Der erste QR-Code wartet meist schon am Flughafen. In Peking-Daxing oder Shanghai-Pudong steht nach der Passkontrolle die Schlange am Taxistand, und wer mit Didi fahren will, braucht Datenverbindung. Das Flughafen-WLAN verlangt in vielen Fällen eine SMS-Bestätigung oder den Scan des Passes an einem Automaten. Wer bereits beim Landen mobiles Internet hat, spart sich diesen Umweg und kann in Ruhe die Adresse des Hotels in der Karten-App öffnen.
Grundsätzlich gibt es drei Wege, in China online zu sein: Roaming mit der deutschen SIM, eine Reise-eSIM eines internationalen Anbieters oder eine chinesische SIM-Karte, die vor Ort gekauft wird. Jeder hat seine eigene Logik, und keiner ist für alle Reisenden der beste.
Roaming mit der deutschen SIM
Die einfachste Lösung ist die, bei der man nichts tun muss. Das Telefon bucht sich nach der Landung in ein chinesisches Netz ein, meist China Mobile, China Unicom oder China Telecom, und der deutsche Anbieter rechnet über seine Auslandstarife ab. Da China nicht zur EU gehört, greift die Regelung „Roam like at home” nicht. Ohne passendes Paket kann Datennutzung teuer werden, weshalb viele Anbieter Datenroaming außerhalb Europas standardmäßig sperren oder eine Kostengrenze setzen.
Vor der Abreise also in der App oder im Kundenkonto des Mobilfunkanbieters nachsehen, welche Länderzone China zugeordnet ist und ob es ein Tages- oder Wochenpaket gibt. Manche Verträge enthalten Auslandsvolumen für bestimmte Länder außerhalb der EU, andere nicht. Wer ein Firmenhandy nutzt, fragt die IT-Abteilung, denn dort gelten oft eigene Regeln für Reisen nach China.
Roaming hat eine technische Besonderheit, die für China relevant ist. Die Daten werden in der Regel über das Heimatnetz geleitet, also über einen Knoten in Deutschland, bevor sie ins Internet gehen. Deshalb berichten Reisende, dass Dienste wie Google, WhatsApp oder Instagram über Roaming ohne Zusatzsoftware erreichbar sind. Das ist eine Folge der Netzarchitektur und keine Zusage, die ein Anbieter für China gibt. Mehr zur Rechtslage und zu dieser Frage steht im Artikel VPN in China.
Der Nachteil liegt auf der Hand: Roaming ist die teuerste der drei Varianten, und das Datenvolumen ist oft knapp bemessen. Für eine Woche Peking mit Karten-App, Bezahl-Apps und gelegentlichem Nachrichtenversand reicht ein kleines Paket. Wer täglich Fotos hochlädt oder Videos schaut, stößt schnell an Grenzen.
Ein unterschätzter Vorteil des Roamings ist die Erreichbarkeit. Die gewohnte Nummer bleibt aktiv, SMS von Bank und Bezahl-Apps kommen an, und wer zu Hause Kinder oder pflegebedürftige Eltern hat, bleibt unter derselben Nummer erreichbar. Eingehende Anrufe können im Ausland allerdings Kosten verursachen, auch das steht in den Tarifdetails.
Reise-eSIM eines internationalen Anbieters
Die Reise-eSIM ist in den letzten Jahren zur verbreitetsten Lösung für Touristen geworden. Man kauft online einen Datentarif für ein Land oder eine Region, erhält einen QR-Code oder einen Aktivierungslink und installiert das digitale Profil auf dem Telefon. Eine physische Karte gibt es nicht. Die deutsche SIM bleibt im Gerät und kann für Anrufe und SMS aktiv bleiben, während die eSIM die Daten übernimmt.
Die meisten Reise-eSIMs nutzen in China die Netze der großen chinesischen Betreiber, rechnen aber über einen Partner im Ausland ab. Technisch verhalten sie sich häufig wie Roaming: Der Datenverkehr läuft über ein Netz außerhalb des Festlands, etwa in Hongkong oder Singapur. Nicht jeder Tarif funktioniert so, und die Angaben in der Werbung sind nicht immer eindeutig. Wer auf bestimmte Dienste angewiesen ist, liest die Tarifbeschreibung genau und achtet auf Formulierungen zum Routing oder zu den Netzpartnern.
Einige praktische Punkte machen den Unterschied zwischen einer reibungslosen und einer ärgerlichen Ankunft. Das Profil am besten zu Hause über WLAN installieren, denn nach der Landung fehlt genau die Verbindung, die man zum Herunterladen bräuchte. Danach die eSIM in den Einstellungen als Standard für mobile Daten festlegen und Datenroaming für diese Leitung erlauben, sonst bleibt sie stumm. Die deutsche SIM gleichzeitig auf „keine mobilen Daten” stellen, damit nicht versehentlich teures Roaming anfällt.
Die Laufzeit beginnt bei vielen Tarifen erst mit dem ersten Einbuchen im Zielland. Das ist praktisch, wer aber eine Umsteigeverbindung über ein anderes Land hat, sollte prüfen, ob der Tarif nur China abdeckt oder auch das Transitland. Und ein Tarif für China umfasst nicht automatisch Hongkong und Macau, die mobilfunktechnisch eigene Märkte sind.
Welche Handys eSIM unterstützen
Ob ein Telefon eine eSIM aufnehmen kann, hängt vom Modell ab. Apple hat eSIM mit der iPhone-Generation XS und XR eingeführt, alle neueren iPhones unterstützen sie. Bei Android-Geräten ist das Bild gemischter: Die Pixel-Reihe von Google und die Galaxy-S- und Z-Serien von Samsung können es seit mehreren Generationen, bei günstigeren Modellen fehlt die Funktion oft. Auch Geräte, die für bestimmte Märkte gebaut wurden, verhalten sich unterschiedlich. Ausgerechnet viele in China verkaufte Telefone haben keine eSIM-Funktion, sondern zwei physische Kartenschächte.
Der schnellste Test ist ein Blick in die Einstellungen. Unter Mobilfunk oder Verbindungen findet sich bei eSIM-fähigen Geräten ein Eintrag zum Hinzufügen eines Mobilfunktarifs oder einer eSIM. Fehlt er, kann das Gerät es nicht. Eine zweite Voraussetzung ist, dass das Telefon keine Netzsperre hat. Bei Geräten, die über einen Vertrag mit Subvention gekauft wurden, ist das in Deutschland heute selten, kommt aber vor.
Chinesische SIM-Karte vor Ort
Die dritte Möglichkeit ist eine SIM-Karte eines chinesischen Betreibers. Sie gibt es in den Shops von China Mobile, China Unicom und China Telecom, an großen Flughäfen oft direkt in der Ankunftshalle. Für den Kauf gilt die Klarnamenpflicht: Der Reisepass wird gescannt, das Gesicht per Kamera abgeglichen, der Anschluss auf den eigenen Namen registriert. Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen darauf hin, dass für Mobilfunkverträge Ausweis und Gesichtserkennung verlangt werden und mit einer umfangreichen Datenerfassung zu rechnen ist.
Der Vorteil einer lokalen Karte ist eine chinesische Telefonnummer. Manche Mini-Programme, Buchungsportale oder Lieferdienste setzen eine solche Nummer voraus, und auch Rückrufe vom Hotel oder vom Fahrer klappen damit einfacher. Datenvolumen ist in lokalen Tarifen meist reichlich enthalten.
Der Nachteil: Der Datenverkehr läuft vollständig über das chinesische Netz und damit durch die staatliche Filterung. Google-Dienste, WhatsApp, viele westliche Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke sind darüber nicht erreichbar. Wer auf diese Dienste verzichten kann oder beruflich länger bleibt, kommt mit einer lokalen Karte gut zurecht. Für eine zweiwöchige Rundreise ist der Aufwand im Shop meist größer als der Nutzen.
Welche Lösung für welche Reise?
Für eine Kurzreise von einer Woche ist Roaming mit einem passenden Paket bequem und oft ausreichend. Für zwei bis drei Wochen Rundreise mit viel Navigation und Fotos ist eine Reise-eSIM in den meisten Fällen die ausgewogene Wahl, vorausgesetzt, das Telefon unterstützt sie. Die chinesische SIM lohnt sich bei längeren Aufenthalten, Studium, Arbeit oder wenn eine chinesische Nummer für bestimmte Dienste zwingend gebraucht wird.
Eine Kombination ist häufig am klügsten. Die deutsche SIM bleibt aktiv für SMS, damit Bestätigungscodes der Bank und der Bezahl-Apps ankommen, die eSIM liefert die Daten. Wer Alipay einrichtet, braucht genau diese SMS, wie im Beitrag Alipay als Tourist einrichten beschrieben.
Wie viel Datenvolumen man braucht
Die Frage nach dem Volumen lässt sich nur grob beantworten, weil sie vom Verhalten abhängt. Karten-Apps, Bezahl-Apps und Messenger verbrauchen im Alltag wenig. Ein Tag mit Navigation durch Chengdu, zwei Dutzend Zahlungen und einigen Chat-Nachrichten kommt mit einem kleinen Teil eines Gigabytes aus. Viel mehr verbrauchen Videotelefonate nach Hause, das automatische Sichern von Fotos in einen Cloud-Dienst und Streaming. Wer die Foto-Sicherung auf WLAN beschränkt, spart den größten Posten.
Hilfreich ist ein Blick in die Datenstatistik des Telefons nach den ersten zwei Tagen. Die meisten Geräte zeigen pro App an, was verbraucht wurde. Daraus lässt sich hochrechnen, ob das gekaufte Paket reicht oder ob eine Aufladung nötig wird. Die meisten Reise-eSIM-Anbieter erlauben das Nachkaufen in ihrer App, was voraussetzt, dass noch ein Rest Datenvolumen oder WLAN vorhanden ist. Also lieber einen Tag zu früh nachladen als in einem Bahnhof ohne Verbindung festzustecken.
Sonderfall Hongkong und Macau
Wer die Reise mit Hongkong beginnt oder beendet, muss beim Datentarif genau hinschauen. Hongkong und Macau haben eigene Mobilfunkmärkte mit eigenen Betreibern, und auch das Internet ist dort nicht dem Filter des Festlands unterworfen. Ein China-Tarif schließt die beiden Sonderverwaltungszonen nicht immer ein, umgekehrt gilt ein Hongkong-Tarif nicht auf dem Festland. Manche Anbieter verkaufen Pakete für die ganze Region, die alle drei Gebiete abdecken. Mehr zur Stadt selbst steht auf der Seite Hongkong und Macau.
Eine kleine Beobachtung am Rand: Wer mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Hongkong-Westkowloon nach Shenzhen oder Guangzhou fährt, erlebt den Netzwechsel mitten in der Fahrt. Das Telefon verliert kurz die Verbindung und bucht sich im Festlandnetz neu ein. Mit einer regionalen eSIM geschieht das automatisch, mit zwei getrennten Tarifen muss man manchmal manuell umschalten.
WLAN in Hotels und Cafés
Viele Hotels in China bieten kostenloses WLAN, oft auch in einfacheren Häusern. Es läuft über chinesische Anbieter und damit durch dieselben Filter wie eine lokale SIM. In internationalen Hotelketten ist die Lage nicht grundsätzlich anders. Öffentliche Netze in Cafés, Bahnhöfen und Einkaufszentren verlangen häufig eine chinesische Telefonnummer, an die ein Code geschickt wird. Mit einer deutschen Nummer klappt das nur manchmal.
Für die Sicherheit gilt, was auch zu Hause gilt: in offenen Netzen keine sensiblen Vorgänge ohne Verschlüsselung. Das Auswärtige Amt weist zusätzlich darauf hin, dass in China mit einer Überwachung von Onlineaktivitäten zu rechnen ist. Geschäftsreisende nehmen deshalb oft ein separates Reisegerät mit wenig gespeicherten Daten mit.
Strom und Akku
Wer den ganzen Tag mit Karten-App und Übersetzer unterwegs ist, leert den Akku schneller als zu Hause. Eine Powerbank gehört ins Handgepäck, nicht in den aufgegebenen Koffer, das schreiben die Sicherheitsregeln chinesischer Flughäfen vor. Für Inlandsflüge gelten zusätzlich Vorgaben zur Kennzeichnung und Kapazität, die sich ändern können, deshalb vor dem Flug die aktuellen Regeln der Fluggesellschaft prüfen. In Zügen der Hochgeschwindigkeitsbahn gibt es an vielen Plätzen Steckdosen. Welche Stecker in China passen und ob ein Adapter nötig ist, steht auf der Seite zu Strom und Zeitverschiebung.
Bei der Rückkehr lohnt ein letzter Blick in die Einstellungen. Die Reise-eSIM kann gelöscht werden, sobald der Tarif abgelaufen ist, das deutsche Datenroaming lässt sich wieder auf den Normalzustand setzen. Wer das vergisst, wundert sich bei der nächsten Reise über zwei Leitungen, von denen eine längst tot ist. Wie Bezahl-Apps und Bargeld zusammenspielen, erklärt die Seite Bezahlen in China. Einen Überblick über Datenzugang, VPN-Frage und die wichtigsten Apps für China bündelt die Seite Internet und Apps in China.
FAQHäufige Fragen
Funktioniert eine deutsche SIM-Karte in China?
Ja, sofern der Vertrag Roaming außerhalb der EU erlaubt. China gehört nicht zur EU-Roamingregelung, deshalb gelten die Auslandstarife des Anbieters. Vor der Abreise in den Vertragsdetails oder der App des Anbieters nachsehen, welche Pakete für China angeboten werden.
Kann man eine eSIM für China schon in Deutschland kaufen?
Ja. Reise-eSIMs werden online gekauft und per QR-Code installiert, am besten zu Hause über WLAN. Aktiviert wird der Datentarif meist erst, wenn sich das Telefon in China ins Netz einbucht.
Braucht man für eine chinesische SIM-Karte einen Reisepass?
Ja. In China gilt die Klarnamenpflicht für Mobilfunkanschlüsse. Beim Kauf im Shop eines Netzbetreibers werden Pass und Gesicht erfasst. Die Karte läuft danach auf den eigenen Namen.
Welche Handys unterstützen eSIM?
Die meisten iPhones seit der XS- und XR-Generation, viele Modelle von Google Pixel und Samsung Galaxy der letzten Jahre sowie weitere Oberklassegeräte. Entscheidend ist das konkrete Modell und ob das Gerät ohne Netzsperre gekauft wurde. In den Einstellungen unter Mobilfunk zeigt sich, ob eine eSIM hinzugefügt werden kann.
Laufen WhatsApp und Google über eine Reise-eSIM?
Das hängt davon ab, wie der Anbieter den Datenverkehr leitet. Viele Reise-eSIMs arbeiten technisch wie Roaming und leiten die Daten über ein Netz außerhalb Chinas. Verlässliche Angaben dazu stehen in den Bedingungen des jeweiligen Tarifs, mehr dazu im Beitrag VPN in China.
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