In einer Apotheke in Kunming stehen hinter dem Tresen zwei Welten nebeneinander: links Schachteln mit Paracetamol und Erkältungssaft, rechts Schubladen mit getrockneten Wurzeln, Pilzen und Rinden für die traditionelle chinesische Medizin. Die Apothekerin fragt nach, misst vielleicht den Blutdruck und empfiehlt eine Mischung aus beidem. So ungefähr sieht Gesundheitsversorgung in China für Reisende aus: gut erreichbar, anders organisiert und mit einer Sprachhürde.
Wo findet man verlässliche Impfempfehlungen?
Für die Einreise aus Deutschland schreibt China keine Impfungen vor. Das heißt nicht, dass keine sinnvoll wären. Das Auswärtige Amt empfiehlt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zu China, die Standardimpfungen nach dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission STIKO zu überprüfen, und nennt Hepatitis A als Reiseimpfung. Es rät außerdem, sich frühzeitig reisemedizinisch beraten zu lassen.
Welche weiteren Impfungen im Einzelfall infrage kommen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die STIKO gibt eigene Empfehlungen zu Reiseimpfungen heraus, und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Hinweise. Beide berücksichtigen Faktoren, die nur im Gespräch zu klären sind: die Route, die Dauer, die Jahreszeit, Aufenthalte auf dem Land, Kontakt zu Tieren, Vorerkrankungen und den bisherigen Impfstatus. Wer drei Wochen durch Großstädte reist, hat andere Themen als jemand, der mehrere Monate in ländlichen Regionen im Süden verbringt.
Tropen- und reisemedizinische Beratungen bieten Hausärzte mit entsprechender Qualifikation, Tropeninstitute und manche Gesundheitsämter an. Weil manche Impfungen mehrere Termine im Abstand von Wochen brauchen, gehört dieser Termin an den Anfang der Reisevorbereitung, nicht in die letzte Woche. Den Impfpass sollte man dorthin mitnehmen.
Eine historische Randnotiz: China wurde von der Weltgesundheitsorganisation 2021 als malariafrei zertifiziert, nachdem das Land in den 1940er-Jahren nach Angaben der WHO noch rund 30 Millionen Fälle pro Jahr gezählt hatte. Der Kampf gegen die Krankheit brachte nebenbei die Entdeckung des Wirkstoffs Artemisinin hervor, für den die Pharmakologin Tu Youyou 2015 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Tu Youyou hatte ihn aus einer Beifußpflanze isoliert, die in alten Texten der chinesischen Medizin gegen Fieber beschrieben war.
Wie steht es um die Luftqualität?
Die Luft in chinesischen Städten ist deutlich besser geworden, aber nicht überall und nicht an jedem Tag gut. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass die Belastung in großen Städten besonders im Winter hoch sein kann. Das betrifft vor allem den Norden: Peking, Tianjin, die Städte der Provinz Hebei und Teile von Henan und Shaanxi, wo in der Heizperiode Kohle verfeuert wird und Inversionswetterlagen den Smog über der Ebene halten. Im Süden, an der Küste und in den Bergen von Yunnan ist die Luft meist klarer.
Die aktuellen Werte zeigt der Luftqualitätsindex (AQI), den man über Apps oder die Website des World Air Quality Index abrufen kann. Für gesunde Reisende ist ein Tag mit schlechter Luft vor allem unangenehm. Menschen mit Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangere und kleine Kinder sollten an solchen Tagen längere Aktivitäten im Freien einschränken. FFP2-Masken filtern Feinstaub wirksam und sind in China in jedem Supermarkt erhältlich. Viele bessere Hotels in Nordchina stellen außerdem Luftreiniger in die Zimmer, auf Nachfrage oft auch dann, wenn keiner bereitsteht. Wer empfindlich ist, legt die Reise lieber in den Herbst oder das Frühjahr; mehr dazu auf der Seite zur Reisezeit und zum Klima.
Leitungswasser, Essen und Magen
Leitungswasser trinkt man in China nicht direkt aus dem Hahn. Das ist weniger eine Frage des Wasserwerks als der Leitungen in den Häusern. Hotels stellen fast immer einen Wasserkocher bereit und oft zwei Flaschen Wasser pro Tag; in Bahnhöfen, Zügen und vielen öffentlichen Gebäuden gibt es Spender mit heißem Wasser. Viele Chinesen trinken ohnehin warmes oder heißes Wasser, und wer im Restaurant Wasser bestellt, bekommt oft ein Glas heißes Wasser serviert. Zum Zähneputzen verwenden die meisten Reisenden das Leitungswasser ohne Probleme.
Beim Essen gilt die alte Regel mit Einschränkungen: Gekochtes, Gebratenes und frisch Zubereitetes ist in der Regel unbedenklich, auch an Garküchen, bei denen man zusieht, wie das Essen im Wok landet. Vorsicht ist bei Salaten, bei ungeschältem Obst und bei Speisen geboten, die lange lauwarm gestanden haben. Ein gutes Zeichen ist ein Lokal, in dem viele Einheimische essen, denn dort ist der Umsatz hoch und nichts wartet lange. Wer die regionale Küche kennenlernen will, findet auf der Seite zum chinesischen Essen einen Überblick.
Leichte Magenprobleme in den ersten Tagen haben oft weniger mit Hygiene zu tun als mit der Umstellung: viel Öl, viel Chili in Sichuan und Hunan, ungewohnte Gewürze. Eine kleine Reiseapotheke mit Mitteln gegen Durchfall und Elektrolytpulver gehört trotzdem ins Gepäck.
Apotheken und Medikamente
Apotheken, „yaodian“ oder „yaofang“, sind in chinesischen Städten zahlreich und an einem grünen Kreuz zu erkennen. Viele haben lange Öffnungszeiten. Das Sortiment reicht von westlichen Medikamenten über Nahrungsergänzungsmittel bis zur traditionellen chinesischen Medizin. Einfache Mittel gegen Erkältung, Kopfschmerzen oder Durchfall bekommt man ohne Rezept, viele andere Arzneimittel, darunter Antibiotika, nur mit Verschreibung eines chinesischen Arztes.
Die Verständigung ist die eigentliche Hürde. Beipackzettel und Verpackungen sind chinesisch, und das Personal spricht selten Englisch. Eine Übersetzungs-App mit Kamerafunktion hilft, ebenso ein Foto der Verpackung des gewohnten Medikaments mit dem Namen des Wirkstoffs. Wirkstoffnamen sind international und werden eher verstanden als Handelsnamen.
Wer regelmäßig Medikamente nimmt, bringt sie in ausreichender Menge für die ganze Reise mit, dazu einen Puffer für Verzögerungen. Die Medikamente gehören in der Originalverpackung ins Handgepäck, zusammen mit einer ärztlichen Bescheinigung auf Englisch, die Wirkstoff und Dosierung nennt. Für bestimmte Medikamente, etwa starke Schmerzmittel oder Psychopharmaka, können bei der Einfuhr besondere Regeln gelten; im Zweifel vorher bei der chinesischen Botschaft nachfragen.
Krankenhäuser und ärztliche Versorgung
Anders als in Deutschland gibt es in China kaum niedergelassene Hausärzte. Wer krank wird, geht ins Krankenhaus, auch mit einer Bronchitis oder einer entzündeten Wunde. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass sich die medizinische Versorgung auf Krankenhäuser konzentriert und dass Sprachbarrieren und Hygienestandards von europäischen Erwartungen abweichen können.
In großen Städten haben viele Kliniken internationale Abteilungen mit englischsprachigem Personal, oft unter Bezeichnungen wie „International Medical Services“ oder „VIP Department“. In Peking ist das Peking Union Medical College Hospital dafür bekannt, in Shanghai das Huashan Hospital mit seinem Worldwide Medical Center. Hinzu kommen private internationale Kliniken. Die Behandlung dort ist deutlich teurer als in den regulären Abteilungen, die Wartezeiten sind kürzer. Adressen internationaler Kliniken nennen Hotels und die deutschen Auslandsvertretungen.
Ein Detail überrascht viele: In chinesischen Krankenhäusern wird in der Regel vor der Behandlung bezahlt, Schritt für Schritt, für Anmeldung, Untersuchung und Medikamente. Wer eine Versicherung hat, legt zunächst selbst aus und reicht die Belege später ein. Eine Kreditkarte mit ausreichendem Rahmen und eine funktionierende Bezahl-App sind deshalb auch im Krankheitsfall wichtig. Zur Anmeldung wird der Reisepass verlangt, weil die Patientenakte an die Ausweisnummer gebunden ist. In den regulären Abteilungen großer Kliniken zieht man zunächst eine Nummer für die gewünschte Fachrichtung, wartet, wird untersucht und geht dann mit dem Befund zur Kasse, zum Labor und zur Klinikapotheke. Wer kein Chinesisch spricht, nimmt am besten eine Begleitperson aus dem Hotel mit oder wählt gleich die internationale Abteilung.
Was gehört in die Reiseapotheke?
Die Grundausstattung unterscheidet sich kaum von anderen Fernreisen, nur dass man in China unterwegs seltener erklären kann, was man sucht. Deshalb lohnt es sich, einige Dinge von zu Hause mitzubringen, auch wenn es sie vor Ort gäbe: ein vertrautes Schmerz- und Fiebermittel, Mittel gegen Durchfall und Übelkeit, Elektrolytpulver, Pflaster und Blasenpflaster, ein Desinfektionsmittel, Sonnenschutz, Mückenschutz und für den Winter im Norden eine gute Lippen- und Handcreme, weil die Luft dort sehr trocken ist. Wer zu Reisekrankheit neigt, denkt an Serpentinen auf Bergstraßen in Yunnan oder an Bootsfahrten auf dem Jangtse.
Ein Fieberthermometer und eine kleine Packung FFP2-Masken nehmen kaum Platz weg. Für Kontaktlinsenträger empfiehlt sich eine Ersatzbrille, denn Staub und trockene Luft reizen die Augen, und Pflegemittel sind außerhalb der Großstädte schwer zu finden. Wer die übrige Vorbereitung in der richtigen Reihenfolge angehen will, findet sie in der Checkliste der China Reisetipps.
Traditionelle chinesische Medizin: ein Blick über den Tresen
Viele Reisende sind neugierig auf die traditionelle chinesische Medizin, und in Städten wie Peking oder Chengdu gibt es alte Apotheken, die schon wegen ihrer Einrichtung einen Besuch wert sind. Die Pekinger Apotheke Tongrentang, gegründet im 17. Jahrhundert, ist eine der bekanntesten; ihre Filialen finden sich in vielen chinesischen Städten. Wer dort Kräutertees oder Salben kauft, sollte wissen, dass solche Präparate Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können und nicht jede Zutat in Deutschland zugelassen ist. Bei Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung angebracht.
Auslandskrankenversicherung
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten in China in der Regel nicht, weil kein entsprechendes Abkommen besteht. Eine private Auslandsreisekrankenversicherung ist deshalb keine Option, sondern Pflicht jeder vernünftigen Reiseplanung. Die Police sollte ausdrücklich einen medizinisch sinnvollen Rücktransport nach Deutschland einschließen. Manche Tarife zahlen ihn nur, wenn er medizinisch notwendig ist, und dieser feine Unterschied entscheidet im Ernstfall, ob die Kosten übernommen werden.
Viele Kreditkarten enthalten eine Reiseversicherung, deren Bedingungen man genau lesen sollte: Oft gilt sie nur, wenn die Reise mit der Karte bezahlt wurde, und die Leistungsgrenzen sind niedrig. Die Versicherungsnummer und die Notfall-Hotline des Versicherers speichert man offline im Handy, auf Papier im Gepäck und bei einer Person zu Hause.
Besondere Situationen: Höhe, Hitze, Mücken
In Tibet, im Nordwesten Yunnans und in Teilen von Sichuan liegen viele Reiseziele auf über dreitausend Metern. Die Höhenkrankheit kann dort jeden treffen, unabhängig von der Fitness. Langsames Aufsteigen, viel Trinken, kein Alkohol in den ersten Tagen und Ruhe bei Kopfschmerzen sind die Grundregeln; bei Atemnot oder Verwirrtheit hilft nur der Abstieg. Wer nach Shangri-La oder zur Tigersprungschlucht reist, plant die Etappen über Lijiang und Dali, wie es auf der Seite zu Yunnan beschrieben ist.
Der Sommer bringt im Süden und in der Jangtse-Ebene Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Sonnenschutz, ein Hut und ausreichend Wasser sind dann wichtiger als jede Reiseapotheke. In Südchina, besonders in Guangdong, kommt es in den Sommermonaten gelegentlich zu Ausbrüchen des Dengue-Fiebers, das von tagaktiven Mücken übertragen wird. Lange Kleidung und ein wirksames Mückenschutzmittel helfen; eine spezielle Vorbeugung für Reisende gehört in die reisemedizinische Beratung. In vielen Hotels und Restaurants werden Mücken abends gut ferngehalten, kritisch sind eher Ausflüge ins Grüne, Abende am Wasser und Unterkünfte ohne Fliegengitter. Wer nach der Rückkehr Fieber bekommt, sollte dem Arzt von der Reise erzählen, auch wenn sie schon einige Wochen zurückliegt, denn manche Infektionen zeigen sich erst mit Verzögerung.
Und schließlich die Kleinigkeiten, die auf keiner Liste stehen, aber viel ausmachen: Pflaster für Blasen nach langen Tagen auf Steinpflaster und Treppen, eine Packung Taschentücher für Toiletten ohne Papier und ein Desinfektionsgel für die Hände vor dem Essen an der Garküche.
FAQHäufige Fragen
Welche Impfungen braucht man für China?
Pflichtimpfungen für die Einreise aus Deutschland gibt es nicht. Das Auswärtige Amt empfiehlt, die Standardimpfungen nach den Empfehlungen der STIKO zu prüfen, und nennt Hepatitis A als Reiseimpfung. Welche weiteren Impfungen sinnvoll sind, hängt von Route und Reisestil ab und gehört in eine reisemedizinische Beratung.
Kann man in China Leitungswasser trinken?
Besser nicht direkt aus dem Hahn. Hotels stellen Wasserkocher und oft Flaschenwasser bereit, abgekochtes Wasser ist unbedenklich. Zum Zähneputzen nutzen viele Reisende Leitungswasser ohne Probleme.
Wie schlimm ist der Smog in China?
Das hängt stark von Ort und Jahreszeit ab. In nordchinesischen Städten ist die Luft im Winter an manchen Tagen deutlich belastet, im Sommer und im Süden meist besser. Apps und Websites mit dem Luftqualitätsindex zeigen die aktuellen Werte.
Gilt die deutsche Krankenversicherung in China?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten in China in der Regel nicht. Eine private Auslandsreisekrankenversicherung mit medizinisch sinnvollem Rücktransport ist deshalb dringend zu empfehlen.
Bekommt man in China Medikamente in der Apotheke?
Einfache Mittel gegen Erkältung, Durchfall oder Schmerzen ja, viele andere nur mit Rezept. Die Beschriftung ist fast immer chinesisch. Regelmäßig benötigte Medikamente nimmt man in ausreichender Menge und in der Originalverpackung von zu Hause mit.
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