Die grün-weißen Fähren der Star Ferry pendeln seit 1888 zwischen Tsim Sha Tsui auf der Halbinsel Kowloon und Central auf der Insel Hongkong. Die Überfahrt dauert kaum zehn Minuten. Man sitzt auf Holzbänken, deren Lehnen sich umklappen lassen, damit man immer in Fahrtrichtung schaut, und vor einem steigt die Skyline der Insel die Berghänge hinauf. Ein Matrose wirft beim Anlegen das Tau mit einem Haken über den Poller, wie seit über hundert Jahren. Kaum ein Verkehrsmittel der Welt bietet für so wenig Aufwand einen solchen Blick.
Hongkong war von 1842 an schrittweise britische Kolonie und ist seit dem 1. Juli 1997 eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Macau, sechzig Kilometer westlich am anderen Ufer der Perlflussmündung, wurde von Portugal verwaltet und am 20. Dezember 1999 übergeben. Beide Städte haben unter dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ eigene Regierungen, Währungen, Rechtssysteme und Einreisebestimmungen. Für Reisende fühlen sie sich an wie eigene Länder, auch wenn sie es nicht sind.
Vor der Reise: Einreise, Geld, Strom
Hongkong und Macau haben ihre eigenen Einreisebestimmungen, getrennt von denen des chinesischen Festlands. Wer Hongkong als Ausgangs- oder Endpunkt einer China-Reise nutzt, überquert also auf dem Weg nach Shenzhen oder Guangzhou eine echte Grenze mit Pass- und Zollkontrolle und reist formal nach China ein. Die Voraussetzungen dafür beschreibt die Seite zum China-Visum. Die Bedingungen für Hongkong und Macau selbst prüft man vor der Reise bei den offiziellen Stellen der beiden Verwaltungen oder beim Auswärtigen Amt.
In Hongkong zahlt man mit dem Hongkong-Dollar, in Macau mit der Pataca, wobei der Hongkong-Dollar in Macau fast überall akzeptiert wird. Kreditkarten sind in Hongkong verbreiteter als auf dem Festland, im Alltag nutzen die Menschen aber die Octopus-Karte, eine aufladbare Karte für U-Bahn, Busse, Fähren und kleine Einkäufe, die es seit 1997 gibt. Für das Festland gelten andere Gewohnheiten; wie man dort zahlt, beschreibt die Seite zur Währung in China.
Die Steckdosen folgen in Hongkong und Macau dem britischen Vorbild, mit drei eckigen Stiften. Sie passen weder zum deutschen Stecker noch zu den Steckdosen auf dem Festland, also braucht man einen weiteren Adapter. Englisch ist in Hongkong Amtssprache neben Chinesisch, gesprochen wird im Alltag Kantonesisch. In Macau sind Chinesisch und Portugiesisch Amtssprachen.
Beide Städte fahren links, ein Erbe der britischen und portugiesischen Verwaltung, und Fußgänger sollten beim Überqueren der Straße zuerst nach rechts schauen. Auf dem Boden an Kreuzungen steht es in Hongkong zur Erinnerung aufgemalt.
Ankommen
Der Flughafen Chek Lap Kok liegt auf einer künstlichen Insel neben Lantau und wurde 1998 eröffnet. Der Airport Express bringt Reisende in gut zwanzig Minuten nach Central. Vom Festland kommt man mit dem Schnellzug, der im Bahnhof West Kowloon endet; die Grenzkontrollen für beide Seiten finden dort im Bahnhof statt. Ältere Grenzübergänge nach Shenzhen, etwa Lo Wu, erreicht man mit der U-Bahn-Linie East Rail. Wer von Hongkong aus Golf spielen möchte, findet die Anlagen jenseits der Grenze auf der Seite zum Golf in Mission Hills von Hongkong aus.
Hongkong Island: Central, die Peak und die Straßenbahn
Central ist das Finanzviertel mit den bekanntesten Hochhäusern der Stadt: dem Bank of China Tower von I. M. Pei mit seinen gläsernen Dreiecken und dem Gebäude der HSBC von Norman Foster, das auf Stelzen steht und unter dem man hindurchgehen kann. Zwischen den Türmen verbinden Fußgängerbrücken die Einkaufszentren, sodass man weite Strecken zurücklegen kann, ohne die Straße zu betreten.
Vom Rand von Central führt eine Kette überdachter Rolltreppen den Hang hinauf in die Mid-Levels, vorbei an Bars, Restaurants und Wohnhäusern. Westlich davon, in Sheung Wan, riecht es nach getrockneten Meeresfrüchten, Kräutern und Weihrauch. An der Hollywood Road liegen Antiquitätenläden und der Man-Mo-Tempel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, in dem große Räucherspiralen von der Decke hängen.
Die Peak, der Victoria Peak, ist der Hausberg der Insel. Die Peak Tram, eine Standseilbahn, fährt seit 1888 so steil den Hang hinauf, dass die Hochhäuser draußen schief zu stehen scheinen. Oben ist der Blick auf Victoria Harbour und Kowloon atemberaubend, bei Dunst allerdings auch grau. Wer Zeit hat, geht den Rundweg um den Gipfel, der ruhiger ist als die Aussichtsplattform, und läuft zu Fuß durch den Wald zurück nach unten.
Die doppelstöckigen Straßenbahnen, die seit 1904 an der Nordküste der Insel entlangfahren, sind das langsamste und günstigste Verkehrsmittel der Stadt. Man sitzt oben vorne und sieht Wan Chai, Causeway Bay und die Märkte vorbeiziehen. In Happy Valley liegt die Pferderennbahn mitten zwischen Hochhäusern.
Kowloon: Promenade, Märkte und Tempel
Die Uferpromenade von Tsim Sha Tsui bietet den klassischen Blick auf die Skyline der Insel, am Abend mit einer Lichtshow an den Fassaden. Am Ufer stehen der Uhrturm des alten Bahnhofs, das Kulturzentrum und das Kunstmuseum. Weiter westlich, im neuen Kulturviertel West Kowloon, liegen das Museum für visuelle Kultur M+ und das Hong Kong Palace Museum mit Leihgaben aus dem Kaiserpalast in Peking.
Nach Norden folgen Yau Ma Tei und Mong Kok, die dichtesten Viertel der Stadt. Der Nachtmarkt in der Temple Street, der Jademarkt, der Ladies’ Market mit Kleidung und Souvenirs, der Goldfischmarkt mit Fischen in Plastikbeuteln an den Schaufenstern, der Blumenmarkt und der Vogelgarten, in dem ältere Herren ihre Singvögel in Käfigen spazieren führen, liegen dicht beieinander. Handeln ist auf den Märkten üblich, in Geschäften nicht.
Der Wong-Tai-Sin-Tempel im Nordosten von Kowloon ist einer der meistbesuchten Tempel der Stadt, ein daoistischer Tempel, in dem Gläubige Wahrsagestäbchen schütteln, bis eines herausfällt, und die Deutung in den Wahrsagebuden daneben erfragen. Das nahe Chi-Lin-Nonnenkloster, ganz aus Holz ohne Nägel gebaut, und der Nan-Lian-Garten gegenüber sind ruhige Gegenpole.
Ein Ort, der nicht mehr existiert, zieht trotzdem Besucher an. Im Stadtteil Kowloon City stand bis in die 1990er Jahre die Kowloon Walled City, eine ehemalige chinesische Garnison, die bei der Verpachtung der New Territories außerhalb der britischen Verwaltung geblieben war. Über Jahrzehnte wuchs dort ein fast rechtsfreier Block aus ineinander gebauten Hochhäusern, in dem auf engstem Raum Zehntausende Menschen lebten, arbeiteten und Zahnarztpraxen ohne Lizenz betrieben. Nach dem Abriss entstand an derselben Stelle ein Park im Stil eines südchinesischen Gartens, in dem Reste des alten Yamen und Fundamente des Tores erhalten sind. Von der legendären Dichte ist nur ein Modell geblieben.
Die grüne Seite: Berge, Inseln, Dörfer
Was viele Besucher nicht erwarten: Rund 40 Prozent der Fläche Hongkongs sind als Landschaftsparks geschützt. Hinter den Hochhäusern beginnen steile, bewaldete Berge mit markierten Wanderwegen. Der Dragon’s Back im Südosten der Insel ist eine kurze, aussichtsreiche Kammwanderung, die an einem Strand endet. In den New Territories führt der MacLehose Trail über 100 Kilometer durch die Berge, in Etappen, die man einzeln gehen kann. Sai Kung im Osten ist ein Fischerort mit Restaurants am Wasser und Booten zu abgelegenen Stränden.
Auf Lantau sitzt beim Kloster Po Lin der Große Buddha von Tian Tan, eine Bronzefigur, die 1993 fertiggestellt wurde. Eine Seilbahn führt vom Ort Tung Chung aus dorthin. Im Fischerdorf Tai O an der Westküste stehen noch Häuser auf Stelzen über dem Wasser. Die Inseln Lamma und Cheung Chau erreicht man mit der Fähre ab Central; beide sind autofrei und ruhig.
In den New Territories erinnern ummauerte Dörfer und Ahnenhallen an die Zeit vor der Kolonialverwaltung. Der Ping-Shan-Kulturpfad verbindet einige von ihnen auf einer kurzen Wanderung.
Essen in Hongkong
Hongkong ist eine der besten Essensstädte der Welt, und das Spektrum reicht von Sterneküche bis zur Garküche. Yum Cha, das Frühstück oder Mittagessen mit Tee und Dim Sum in kleinen Bambuskörben, ist das kantonesische Ritual schlechthin. Man bestellt Har Gao mit Garnelen, Siu Mai mit Schweinefleisch, Char Siu Bao mit süßem Grillfleisch und trinkt dazu Tee, den der Kellner nachgießt, wenn man den Deckel der Kanne schräg auflegt. Die Cha Chaan Tengs, kleine Cafés mit Hongkonger Küche, servieren Milchtee, Toast mit Kondensmilch, Nudelsuppen und Gerichte, die chinesische und britische Einflüsse verbinden. Eine Übersicht über die Küchen des Landes gibt die Seite zum chinesischen Essen.
Unterwegs: MTR, Busse, Fähren
Die U-Bahn MTR ist schnell, sauber und verbindet fast alle Stadtteile, dazu kommen Busse, Minibusse, die Straßenbahn und die Fähren zu den Inseln. Mit der Octopus-Karte kann man alle Verkehrsmittel nutzen. Taxis sind nach Gebieten farblich gekennzeichnet, rot für die Stadt, grün für die New Territories, blau für Lantau.
Im Sommer und Frühherbst drohen Taifune. Die Wetterbehörde gibt dann Signale in Stufen heraus; bei hohen Stufen schließen Geschäfte und Büros, die Fähren stellen den Betrieb ein, und man bleibt im Hotel. In manchen Jahren kommt das mehrmals vor, meist dauert es einen Tag oder kürzer.
Macau: die historische Altstadt
Macau war der älteste europäische Stützpunkt in Ostasien; portugiesische Händler ließen sich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts dort nieder. Die historische Altstadt gehört seit 2005 zum Weltkulturerbe, als Beispiel für die Begegnung chinesischer und europäischer Kultur über mehr als vier Jahrhunderte.
Das bekannteste Bild ist die Fassade der Pauluskirche, die als einziges Stück einer Jesuitenkirche übrig blieb, nachdem diese 1835 abgebrannt war. Sie steht oben auf einer breiten Treppe, und hinter ihr ist nichts. Unterhalb liegt der Senatsplatz mit seinem wellenförmigen Pflaster aus schwarzen und weißen Steinen, umgeben von Kolonialbauten in Pastellfarben. Auf einem Hügel steht die Festung Guia mit einem Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert, auf der anderen Seite der Halbinsel der A-Ma-Tempel, der älter ist als die portugiesische Stadt und dem Ort seinen Namen gab. Den Norden der Halbinsel mit seinen Wohnvierteln und kleineren Tempeln beschreibt die Seite zum Norden von Macau.
Die Küche Macaus mischt portugiesische, chinesische und afrikanische, indische und malaiische Einflüsse aus den Handelsrouten der Portugiesen. Minchi, ein Hackfleischgericht mit Kartoffeln, und das Afrikanische Hähnchen sind Klassiker. Die Eiertörtchen mit karamellisierter Oberfläche gibt es an jeder Ecke.
Macau ist außerdem der einzige Ort in China, an dem Kasinos legal betrieben werden dürfen. Auf dem aufgeschütteten Land zwischen den Inseln Taipa und Coloane, dem Cotai Strip, stehen die großen Hotel- und Kasinoresorts. Wer davon nichts wissen will, findet in den alten Dörfern von Taipa und Coloane stille Gassen, Kapellen und Cafés.
Hongkong und Macau in einer Route
Die beiden Städte passen gut an den Anfang oder das Ende einer China-Reise. Wer nach Guilin, Guangzhou oder Xiamen weiterfährt, nimmt den Schnellzug ab West Kowloon. Wer aus dem Norden kommt, fliegt nach Hongkong und reist von dort nach Hause. Zwei Nächte in Macau, am besten in der Altstadt oder in Taipa, zeigen die Stadt am Abend, wenn die Tagesausflügler wieder auf der Fähre sind und der Senatsplatz im Licht der Laternen fast leer liegt.
Wer mit der Fähre nach Macau fährt, sollte die Rückfahrt nicht zu knapp planen. Die Passkontrolle an beiden Terminals kann länger dauern als die Überfahrt selbst.
FAQHäufige Fragen
Gelten für Hongkong dieselben Einreiseregeln wie für China?
Nein. Hongkong und Macau haben eigene Einreisebestimmungen, getrennt von denen des chinesischen Festlands. Wer von dort weiter nach Shenzhen oder Guangzhou reist, reist formal nach China ein und braucht die Voraussetzungen für das Festland. Den aktuellen Stand für das Festland beschreibt die Seite zum China-Visum.
Wie viele Tage braucht man für Hongkong?
Drei bis vier Tage für die Stadt: Central und die Peak, Kowloon mit den Märkten, einen Tag auf Lantau oder einer der äußeren Inseln, dazu eine Wanderung in den Bergen. Macau lässt sich als Tagesausflug machen, verdient aber eine Übernachtung.
Welches Geld braucht man in Hongkong und Macau?
In Hongkong den Hongkong-Dollar, in Macau die Pataca. Der Hongkong-Dollar wird in Macau fast überall angenommen, umgekehrt nicht. Karten und die Octopus-Karte für Verkehr und kleine Einkäufe sind in Hongkong verbreitet.
Wie kommt man von Hongkong nach Macau?
Mit der Schnellfähre ab Sheung Wan oder Kowloon oder mit dem Bus über die Brücke zwischen Hongkong, Zhuhai und Macau, die 2018 eröffnet wurde. Beide Wege dauern etwa eine Stunde, dazu kommen die Grenzkontrollen auf beiden Seiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Hongkong?
Von Oktober bis Dezember ist es trocken, klar und angenehm warm. Der Frühling ist feucht und oft neblig, der Sommer heiß, schwül und regenreich. Von etwa Juni bis Oktober ist Taifunsaison; bei hohen Warnstufen stehen Fähren und Teile des Verkehrs still.
Passt der deutsche Stecker in Hongkong?
Nein. Hongkong und Macau nutzen überwiegend dreipolige Steckdosen nach britischem Vorbild, die sich von denen auf dem Festland unterscheiden. Ein Adapter für den britischen Typ gehört ins Gepäck, zusätzlich zu dem für das Festland, das auf der Seite zu Strom und Steckdosen beschrieben ist.
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