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Internet in China: eSIM, VPN, Roaming und die wichtigsten Apps

Am Flughafen in Shanghai schaltet sich das Handy ein, und die Hälfte der gewohnten Apps zeigt nur noch einen Ladekreis. Welche Dienste in China funktionieren, hängt weniger vom Handy ab als davon, über welches Netz die Daten laufen.

RedaktionAktualisiert September 2026

Zeichnung in Tusche zum Thema: Internet in China: eSIM, VPN, Roaming und die wichtigsten Apps
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Ein Paar aus Hamburg steht in der Ankunftshalle von Shanghai-Pudong. Bei ihr lädt WhatsApp sofort, bei ihm dreht sich der Ladekreis, obwohl beide dasselbe Handymodell haben. Der Unterschied liegt nicht im Gerät. Die Frau nutzt ihren deutschen Tarif mit Roaming, er hat sich mit dem Flughafen-WLAN verbunden. Diese kleine Szene erklärt das wichtigste Prinzip des Internets in China für Reisende besser als jede technische Beschreibung.

Was ist die Große Firewall und was ist gesperrt?

China filtert den Internetverkehr an seinen Netzgrenzen. Das System wird im Westen oft Große Firewall genannt, in Anlehnung an die Große Mauer. Es blockiert eine Reihe ausländischer Dienste und Websites vollständig und bremst andere aus. Für Reisende sind vor allem diese Sperren relevant: die Google-Dienste von der Suche über Gmail und Google Maps bis YouTube, die Plattformen von Meta mit Facebook, Instagram und WhatsApp, außerdem X, viele westliche Nachrichtenseiten und Wikipedia.

Was nicht gesperrt ist, funktioniert oft trotzdem langsamer, weil der Datenverkehr über wenige internationale Leitungen läuft und gefiltert wird. Websites deutscher Banken, E-Mail-Anbieter wie GMX oder Web.de, viele Apple- und Microsoft-Dienste und die meisten Buchungsseiten sind in der Regel erreichbar. Eine verlässliche Liste gibt es nicht, weil sich die Filter ändern und manche Dienste zeitweise funktionieren und zeitweise nicht. Auch Apps, die selbst nicht gesperrt sind, laden manchmal Inhalte von gesperrten Servern nach, etwa Karten, Schriften oder Anmeldefenster, und bleiben dann an einer Stelle hängen. Das betrifft besonders Apps, die sich über ein Google-Konto anmelden. Wer vor der Reise bei wichtigen Diensten eine alternative Anmeldung mit E-Mail und Passwort einrichtet, umgeht dieses Problem.

Für die Reiseplanung heißt das: Alles, was man unterwegs braucht und was nur in einem Google-Konto liegt, sollte vorher heruntergeladen oder offline verfügbar sein. Buchungsbestätigungen als PDF, Hoteladressen auf Chinesisch als Screenshot, Tickets in der Wallet. Wer Android nutzt, sollte außerdem wissen, dass der Google Play Store in China nicht erreichbar ist. Alle Apps gehören deshalb vor der Abreise installiert und eingerichtet.

Roaming, eSIM oder lokale SIM-Karte?

Für Datenverbindung in China gibt es drei Wege, die sich vor allem in einem Punkt unterscheiden: über welches Netz der Datenverkehr ins Internet geht.

Beim Roaming mit der deutschen SIM-Karte läuft der Datenverkehr in aller Regel über das Netz des deutschen Anbieters. Er verlässt China also, bevor er ins offene Internet geht, und die chinesischen Sperren greifen dann meist nicht. Google, WhatsApp und Instagram funktionieren so wie zu Hause. Der Nachteil sind die Kosten: China liegt außerhalb der EU-Roamingregeln, und je nach Tarif kann Roaming teuer werden oder nur mit einem Zusatzpaket bezahlbar sein. Ein Blick in die Tarifbedingungen vor der Reise vermeidet böse Überraschungen.

Reise-eSIMs sind der Mittelweg, den viele Reisende heute wählen. Man kauft sie online vor der Abreise, installiert sie per QR-Code auf einem eSIM-fähigen Handy und aktiviert sie bei der Ankunft. Viele dieser Angebote nutzen ebenfalls Roaming-Verbindungen über Netzbetreiber außerhalb Chinas, zum Beispiel in Hongkong, und verhalten sich deshalb ähnlich wie deutsches Roaming. Das gilt allerdings nicht für alle, und die Beschreibungen der Anbieter sind nicht immer eindeutig. Worauf man bei der Auswahl achten sollte und wie die Einrichtung abläuft, beschreibt die Seite eSIM für China.

Eine lokale SIM-Karte von China Mobile, China Unicom oder China Telecom ist günstig und schnell, bringt aber das chinesische Internet mit allen Sperren. Außerdem ist sie an eine Registrierung auf den echten Namen gebunden: Beim Kauf wird der Reisepass vorgelegt, und nach Angaben des Auswärtigen Amts gehört ein Gesichtsscan zum Abschluss. Der Vorteil einer lokalen Karte ist eine chinesische Telefonnummer. Manche Dienste, etwa das Anmelden in öffentlichen WLANs, Lieferdienste oder einzelne Buchungsplattformen, verlangen eine solche Nummer für den Bestätigungscode per SMS.

Wer länger bleibt oder viele Daten braucht, kombiniert gelegentlich beides: eine eSIM für die gewohnten Dienste und eine lokale Karte für die chinesische Nummer. Für eine Reise von zwei oder drei Wochen genügt den meisten Reisenden eine der ersten beiden Varianten. Vorher lohnt ein kurzer Check am eigenen Gerät: Ist das Handy eSIM-fähig, ist es frei von einer Netzsperre des Anbieters, und reicht das gebuchte Datenvolumen? Wer täglich navigiert, übersetzt, Videos schickt und über Apps bezahlt, verbraucht mehr, als man von einem Urlaub in Europa gewohnt ist. Ein Paket mit etwas Reserve oder der Möglichkeit, unterwegs nachzubuchen, erspart die Suche nach WLAN am letzten Reisetag.

Und das WLAN im Hotel?

Hotel-WLAN ist in China in der Regel schnell und kostenlos, aber es ist chinesisches Internet. Gesperrte Dienste bleiben gesperrt. Das Einloggen verlangt häufig eine Zimmernummer oder einen Code von der Rezeption, öffentliche Netze in Cafés, Bahnhöfen und Flughäfen oft eine chinesische Handynummer für eine SMS. Am Flughafen gibt es für Ausländer meist Automaten, an denen man mit dem Pass einen Zugangscode erhält.

Für Reisende mit Roaming oder eSIM ist es daher oft sinnvoll, im Hotel das WLAN für große Downloads und Updates zu nutzen und unterwegs die mobile Verbindung für alles, was über gesperrte Dienste läuft.

VPN in China: Rechtslage und Risiko

Virtuelle private Netzwerke, VPN, verschlüsseln den Datenverkehr und leiten ihn über einen Server im Ausland. Technisch lassen sich damit die Sperren umgehen. Rechtlich ist die Lage klar geregelt: In China dürfen nur staatlich zugelassene VPN-Dienste genutzt werden, die vor allem Unternehmen für ihre internen Netze verwenden. Die Nutzung nicht zugelassener VPN-Dienste zur Umgehung der Zensur ist nicht erlaubt.

Das Auswärtige Amt formuliert es in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zu China so, dass die Umgehung der Zensur über VPN nach dem Cybersicherheitsgesetz verboten ist, dass keine Fälle strafrechtlicher Verfolgung von Ausländern bestätigt sind und dass dennoch potenziell jederzeit das Risiko einer Strafverfolgung besteht. Diese Einschätzung sollte man ernst nehmen, auch wenn in Hotels und Cafés viele Menschen sichtbar ohne Probleme auf gesperrte Dienste zugreifen.

Praktisch kommt hinzu, dass VPN-Verbindungen in China unzuverlässig sind. Die Filter erkennen und stören viele Verbindungsarten, besonders rund um politisch sensible Jahrestage und große Ereignisse. Wer sich auf ein VPN verlässt, um an Tickets, Bankzugänge oder Arbeitsdaten zu kommen, steht im ungünstigen Moment womöglich ohne Zugriff da. Die ausführliche Einordnung, auch zu Dienstreisen mit Firmen-VPN, steht auf der Seite VPN in China.

Welche Apps braucht man in China?

Das chinesische Alltagsleben läuft über wenige große Apps, die jeweils viele Dienste bündeln. Vier davon sollten vor der Abreise installiert und eingerichtet sein.

Alipay ist die wichtigste Bezahl-App und zugleich ein Portal für viele weitere Dienste. Die App nimmt ausländische Kreditkarten, zeigt die Metro-Codes vieler Städte und enthält Mini-Programme, etwa für Didi oder das Ausleihen von Leihrädern. Die Einrichtung mit Karte und Verifizierung beschreibt die Seite Alipay einrichten als Tourist.

WeChat ist Messenger, soziales Netzwerk, Bezahlsystem und App-Plattform in einem. Fast jeder in China nutzt es, und Hotels, Restaurants und neue Bekannte tauschen Kontakte über den WeChat-QR-Code aus. Das Bezahlen funktioniert inzwischen auch mit ausländischer Karte, wie auf der Seite WeChat Pay einrichten beschrieben.

Amap, chinesisch Gaode Ditu, ist die Karten-App der Wahl. Amap kennt Metro-Linien, Busse, Fußwege, Eingänge von Parks und Sehenswürdigkeiten und hat eine englische Oberfläche. Apple Karten verwendet in China ebenfalls Kartendaten von Amap und ist für iPhone-Nutzer eine gute Ergänzung. Google Maps ist gesperrt und in China zudem ungenau, weil chinesische Karten ein eigenes Koordinatensystem verwenden und Positionen gegeneinander verschoben erscheinen.

Didi ist der große Fahrdienst des Landes. Die App hat eine englische Version, und in Alipay steckt Didi als Mini-Programm, das ohne zusätzliche Registrierung funktioniert. Fahrer und Ziel stehen vorab fest, bezahlt wird digital, und die Fahrt lässt sich teilen. Einzelheiten zu Amap, Didi und den Metro-Codes der großen Städte stehen auf der Seite Amap, Didi und Metro-Apps.

Daten, Privatsphäre und das eigene Handy

Wer in China online ist, sollte davon ausgehen, dass Verbindungen über chinesische Netze überwacht werden können. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Mobilfunkanbieter umfangreiche Daten erheben. Für die meisten Urlaubsreisenden ändert das wenig am Alltag, es ist aber ein Grund, sensible berufliche Daten nicht unbedacht auf dem Reisehandy mitzuführen.

Manche Unternehmen geben ihren Mitarbeitenden für Dienstreisen nach China eigens eingerichtete Geräte mit, auf denen nur das Nötigste gespeichert ist. Für private Reisende genügt meist ein vernünftiger Mittelweg: ein aktuelles Backup vor der Abreise, eine Displaysperre, Zwei-Faktor-Anmeldung für wichtige Konten und keine vertraulichen Dokumente, die man nicht unbedingt braucht. Wer nach der Reise Apps wie WeChat oder Alipay nicht mehr benötigt, kann sie wieder löschen oder die hinterlegte Karte entfernen.

Bei der Einreise und an manchen Kontrollpunkten, besonders in Xinjiang und Tibet, kann es vorkommen, dass Behörden Einblick in Mobiltelefone verlangen. Auch das spricht dafür, auf dem Gerät nur mitzunehmen, was man wirklich braucht.

Hongkong und Macau: ein anderes Netz

Ein Sonderfall sind die beiden Sonderverwaltungszonen. In Hongkong und Macau gibt es keine Große Firewall, Google, WhatsApp und westliche Nachrichtenseiten funktionieren dort ohne Einschränkung. Wer eine Reise durch das Festland mit einigen Tagen in Hongkong kombiniert, bemerkt den Unterschied sofort beim Grenzübertritt in Shenzhen oder Zhuhai. Umgekehrt funktionieren manche Festland-Dienste in Hongkong anders: Alipay und WeChat Pay gibt es dort in eigenen Varianten, und viele Geschäfte nehmen zusätzlich die Octopus-Karte oder Kreditkarten direkt an.

Übersetzung und Sprache

Übersetzungs-Apps sind in China fast so wichtig wie die Bezahl-Apps. Am nützlichsten ist die Kamerafunktion, die Speisekarten, Schilder und Beipackzettel direkt im Bild übersetzt. Chinesische Anbieter wie Baidu Fanyi oder Youdao funktionieren ohne Umweg, Apples integrierte Übersetzen-App ebenfalls. Wer Google Translate nutzen will, lädt vor der Reise die Offline-Sprachpakete für Chinesisch herunter, denn online ist der Dienst ohne Roaming nicht erreichbar.

Die Ergebnisse sind nicht immer elegant, aber meist verständlich. Bei Speisekarten entstehen gelegentlich kuriose Übersetzungen, weil viele Gerichtnamen poetisch oder bildhaft sind. Einige Gedanken zur Verständigung im Alltag und zu anderen kleinen Eigenheiten stehen im Beitrag Reise-Tipps zu Sprache, Internet und Servietten.

Kleinigkeiten, die den Alltag erleichtern

Ein paar weitere Apps sind nützlich, auch wenn man sie nicht unbedingt braucht. Die offizielle Bahn-App 12306 zeigt Fahrpläne und verkauft Tickets. Dianping und Meituan sind die großen Plattformen für Restaurantbewertungen und Lieferdienste, allerdings überwiegend auf Chinesisch. Viele Museen und Sehenswürdigkeiten vergeben Eintrittskarten über Mini-Programme in WeChat, die Reservierung erfolgt mit der Passnummer.

Wichtig ist eine gute Akkureserve, denn ein Handy, das bezahlt, navigiert, übersetzt und Tickets zeigt, ist am Nachmittag oft leer. Eine Powerbank gehört deshalb in den Tagesrucksack. Eine kleine erste Zahlung gleich nach der Ankunft, etwa für eine Flasche Wasser am Flughafen, zeigt schnell, ob die hinterlegte Karte freigeschaltet ist. Und wer in China eine neue Bekanntschaft macht, wird fast immer mit derselben Frage verabschiedet: „jia ge weixin?“, der Bitte, sich gegenseitig auf WeChat hinzuzufügen.

FAQHäufige Fragen

Funktioniert WhatsApp in China?

Über chinesisches WLAN und chinesische SIM-Karten nicht, WhatsApp ist gesperrt. Mit deutschem Roaming oder vielen Reise-eSIMs läuft der Datenverkehr über Netze außerhalb Chinas, dann funktioniert WhatsApp meist. Für Kontakte vor Ort ist WeChat ohnehin das übliche Mittel.

Ist eine eSIM für China sinnvoll?

Für viele Reisende ja. Eine Reise-eSIM wird vor der Abreise installiert, ist bei der Ankunft sofort aktiv und leitet die Daten oft über ausländische Netze, sodass gewohnte Dienste erreichbar bleiben. Einzelheiten stehen auf der Seite eSIM für China.

Ist VPN in China erlaubt?

Nicht zugelassene VPN-Dienste zur Umgehung der Internetzensur sind in China nicht erlaubt. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass zwar keine Strafverfolgung von Ausländern bestätigt ist, ein Risiko aber jederzeit bestehen kann. Die Einordnung steht auf der Seite VPN in China.

Braucht man für eine chinesische SIM-Karte den Reisepass?

Ja. SIM-Karten werden in China nur mit Registrierung auf den echten Namen verkauft, bei Ausländern mit dem Reisepass. Das Auswärtige Amt nennt zusätzlich einen Gesichtsscan beim Abschluss.

Welche Karten-App nutzt man in China statt Google Maps?

Amap, auf Chinesisch Gaode Ditu, ist die verbreitetste Karten-App und hat eine englische Oberfläche. Apple Karten nutzt in China ebenfalls Kartendaten von Amap und funktioniert gut. Google Maps ist gesperrt und im Land zudem ungenau.

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