Die Balkenlose Halle im Linggu-Gebiet ist ganz aus Ziegeln gemauert, ohne einen einzigen Holzbalken im Dach. Das war 1381, als sie unter dem ersten Ming-Kaiser entstand, eine technische Ansage: Das Gewölbe trägt sich selbst, und genau deshalb steht der Bau noch, während die Holzhallen ringsum im Lauf der Jahrhunderte verbrannten.
Was gehört zum Linggu-Gebiet?
Das Gelände liegt am Südhang des Purpurbergs, chinesisch Zijin Shan, östlich der Nanjinger Altstadt, im selben bewaldeten Landschaftsgebiet wie das Mausoleum Sun Yat-sens und die Grabanlage des ersten Ming-Kaisers. Der Tempel geht auf ein Kloster aus dem 6. Jahrhundert zurück, das an anderer Stelle am Berg stand. Als der Hongwu-Kaiser dort seine eigene Grabstätte anlegen ließ, wurde das Kloster verlegt und erhielt den Namen Linggu.
Drei Bauten tragen den Besuch:
- Die Balkenlose Halle (Wuliang Dian), ursprünglich eine buddhistische Halle, nach 1928 zur Gedenkstätte für gefallene Soldaten der Nationalrevolutionären Armee umgewidmet. Steintafeln im Inneren tragen ihre Namen.
- Die Linggu-Pagode, neun Stockwerke hoch, Anfang der 1930er Jahre fertiggestellt, ebenfalls als Gefallenendenkmal. Der amerikanische Architekt Henry Murphy war an ihrem Entwurf beteiligt.
- Der eigentliche Linggu-Tempel, ein aktives Kloster, das eine Reliquie des Mönchs Xuanzang bewahrt.
Xuanzang und die Reise nach Westen
Xuanzang reiste im 7. Jahrhundert auf dem Landweg nach Indien, studierte dort jahrelang und kehrte mit buddhistischen Schriften zurück, die er in Chang’an, dem heutigen Xi’an, übersetzte. Aus seiner Reise wurde Jahrhunderte später der Roman “Die Reise nach Westen” mit dem Affenkönig Sun Wukong, den in China jedes Kind kennt. Seine Reliquien wurden im 20. Jahrhundert geteilt und an mehrere Orte gebracht, einer davon ist dieser Tempel. Wer der Spur bis zum Ausgangspunkt folgen will, landet bei der Großen Wildganspagode in Xi’an. Einen Überblick über den Buddhismus in China gibt die Seite Religionen Chinas.
Wann hingehen?
Nanjing gilt als einer der heißesten Orte am unteren Yangtze; im Hochsommer ist der schattige Wald am Purpurberg zwar angenehmer als die Stadt, die Pagodentreppe aber schweißtreibend. Schöner sind der Frühling und vor allem der Herbst, wenn sich das Laub der Platanen und Ahornbäume färbt. Die Monate im Vergleich stehen in der Reisezeit-Übersicht.
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor Ort oder beim Betreiber prüfen. Ein zweites Ziel in der Stadt ist der Konfuzius-Tempel am Qinhuai, weitere Orte der Region stehen unter Wasserstädte am Yangtze-Delta.
Im Linggu-Gebiet liegt auch das Grab von Tan Yankai, einem Politiker der Republikzeit. Kaum jemand biegt dorthin ab, und gerade deshalb gehören die Steinwege dorthin zu den ruhigsten Winkeln am ganzen Berg.
FAQHäufige Fragen
Kann man die Linggu-Pagode besteigen?
Ja, eine Wendeltreppe führt um den Mittelpfeiler nach oben. Von den oberen Umgängen sieht man über den Wald des Purpurbergs bis zur Stadt.
Wie verbindet man Linggu mit dem Sun-Yat-sen-Mausoleum?
Beide liegen im selben Landschaftsgebiet am Purpurberg. Innerhalb des Gebiets fahren Pendelbusse; zu Fuß ist die Strecke ebenfalls machbar. Für beides zusammen einen halben Tag rechnen.
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