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Wasserstädte im Yangtze-Delta: Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen, Xitang

Kanäle statt Straßen, Bogenbrücken aus Stein, Häuser mit Treppen zum Wasser: Die alten Handelsorte südlich des Yangtze liegen alle in Reichweite von Shanghai. Welcher sich für wen eignet und wie man der Menge ausweicht.

RedaktionAktualisiert September 2026

Beispielroute: 14 Tage China

Zeichnung in Tusche zum Thema: Wasserstädte im Yangtze-Delta: Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen, Xitang
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In Tongli laufen Brautpaare an ihrem Hochzeitstag über drei Brücken hintereinander: die Taiping-Brücke, die Jili-Brücke und die Changqing-Brücke, deren Namen sich mit Frieden, Glück und langer Feier übersetzen lassen. Die drei liegen so nah beieinander, dass man die Runde in wenigen Minuten schafft. Wer an einem Samstagvormittag kommt, sieht mitunter mehrere Hochzeitsgesellschaften nacheinander, begleitet von Fotografen und Verwandten, die Sonnenschirme halten.

Die kleinen Orte zwischen Shanghai, Suzhou und Hangzhou sind seit Jahrhunderten vom Wasser geprägt. Das Delta des Yangtze ist flach, von Kanälen, Seen und Flussarmen durchzogen, und bevor es Straßen gab, lief der Handel mit Reis, Seide und Salz über das Wasser. Wohlhabende Kaufleute und pensionierte Beamte bauten hier ihre Häuser, oft mit einem eigenen Garten und einer Treppe zum Kanal. Diese Bebauung ist in einigen Orten erhalten geblieben, restauriert und inzwischen zu einem der meistbesuchten Ausflugsziele Chinas geworden.

Warum gerade diese Orte erhalten blieben

Der Wohlstand der Wasserstädte hing am Kanal. Als im 20. Jahrhundert Eisenbahnen und Straßen den Warenverkehr übernahmen, verloren viele von ihnen ihre Bedeutung. Die großen Städte wuchsen, rissen ihre Altstädte ab und bauten neu. In den kleinen Orten fehlte dafür schlicht das Geld. Paradoxerweise ist es also der wirtschaftliche Niedergang, dem man die erhaltenen Brücken und Häuser verdankt. Als in den 1980er und 1990er Jahren der Tourismus einsetzte, war die Bausubstanz alt, oft verfallen, aber vorhanden. Seitdem wurde viel restauriert, manches rekonstruiert, einiges ganz neu im alten Stil gebaut. Wer genau hinsieht, erkennt an Ziegeln, Holz und Fugen, was echt alt ist und was nicht.

Vier Orte, vier Charaktere

Man sollte die Wasserstädte nicht für austauschbar halten, auch wenn Fotos von Brücken und Laternen überall ähnlich aussehen. Die Unterschiede liegen in der Größe, im Verhältnis von bewohnter Altstadt und Kulisse und in der Anbindung.

OrtProvinzBesonderheitAnreise ab Shanghai
TongliJiangsu (Suzhou)Tuisi-Garten, drei Glücksbrücken, noch bewohntSchnellzug bis Suzhou, dann Bus oder Taxi
ZhouzhuangJiangsu (Kunshan)Doppelbrücke, Häuser der Familien Shen und ZhangSchnellzug bis Kunshan, dann Bus oder Taxi
WuzhenZhejiang (Tongxiang)Ost- und Westteil, abends beleuchtet, TheaterfestivalSchnellzug bis Tongxiang, dann Bus oder Taxi
XitangZhejiang (Jiashan)überdachte Wandelgänge am WasserSchnellzug bis Jiashan, dann Bus oder Taxi
ZhujiajiaoShanghai (Qingpu)Fangsheng-Brücke, am leichtesten erreichbarMetro-Linie 17

Tongli: Garten, Brücken und Alltag

Tongli liegt am Ostufer des Taihu-Sees, auf dem Gebiet der Stadt Suzhou. Der Ort ist von Kanälen in mehrere Inseln geteilt, die durch Dutzende Steinbrücken verbunden sind. Die älteste stammt aus der Song-Dynastie. Viele Wohnhäuser gehen auf die Ming- und Qing-Zeit zurück, mit weiß gekalkten Mauern, grauen Ziegeln und geschwungenen Dachkanten.

Das wichtigste Bauwerk ist der Tuisi-Garten, der Garten des Rückzugs und der Besinnung. Ihn ließ der Beamte Ren Lansheng in den Jahren 1885 bis 1887 anlegen, nachdem er aus dem Amt entlassen worden war. Der Garten ist so gebaut, dass Wohnbereich und Gartenteil nebeneinander liegen und das Wasser fast bis an die Pavillons reicht. Seit dem Jahr 2000 gehört er zur Welterbestätte der klassischen Gärten von Suzhou, gemeinsam mit den großen Gärten der Stadt selbst.

Tongli wirkt lebendiger als manche Nachbarorte, weil hier noch Menschen wohnen. Morgens wird am Kanal Gemüse gewaschen, abends sitzen ältere Leute vor den Häusern. Das ist kein Argument gegen die anderen Orte, aber es verändert den Eindruck. Wer eine Wasserstadt nur für Fotos besucht, merkt den Unterschied kaum. Wer bleibt und am Abend durch die Nebengassen läuft, merkt ihn deutlich.

Zhouzhuang: bekannt geworden durch ein Gemälde

Zhouzhuang bei Kunshan wird oft als die erste Wasserstadt bezeichnet, die touristisch erschlossen wurde. Bekannt ist vor allem die Doppelbrücke, zwei im rechten Winkel verbundene Steinbrücken aus der Ming-Zeit. Der Maler Chen Yifei machte sie in den 1980er Jahren mit einem Ölgemälde international bekannt, und seitdem gilt das Motiv als Sinnbild der Wasserstädte schlechthin.

Sehenswert sind außerdem zwei große Wohnanlagen: das Haus der Familie Shen, Nachfahren des legendär reichen Kaufmanns Shen Wansan, und das ältere Haus der Familie Zhang. Beide zeigen, wie weit sich ein Kaufmannshaus hinter einer schmalen Fassade nach hinten erstreckte, Hof um Hof, mit Anlegestelle am Wasser.

Die Kehrseite des Ruhms ist der Andrang. Zhouzhuang ist an Wochenenden so voll, dass man die Brücken kaum ohne Wartezeit überqueren kann. Wer den Ort sehen will, kommt sehr früh oder übernachtet.

Wuzhen: zwei Hälften, eine davon wie ein Bühnenbild

Wuzhen gehört zur Stadt Tongxiang in der Provinz Zhejiang. Der Ort besteht aus zwei getrennt besuchbaren Teilen. Der Ostteil, Dongzha, ist kleiner, älter im Eindruck und mit Werkstätten für Blaudruck, Reiswein und Kräuterapotheken bestückt. Der Westteil, Xizha, wurde großflächig restauriert und ist heute eine gepflegte Anlage mit Gästehäusern, Restaurants und abendlicher Beleuchtung. Abends, wenn sich die Lichter im Wasser spiegeln, ist Xizha zweifellos die fotogenste aller Wasserstädte. Dass es sich dabei um eine sorgfältig inszenierte Anlage handelt, sieht man trotzdem.

In Wuzhen wurde der Schriftsteller Mao Dun geboren, dessen Elternhaus besichtigt werden kann. Seit 2013 findet im Ort ein Theaterfestival statt, seit 2014 die Weltinternetkonferenz, für die am Rand der Altstadt ein Kongresszentrum gebaut wurde. Dieser Kontrast, Blaudruckwerkstatt auf der einen Kanalseite und Konferenztechnik ein paar hundert Meter weiter, sagt einiges über das heutige China.

Xitang: die überdachten Wandelgänge

Xitang in der Nähe von Jiashan ist bekannt für seine überdachten Gänge, die sich über eine lange Strecke am Wasser entlangziehen. Sie schützten ursprünglich Händler und Kunden vor Regen und Sonne. Heute sitzen darunter Restaurants und Bars, abends hängen rote Laternen. Xitang ist bei jungen chinesischen Reisenden beliebt und hat ein etwas lockereres Nachtleben als die anderen Orte.

Europäische Kinogänger kennen Xitang, ohne es zu wissen: Einige Szenen von „Mission: Impossible III“ wurden 2006 hier gedreht.

Zhujiajiao: die Wasserstadt mit Metroanschluss

Zhujiajiao liegt im Shanghaier Stadtbezirk Qingpu und ist seit der Eröffnung der Metrolinie 17 ohne Umsteigen auf Busse erreichbar. Die fünfbögige Fangsheng-Brücke ist die bekannteste Brücke des Ortes. Zhujiajiao ist kleiner und weniger aufwendig restauriert als Wuzhen, aber für einen halben Tag ohne großen Aufwand die beste Wahl. Wer nur wenig Zeit in Shanghai hat, ist hier richtig; eine Übersicht über die Stadt selbst steht auf der Seite zu Shanghai.

Anreise von Shanghai

Für alle Orte außer Zhujiajiao bietet sich die Kombination aus Schnellzug und Taxi an. Suzhou ist von Shanghai aus mit dem Schnellzug in rund einer halben Stunde erreichbar, Kunshan noch schneller. Tongxiang und Jiashan liegen an der Strecke nach Hangzhou. Vom Bahnhof fährt man mit Taxi, Fahrdienst oder Linienbus weiter zur Altstadt, was je nach Ort eine Viertel- bis eine Dreiviertelstunde dauert. Tickets bucht man mit dem Reisepass; wie das funktioniert, steht bei den Zugtickets über 12306, allgemeine Informationen zum Netz unter Zugfahren in China.

Es gibt auch Ausflugsbusse, die ab Shanghai direkt zu den Wasserstädten fahren und am Abend zurückkehren. Sie sind bequem, bringen einen aber genau dann an, wenn alle anderen auch ankommen. Mit Fahrer und Mietwagen lassen sich zwei Orte an einem Tag verbinden, etwa Zhouzhuang am Morgen und Tongli am Nachmittag. Mehr als zwei an einem Tag ergeben wenig Sinn, weil man dann vor allem im Auto sitzt.

Die Menge: wann man kommt, wann man lieber bleibt

Die bekannten Wasserstädte gehören zu den meistbesuchten Ausflugszielen im Osten Chinas. An normalen Werktagen außerhalb der Ferien ist der Andrang erträglich. An Wochenenden, während der Sommerferien und in den großen Feiertagswochen ist er so groß, dass man in den Hauptgassen nur im Schritttempo vorankommt. Besonders heikel sind die Goldene Woche um den Nationalfeiertag und die Tage um das Frühlingsfest; wie diese Zeiten den Reiseverkehr prägen, beschreibt die Seite zum Reisen um das chinesische Neujahr.

Innerhalb eines Tages ist das Muster einfach. Die Busgruppen kommen am späten Vormittag und fahren am späten Nachmittag. Davor und danach ist der Ort ein anderer. Wer übernachtet, hat den frühen Morgen, wenn Nebel über den Kanälen liegt und die Läden noch geschlossen sind, und den Abend, wenn die Laternen angehen. Eine Übernachtung in einem der kleinen Gästehäuser in der Altstadt ist deshalb die beste Einzelentscheidung für einen Besuch. Worauf man bei der Buchung achtet, besonders bei der Frage, ob ein Haus Ausländer aufnehmen darf, steht auf der Seite zum Hotelzimmer buchen in China.

Das Wetter spielt mit. Im Frühling und Herbst ist es angenehm, im Juni und Juli regnet es häufig, und im Hochsommer ist die Luft über dem Wasser schwül und voller Mücken. Der Winter ist ruhig, feucht und grau, hat aber den Vorteil, dass kaum jemand kommt.

Die Nachbarn: Suzhou und Hangzhou

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Oben ist das Paradies, unten sind Suzhou und Hangzhou. Beide Städte liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Wasserstädte und lassen sich mit ihnen gut kombinieren.

Suzhou ist die Stadt der klassischen Gärten. Der Garten des bescheidenen Beamten, der Garten des Verweilens und der kleine Garten des Meisters der Netze gehören seit 1997 zum Weltkulturerbe, andere Gärten kamen 2000 hinzu. Man sollte nicht mehr als zwei oder drei an einem Tag ansehen, sonst verschwimmen die Eindrücke. Ergänzend lohnt das Suzhou Museum, ein Bau des Architekten I. M. Pei, der die Formensprache der Gärten mit moderner Geometrie verbindet. Suzhou hat außerdem selbst Kanäle, etwa entlang der Pingjiang Road, die mit weniger Aufwand einen ähnlichen Eindruck vermitteln wie eine Wasserstadt.

Hangzhou ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang und liegt am Westsee, dessen Kulturlandschaft 2011 zum Welterbe erklärt wurde. Dämme, Pagoden, Tempel wie das Lingyin-Kloster und die Teeplantagen von Longjing in den Hügeln machen Hangzhou zu einem Ziel für mindestens einen vollen Tag. Hangzhou eignet sich als Übernachtungsort für Wuzhen und Xitang, die von dort ähnlich schnell erreichbar sind wie von Shanghai.

Wer weiter nach Westen fährt, erreicht mit dem Schnellzug Nanjing, die alte Hauptstadt am Yangtze. Der Konfuzius-Tempel am Qinhuai-Fluss liegt dort ebenfalls an einem Kanal, allerdings mitten in einer Großstadt; mehr dazu auf der Seite zum Konfuzius-Tempel in Nanjing.

Der Große Kanal im Hintergrund

Fast unbemerkt fließt durch diese Landschaft der Kaiserkanal, der Peking mit Hangzhou verbindet und seit 2014 als Welterbe geführt wird. Die Wasserstädte waren über ihre Nebenkanäle an diese Hauptader angeschlossen; auf ihr fuhren Getreidelieferungen nach Norden, und über sie kam das Geld zurück, mit dem die Kaufmannshäuser gebaut wurden. Auf dem Kanal verkehren bis heute Lastkähne, oft in langen Schleppverbänden. Man sieht sie von den Brücken in Suzhou oder Hangzhou, schwer beladen mit Sand und Baumaterial.

Vor Ort: Essen, Boote, Kleinigkeiten

In jeder Wasserstadt gibt es lokale Spezialitäten, die überall an den Ständen verkauft werden: geschmorte Schweinshaxe in Zhouzhuang und Tongli, Reiswein und eingelegtes Gemüse in Wuzhen, kleine Reiskuchen in Xitang. Die Stände in den Hauptgassen sind teurer als die kleinen Lokale am Ortsrand, aber nicht schlechter.

Die Bootsfahrten mit gestakten Holzbooten dauern meist eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde und führen durch die Hauptkanäle. Am Nachmittag, wenn das Licht flach über das Wasser fällt, sind sie am schönsten. Wer vom Boot aus fotografieren will, setzt sich an den Bug, weil der Bootsmann am Heck steht.

Die Gassen sind schmal und oft mit unebenem Steinpflaster belegt. Rollkoffer machen hier keinen Spaß; wer übernachtet, lässt das große Gepäck im Hotel in Shanghai oder Suzhou und kommt mit einer Tasche.

FAQHäufige Fragen

Welche Wasserstadt ist die schönste?

Die Frage entscheidet sich an der Erwartung. Wuzhen, genauer der Westteil Xizha, ist am gepflegtesten und abends am stimmungsvollsten, wirkt aber wie eine Anlage. Tongli ist lebendiger und hat mit dem Tuisi-Garten einen Welterbe-Garten. Xitang hat die langen überdachten Wandelgänge. Zhouzhuang ist am bekanntesten und deshalb am vollsten.

Kann man eine Wasserstadt als Tagesausflug von Shanghai besuchen?

Ja. Zhujiajiao ist mit der Metro erreichbar, Tongli, Zhouzhuang, Wuzhen und Xitang mit Schnellzug und anschließendem Taxi oder Bus, oder mit Ausflugsbussen ab Shanghai. Stimmungsvoller ist eine Übernachtung, weil die Orte am Abend leerer werden.

Wann sind die Wasserstädte am wenigsten überlaufen?

Unter der Woche, außerhalb der Schulferien und der großen Feiertagswochen, früh am Morgen und nach etwa 17 Uhr, wenn die Tagesgruppen abreisen. An Wochenenden und in der Goldenen Woche um den Nationalfeiertag sind alle bekannten Orte sehr voll.

Kostet der Besuch Eintritt?

Mehrere Orte verlangen für den historischen Kern oder für die Sehenswürdigkeiten darin ein Kombiticket, andere nur für einzelne Häuser und Gärten. Aktuelle Bedingungen und Preise vor Ort oder beim Betreiber prüfen; für manche Tickets wird der Reisepass verlangt.

Lohnt sich eine Bootsfahrt auf den Kanälen?

Für eine kurze Runde ja, vor allem am späten Nachmittag. Die Boote werden mit einem Heckruder gestakt, die Fahrten sind kurz und führen unter den bekanntesten Brücken durch. Wer knapp bei Zeit ist, sieht die Brücken zu Fuß genauso gut.

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