Neun Drachen winden sich über eine Wand von rund 45 Metern Länge und acht Metern Höhe, zusammengesetzt aus farbig glasierten Ziegeln: gelb, grün, violett und blau über einem Meer aus stilisierten Wellen. Vor der Wand liegt ein flaches Becken, in dem sich die Figuren spiegeln, wenn das Wasser ruhig ist. So war es gedacht, und so funktioniert es an windstillen Tagen noch heute.
Wofür wurde die Wand gebaut?
Die Wand entstand gegen Ende des 14. Jahrhunderts, in den ersten Jahrzehnten der Ming-Dynastie. Sie stand vor dem Palast von Zhu Gui, dem dreizehnten Sohn des Dynastiegründers Zhu Yuanzhang, der als Prinz von Dai in Datong residierte. Eine solche Geisterwand, chinesisch Zhaobi, sollte den Eingang abschirmen und böse Einflüsse fernhalten, die sich der Vorstellung nach nur geradeaus bewegen. Der Palast brannte später ab, die Ziegelwand blieb stehen.
Beim genauen Hinsehen lohnt der Sockel: Zwischen den Drachen und dem Boden sind kleine Tierreliefs eingelassen, die man leicht übersieht, weil der Blick an den großen Figuren hängen bleibt.
Datong als Ganzes
Datong liegt im Norden der Provinz Shanxi, nahe der alten Grenze zur Steppe, und war mehrfach Hauptstadt: unter den Nördlichen Wei im 5. Jahrhundert und später als Nebenhauptstadt der Liao und Jin. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Gegend sind die Yungang-Grotten westlich der Stadt, buddhistische Höhlentempel der Nördlichen Wei mit Tausenden Figuren, seit 2001 UNESCO-Welterbe. Wer sich für den Hintergrund interessiert, findet ihn unter Religionen Chinas. In der Altstadt selbst stehen außerdem der Huayan-Tempel aus der Liao-Zeit und die Stadtmauer.
Diese Stadtmauer ist eine Geschichte für sich. Sie wurde ab den späten 2000er Jahren in großem Stil wieder aufgebaut, Teil eines Stadtumbaus, der ganze Wohnviertel verdrängte. Der Dokumentarfilm “The Chinese Mayor” hat diesen Umbau begleitet und zeigt, wie umstritten er vor Ort war. Die Mauer, auf der man heute spazieren geht, ist also größtenteils neu.
Anreise und Reisezeit
Datong ist von Peking aus mit dem Schnellzug erreichbar, seit die Strecke über Zhangjiakou verlängert wurde; zuvor war es eine lange Fahrt. Details zu Buchung und Bahnhöfen stehen unter Zugfahren in China. In der Umgebung verlaufen Abschnitte der Ming-Mauer, die weit weniger besucht sind als die bei Peking, siehe Chinesische Mauer.
Die Winter in Datong sind lang, trocken und bitterkalt. Wer im Januar kommt, braucht Kleidung wie für einen mitteleuropäischen Hochwinter, eher mehr, siehe Kleidung nach Saison. Einordnung der Region im Land: China im Überblick.
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor Ort oder beim Betreiber prüfen. Für das Hängende Kloster am Heng Shan südöstlich der Stadt lohnt ein früher Start, denn die schmalen Stege an der Felswand füllen sich ab dem späten Vormittag.
FAQHäufige Fragen
Wie viel Zeit braucht man in Datong?
Für Neun-Drachen-Wand, Altstadt und die Yungang-Grotten reichen ein bis zwei Tage. Wer das Hängende Kloster am Heng Shan und die Holzpagode von Yingxian dazunimmt, plant einen weiteren Tag ein.
Welche Neun-Drachen-Wand ist die größte?
Die in Datong gilt als die größte und älteste der drei bekannten Glasurwände dieser Art in China. Die beiden anderen stehen in Peking, im Beihai-Park und im Kaiserpalast.
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