Die Pension in einem Dorf bei Yangshuo schickt die Wegbeschreibung nicht per E-Mail, sondern als Standort in einem WeChat-Chat, gefolgt von einer Sprachnachricht auf Chinesisch und einem QR-Code für die Anzahlung. Für die Gastgeberin ist das selbstverständlich, für Reisende aus Deutschland oft die erste Begegnung mit einer App, die in China fast alles zusammenführt. WeChat, auf Chinesisch Weixin, ist seit 2011 auf dem Markt und gehört dem Konzern Tencent aus Shenzhen. Die Bezahlfunktion kam 2013 dazu und ist heute neben Alipay das zweite große System für mobiles Bezahlen.
Für Touristen ist die gute Nachricht: Seit die Betreiber die Bindung ausländischer Karten ermöglicht haben, braucht es weder ein chinesisches Bankkonto noch eine chinesische Telefonnummer. Die schlechte: Der Weg dorthin hat mehr Stolpersteine als bei Alipay, vor allem bei der Registrierung.
Das Konto anlegen
Zuerst WeChat aus dem App Store oder von Google Play laden. Die App heißt dort WeChat, Herausgeber ist Tencent. Beim Anlegen des Kontos fragt WeChat nach Name, Land und Mobilnummer. Deutschland als Region wählen und die Nummer ohne führende Null eingeben. Per SMS kommt ein Bestätigungscode.
An dieser Stelle trennt sich der Weg. Bei einem Teil der Neuanmeldungen genügt der Code, und das Konto ist fertig. Bei anderen verlangt WeChat eine zusätzliche Prüfung: Ein bereits bestehender Nutzer, dessen Konto seit einiger Zeit aktiv ist, soll einen QR-Code scannen und damit bestätigen, dass hinter der neuen Nummer ein echter Mensch steht. Für Reisende ohne Bekannte in China ist das die größte Hürde. Manche lösen sie über Freunde oder Kollegen in Deutschland, die WeChat bereits nutzen. Wer niemanden kennt, kann die Registrierung nach einer Wartezeit erneut versuchen oder den Kundendienst in der App kontaktieren.
Warum WeChat so vorgeht, ist leicht nachzuvollziehen: Der Messenger wird für Betrug und Spam ebenso gern genutzt wie überall, und die Klarnamenpflicht in China verlangt, dass Konten einer realen Person zugeordnet sind. Für den Urlauber ist es trotzdem lästig. Deshalb die Registrierung spätestens eine Woche vor der Abreise angehen.
Wallet aktivieren und Identität bestätigen
Im Profilbereich, auf der englischen Oberfläche Me genannt, findet sich der Eintrag für Services oder Pay. Beim ersten Öffnen bietet WeChat an, eine Bankkarte hinzuzufügen. Die Reihenfolge der Schritte kann sich mit jeder App-Version ändern, der Inhalt bleibt gleich: Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfziffer eingeben, dann die persönlichen Angaben.
Für die Identitätsprüfung verlangt WeChat den Pass. Die App fragt nach Name, Passnummer, Nationalität, Geburtsdatum und Gültigkeit, teils auch nach einem Foto der Datenseite. Der Name muss exakt der Schreibweise im Pass entsprechen, also in Großbuchstaben und mit ersetzten Umlauten. Wer als JÜRGEN SCHÄFER eingetragen ist, schreibt JUERGEN SCHAEFER, so wie es in der maschinenlesbaren Zeile unten auf der Datenseite steht.
Wer einen zweiten Vornamen im Pass stehen hat, trägt ihn ebenfalls ein, auch wenn er im Alltag nie benutzt wird, denn das System vergleicht die Angaben Zeichen für Zeichen.
Danach legt man eine sechsstellige Zahlungs-PIN fest. Sie ist unabhängig vom Anmeldekennwort und wird bei Zahlungen verlangt, sofern man nicht auf Fingerabdruck oder Gesichtserkennung umstellt.
Welche Karten WeChat Pay akzeptiert
Die Stadtregierung von Peking nennt in ihren Informationen für ausländische Besucher die Kartenmarken, die WeChat Pay unterstützt: Visa, Mastercard, American Express, Discover, JCB, Diners Club und UnionPay. In der Praxis sind Kreditkarten von Visa und Mastercard am unkompliziertesten. Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Logo funktionieren oft, sind aber nicht garantiert. Eine reine girocard ohne internationales Logo scheidet aus.
Scheitert die Bindung, liegt es meist nicht an WeChat, sondern an der Betrugserkennung der deutschen Bank. Eine erste Zahlung eines chinesischen Anbieters wirkt für deren Systeme ungewöhnlich. Vor der Reise in der Banking-App prüfen, ob Zahlungen im Ausland erlaubt sind, und bei Bedarf die Karte für China freischalten lassen. Einige Banken schicken nach einem blockierten Versuch eine Push-Nachricht, die man bestätigen kann. Danach klappt der zweite Versuch häufig.
Gebühren beim Bezahlen
WeChat Pay berechnet bei Zahlungen mit ausländischen Karten ab einem bestimmten Betrag eine Gebühr, kleine Beträge bleiben frei. Für neue Nutzer gab es zudem eine befristete Befreiung. Die Werte haben sich in der Vergangenheit mehrfach geändert und stehen deshalb im Kasten, der regelmäßig geprüft wird.
Die eigene Bank kann zusätzlich ein Auslandseinsatzentgelt verlangen. Wer mit einer Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr reist, zahlt beim Alltagskonsum in China im Ergebnis sehr wenig drauf. Für größere Beträge, etwa ein Hotel oder einen teuren Einkauf, ist es oft günstiger, die Kreditkarte direkt an der Kasse einzusetzen, sofern der Händler sie akzeptiert. Welche Kosten wo anfallen und wie viel Bargeld sinnvoll ist, erklärt die Seite zur Währung Renminbi.
Bezahlen im Alltag
Die Bedienung ähnelt der von Alipay. Oben rechts im Chat-Bildschirm führt das Plus-Symbol zum Scanner. Damit liest man den QR-Code eines Händlers ein, tippt den Betrag ein und bestätigt. Im Bereich Pay oder Services lässt sich außerdem der eigene Zahlungscode anzeigen, den die Kasse scannt. Wer den Code zeigt, sollte das Display nicht fotografieren lassen und den Bildschirm nach der Zahlung schließen.
WeChat Pay ist in manchen Situationen verbreiteter als Alipay: in kleinen Familienrestaurants, bei Taxifahrern in Mittelstädten, bei Händlern auf Nachtmärkten, bei Hostels und Pensionen, die über WeChat kommunizieren. Umgekehrt nehmen viele größere Geschäfte beide an. Mit beiden Apps auf dem Telefon ist man für fast jede Kasse gerüstet, eine Einrichtungsanleitung für die zweite steht im Beitrag über Alipay als Tourist.
Ein Punkt, der Reisende gelegentlich überrascht: Das Senden von Geld an Kontakte, im Chat als roter Umschlag oder Transfer bekannt, funktioniert mit einer ausländischen Karte als Quelle in der Regel nicht. Wer einer Gastgeberin etwas schicken möchte, bezahlt über ihren Händler-QR-Code oder in bar. Beim Thema kleine Aufmerksamkeiten hilft der Artikel über Trinkgeld in China.
Der rote Umschlag: eine kleine Abschweifung
Die Transferfunktion im Chat heißt auf Chinesisch Hongbao, roter Umschlag, und sie greift einen Brauch auf, der viel älter ist als jedes Smartphone. Zum Frühlingsfest, zu Hochzeiten oder zum Geburtstag stecken Eltern, Großeltern und Chefs Geldscheine in rote Papierumschläge und überreichen sie mit beiden Händen. Rot steht für Glück, gerade Beträge gelten als freundlicher als ungerade, und die Vier wird wegen ihres Gleichklangs mit dem Wort für Tod gemieden. Als WeChat zum Frühlingsfest 2014 digitale rote Umschläge einführte, verschickten Nutzer sie millionenfach in Gruppenchats, oft als kleines Spiel: Wer schnell tippt, bekommt einen zufälligen Anteil.
Für Reisende hat das eine praktische Seite. Wer rund um das chinesische Neujahr in einem Gruppenchat mit Gastgebern oder Mitreisenden ist, wird solche Umschläge sehen. Ob sich ein solcher Umschlag mit einem Touristenkonto öffnen und das Guthaben später ausgeben lässt, hängt von der Verifizierung und der App-Version ab. Selbst verschicken klappt mit ausländischer Karte meist nicht. Ein freundliches Dankeschön im Chat genügt, niemand erwartet von einem Gast eine Gegengabe in Yuan.
WeChat als Messenger unterwegs
Neben dem Bezahlen hat WeChat für Reisende einen zweiten, oft unterschätzten Nutzen. Hotels, Pensionen und kleine Restaurants geben häufig keine E-Mail-Adresse heraus, sondern einen QR-Code zum Hinzufügen als Kontakt. Über den Chat lassen sich Ankunftszeiten abstimmen, Fotos vom Eingang schicken oder der eigene Standort teilen, wenn der Taxifahrer die Adresse nicht findet. Die eingebaute Übersetzung zeigt chinesische Nachrichten auf Wunsch in einer anderen Sprache an. Sie ist nicht perfekt, reicht für „Das Zimmer ist ab 14 Uhr bereit” aber aus.
Wer das Telefon einem Fahrer oder Rezeptionisten zeigt, um eine Adresse vorzulesen, tut gut daran, die Adresse vorher als chinesischen Text in einem Chat mit sich selbst zu speichern. Die Funktion „Dateiübertragung” oder ein Notizchat eignet sich dafür. So hat man Hoteladresse und Rückweg auch dann parat, wenn die Karten-App gerade lädt.
Mini-Programme in WeChat
Wie Alipay beherbergt WeChat eine eigene Welt aus Mini-Programmen. Museen und Sehenswürdigkeiten vergeben darüber Zeitfenster für den Einlass, Restaurants zeigen ihre Speisekarte zum Bestellen am Tisch, und Fahrdienste sind ebenfalls eingebunden. Der Kaiserpalast in Peking etwa verlangt eine vorherige Reservierung, die über offizielle Kanäle und Mini-Programme läuft. Viele dieser Programme sind nur auf Chinesisch verfügbar. Eine Übersetzungsfunktion, die in WeChat für Texte in Chats angeboten wird, hilft beim Lesen von Nachrichten, nicht immer bei den Menüs der Mini-Programme.
Restaurants mit QR-Code am Tisch sind ein eigenes Kapitel. Der Code führt zu einem Bestellformular, das oft ein WeChat-Konto voraussetzt. Nach dem Absenden der Bestellung kommt das Essen, bezahlt wird gleich im Programm oder am Ende an der Kasse. Wer sich damit nicht zurechtfindet, winkt einfach die Bedienung heran. Eine Speisekarte auf Papier gibt es fast immer noch irgendwo hinter dem Tresen.
Sicherheit und Datenschutz
WeChat ist ein chinesisches Produkt und unterliegt chinesischem Recht. Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen allgemein darauf hin, dass Onlineaktivitäten in China nachverfolgt und Daten auf Geräten eingesehen werden können. Für Chats bedeutet das: Vertrauliches gehört nicht in WeChat. Für das Bezahlen bedeutet es: Die Karte ist über das Verfahren der Bank geschützt, Zahlungsdaten liegen aber beim Anbieter.
Manche Reisende nutzen deshalb ein separates Telefon für die China-Reise oder richten WeChat erst kurz vor dem Abflug ein und löschen die Karte nach der Rückkehr. Das ist ein vernünftiger Kompromiss. Wer beruflich reist, sollte die Vorgaben des Arbeitgebers zu Geräten und Apps kennen, bevor er sie installiert. Allgemeine Hinweise zu Internet, VPN und Datenzugang bündelt die Seite Internet und Apps in China.
Wenn etwas nicht klappt
Vor dem Abflug lohnt eine kleine Vorbereitung auf der Seite der Bank. Die Banking-App sollte Push-Nachrichten schicken dürfen, damit eine blockierte Zahlung sofort auffällt und freigegeben werden kann. Die Notrufnummer zum Sperren der Karte gehört in das Adressbuch des Telefons und auf einen Zettel im Gepäck, denn wer das Handy verliert, verliert zugleich Banking-App und Bezahl-App. Und wer zwei Karten besitzt, hinterlegt beide, aber nutzt die zweite erst, wenn die erste streikt.
Wird die Registrierung blockiert, hilft oft ein Tag Geduld und ein neuer Versuch über WLAN statt Mobilnetz. Wird die Karte abgelehnt, die Bank anrufen. Wird das Konto nach der Einreise plötzlich zur Verifizierung aufgefordert, liegt das häufig am Wechsel des Standorts und des Netzes, eine erneute Bestätigung per SMS löst es meist.
Und wenn gar nichts geht, bleibt die Übersicht auf der Seite Bezahlen in China, die Bargeld und Kreditkarte als Rückfallebene erklärt. Einen Nudelteller in Chengdu bezahlt man auch mit einem Geldschein. Nur sollte es kein Hunderter sein, denn an kleinen Ständen liegt am Morgen oft kaum Wechselgeld in der Kasse.
FAQHäufige Fragen
Kann man WeChat Pay ohne chinesisches Bankkonto nutzen?
Ja. Ausländische Kredit- und Debitkarten der großen Netze lassen sich direkt im Wallet hinterlegen. Ein chinesisches Konto ist nur für Funktionen wie Überweisungen an Privatpersonen oder das Empfangen von Geld nötig.
Warum verlangt WeChat bei der Registrierung eine Bestätigung durch einen anderen Nutzer?
Neue Konten mit ausländischer Nummer werden manchmal zur Sicherheitsprüfung geschickt, bei der ein bestehender WeChat-Nutzer einen QR-Code scannt. Nicht jedes Konto kommt in diese Schleife. Wer Bekannte mit WeChat hat, bittet sie vorab um Hilfe.
Was kostet das Bezahlen mit WeChat Pay und ausländischer Karte?
Kleine Beträge sind gebührenfrei, bei größeren fällt ein Prozentsatz an. Die aktuellen Grenzen stehen auf der Seite Bezahlen in China. Hinzu kommen gegebenenfalls Entgelte der eigenen Bank.
Funktioniert WeChat Pay auch in Hongkong und Macau?
Die Festlandversion von WeChat Pay wird in Hongkong und Macau nur in einem Teil der Geschäfte angenommen, dort sind eigene Systeme verbreitet. Kreditkarten und in Hongkong die Octopus-Karte sind die verlässlicheren Wege.
Muss die Kreditkarte auf den eigenen Namen laufen?
Ja. Der Name auf der Karte sollte zum Namen passen, mit dem das Konto per Pass verifiziert wurde. Eine Partnerkarte auf einen anderen Namen führt häufig zu einer Ablehnung.
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