für praktische Fragen in Peking hat die Stadtregierung ein englischsprachiges Reiseportal mit Hinweisen zu Visa, Verkehr, Bezahlen, SIM-Karten und den großen Sehenswürdigkeiten. Ähnliche Angebote gibt es für Shanghai und andere Großstädte. Die offiziellen Seiten der großen Sehenswürdigkeiten, etwa des Palastmuseums für den Kaiserpalast, sind die einzige verlässliche Quelle für Reservierungen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise.
Für Hongkong und Macau gelten eigene Behörden, allen voran das Immigration Department Hongkong für die Einreise. Wer beide Seiten besucht, liest beide Regelwerke, weil sie sich unterscheiden. Welche weiteren offiziellen Seiten nützlich sind, ist unter Weiterführende Links gesammelt.
Die Städte im Überblick
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Reiseziele nach Regionen und verweist auf die jeweiligen Seiten mit Details zu Sehenswürdigkeiten, Verkehr und Aufenthaltsdauer. Eine Einordnung der Regionen, ihres Klimas und ihrer Kombinationsmöglichkeiten gibt die Seite China im Überblick.
Im Norden steht Peking an erster Stelle, mit Kaiserpalast, Himmelstempel, Sommerpalast und den Hutongs. Die Große Mauer liegt in Reichweite, ihre Abschnitte vergleicht die Seite Chinesische Mauer. Westlich davon liegt Xi’an mit der Terrakotta-Armee, der Stadtmauer und dem muslimischen Viertel, Ausgangspunkt der Seidenstraße. In der Provinz Shanxi lohnt Datong mit den Grotten von Yungang und der Neun-Drachen-Wand.
Im Osten ist Shanghai das Zentrum, mit dem Bund, Pudong und der Altstadt um den Yu-Garten. In der Umgebung liegen die Gartenstadt Suzhou, Hangzhou mit dem Westsee und die Kanalorte, die unter Wasserstädte: Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen verglichen werden. Nanjing, die alte Hauptstadt der frühen Ming, hat den Konfuzius-Tempel am Qinhuai-Fluss und den Linggu-Tempel am Purpurberg. Weiter südlich an der Küste liegt Fuzhou mit dem Trommelberg Gushan.
Im Süden steht Guilin mit Yangshuo für die Karstlandschaft am Li-Fluss. Hongkong und Macau bilden als Sonderverwaltungszonen eine eigene Welt, mit Hafen, Kolonialgeschichte und eigenen Einreiseregeln. Ganz im Süden liegt die Insel Hainan mit der Provinzhauptstadt Haikou und dem Wugong-Tempel.
Im Westen ist Chengdu die Stadt der Pandas und der scharfen Küche, mit dem Wuhou-Tempel für die Zeit der Drei Reiche. Von Chongqing aus beginnen die Fahrten durch die Drei Schluchten, beschrieben unter Yangtze-Kreuzfahrten. Die Provinz Yunnan mit Kunming, Dali, Lijiang und Shangri-La hat eine eigene Übersichtsseite, Südlich der Wolken, dazu Seiten zum Steinwald von Shilin, zur Tigersprungschlucht und zum Songzanlin-Kloster bei Shangri-La.
Essen: wo Reiseführer an ihre Grenzen stoßen
Kaum ein Kapitel veraltet so schnell wie die Restaurantempfehlungen. Lokale schließen, ziehen um oder werden so bekannt, dass sie nur noch Reisegruppen bedienen. Nützlicher als konkrete Adressen sind Hinweise auf Gerichte und Regionalküchen: Wer weiß, dass man in Xi’an Roujiamo und Biangbiang-Nudeln, in Chengdu Mapo Tofu und Hotpot und in Guangzhou Dim Sum am Vormittag essen sollte, findet die passenden Lokale über die Karten-App oder Dianping selbst.
Die Seite zur chinesischen Küche erklärt die großen Regionalküchen und wie man bestellt, wenn die Speisekarte nur aus Schriftzeichen besteht. Ein gutes Hintergrundbuch zum Thema ist „Shark’s Fin and Sichuan Pepper“ von Fuchsia Dunlop, 2008 erschienen, in dem die britische Köchin ihre Jahre als Studentin der Kochschule in Chengdu und ihre Reisen durch die chinesischen Küchen beschreibt. Es ergänzt jeden Reiseführer um das, was man auf dem Teller sieht, und erklärt nebenbei, warum Chinesen beim Essen so viel Wert auf Textur legen, auf das Glitschige, Knorpelige und Knusprige, das Europäern oft fremd bleibt.
Wie man die Quellen kombiniert
Eine bewährte Aufteilung sieht so aus: Der Länderband oder ein Hintergrundbuch hilft bei der Auswahl der Regionen, Monate vor der Reise. Die Übersichtsseiten zu den Regionen und Städten helfen bei der Feinplanung, wenn die Route steht. Die offiziellen Seiten liefern kurz vor der Abreise die aktuellen Regeln, von der Einreise bis zu den Reservierungen. Und vor Ort übernehmen die Apps das, was früher der Stadtplan im Buch war.
Wer nur einen Reiseführer mitnehmen will, wählt am besten einen Städteband für die Stadt, in der er die meiste Zeit verbringt, und liest die übrigen Kapitel digital. Ein gedrucktes Buch hat in China übrigens einen Vorteil, der oft übersehen wird: Es braucht weder Akku noch Netz, und es funktioniert auch dann, wenn eine App plötzlich eine chinesische Telefonnummer zur Bestätigung verlangt.
Ein Nebenaspekt: Schriftzeichen und Umschrift
Viele Reiseführer schreiben die Ortsnamen in Pinyin, der offiziellen lateinischen Umschrift. Vor Ort stehen auf Schildern oft Schriftzeichen, auf Metro-Plänen Pinyin oder englische Namen, und manche historische Namen folgen noch älteren Umschriften. So wird Peking auf Chinesisch Beijing ausgesprochen, und der deutsche Name ist eine Form aus der Zeit der alten Postumschrift. Wer einem Taxifahrer ein Ziel zeigen will, zeigt am besten die Schriftzeichen, nicht die Umschrift.
Deshalb lohnt es sich, die Namen von Hotels und wichtigen Zielen vor der Reise in Schriftzeichen zu notieren oder als Screenshot zu speichern. Viele Hotels geben auf Nachfrage eine Karte mit ihrer Adresse auf Chinesisch mit, und die ist im Taxi oft hilfreicher als jede App. Weitere praktische Hinweise für die ersten Tage stehen unter China Reisetipps.
FAQHäufige Fragen
Lohnt sich ein gedruckter Reiseführer für China noch?
Ja, für Hintergrund, Geschichte und die Auswahl der Ziele. Für praktische Angaben wie Öffnungszeiten, Preise, Reservierungen und Einreiseregeln ist er dagegen oft veraltet, weil sich diese Dinge in China schnell ändern. Diese Angaben gehören in die Apps und auf offizielle Seiten.
Funktioniert Google Maps in China?
Nur eingeschränkt. Google-Dienste sind auf dem Festland ohne besondere Verbindung gesperrt, und die Karte ist gegenüber dem Satellitenbild oft verschoben. Vor Ort ist Amap die zuverlässigste Karten-App, sie hat eine englische Oberfläche. Mehr dazu unter Amap, Didi und Metro.
Welche offiziellen Quellen sind für China-Reisende wichtig?
Das Auswärtige Amt für Einreise und Sicherheit, die chinesische Einwanderungsbehörde für Transit und Visum, die offiziellen Seiten der Sehenswürdigkeiten für Reservierungen und die englischsprachigen Portale der Stadtregierungen, etwa von Peking, für praktische Hinweise.
Welche Städte gehören auf eine erste China-Reise?
Meist Peking, Xi'an und Shanghai, die sich per Hochgeschwindigkeitszug verbinden lassen. Als Ergänzung eignen sich Guilin, Chengdu oder Hongkong. Den Überblick über alle Regionen zeigt China im Überblick.
Braucht man eine Übersetzungs-App?
Sehr empfehlenswert. Viele Speisekarten, Schilder und Automaten sind nur auf Chinesisch, und Englisch ist außerhalb der Hotels nicht selbstverständlich. Eine App mit Kamerafunktion, die Schriftzeichen im Bild übersetzt, hilft im Alltag am meisten.
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