Im Juni 1998 stand Bill Clinton mit seiner Familie auf der Mauer von Mutianyu, und im März 2014 kam Michelle Obama mit ihren Töchtern, die anschließend mit der Rodelbahn ins Tal fuhren. Beide Besuche hatten einen praktischen Grund: Mutianyu ist gut restauriert, gut zu sichern und bietet Bilder, auf denen sich die Mauer über bewaldete Hügel zieht, ohne dass Tausende Besucher im Hintergrund stehen. Genau das ist bis heute der Grund, warum viele Reisende diesen Abschnitt wählen.
Mutianyu liegt im Bezirk Huairou, gut 70 Kilometer nordöstlich des Pekinger Zentrums. Die ersten Befestigungen an dieser Stelle gehen auf die Nördliche Qi im 6. Jahrhundert zurück. Das heutige Bild stammt aus der Ming-Zeit, als die Mauer hier mit Stein und Ziegeln ausgebaut wurde, um die Zugänge zur Hauptstadt aus dem Norden zu sichern.
Was Mutianyu von anderen Abschnitten unterscheidet
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens die Landschaft: Die Hügel sind dicht bewaldet, im Frühling grün, im Herbst rot und gelb, und die Mauer folgt dem Kamm in engen Kurven. Zweitens die Bauweise. An den meisten Mauerabschnitten gibt es Zinnen nur auf der Außenseite, die nach Norden zeigt. In Mutianyu stehen sie auf beiden Seiten. Das deutet darauf hin, dass man auch mit Angriffen rechnete, die schon über die Linie gekommen waren.
Der restaurierte Teil zieht sich über mehrere Kilometer und hat Wachtürme in dichter Folge. Die Restaurierung fand in den 1980er-Jahren statt, danach wurde der Abschnitt für Besucher geöffnet. Gemessen an Badaling ist Mutianyu dennoch zurückhaltend erschlossen: Auf der Mauer gibt es keine Geschäfte, und die Infrastruktur konzentriert sich im Tal.
Am westlichen Ende des restaurierten Teils wird die Mauer sehr steil. Der Abschnitt, der dort über einen scharfen Grat nach oben führt, wird Niujiaobian genannt, Ochsenhorn, nach seiner Form. Dahinter beginnt unrestaurierte Mauer, die in Richtung Jiankou weiterläuft und offiziell nicht zur Besichtigung freigegeben ist. Am östlichen Ende geht die Mauer ebenfalls in einen weniger gepflegten Abschnitt über. Wer den gesamten restaurierten Teil abgehen will, braucht mehrere Stunden und gute Kondition.
Seilbahn, Sessellift und Rodelbahn
In Mutianyu gibt es zwei Möglichkeiten, ohne Treppensteigen auf die Mauer zu kommen: eine Seilbahn und einen Sessellift. Sie führen zu verschiedenen Punkten der Mauer, und das ist für die Planung wichtig.
Die Seilbahn mit geschlossenen Kabinen führt zu einem Punkt weiter westlich, von dem aus man in beide Richtungen gehen kann. Sie eignet sich für alle, die bequem nach oben wollen und einen längeren Spaziergang auf der Mauer planen. Der Sessellift führt zu einem Punkt weiter östlich. Von dort aus gibt es auch eine Rodelbahn nach unten, eine Metallrinne, in der man in kleinen Schlitten ins Tal fährt. Sie ist bei Kindern sehr beliebt, an vollen Tagen bilden sich lange Schlangen, und bei Regen ist sie oft geschlossen.
Eine übliche Kombination ist, mit der Seilbahn hinaufzufahren, auf der Mauer nach Osten zu gehen und mit dem Sessellift oder der Rodelbahn hinunterzufahren. Ob das mit den jeweiligen Tickets möglich ist, sollte man am Schalter klären, weil die Regelungen sich ändern. Aktuelle Betriebszeiten und Preise stehen vor Ort oder beim Betreiber.
Wer zu Fuß aufsteigen will, kann das über Treppenwege durch den Wald tun. Der Aufstieg dauert je nach Kondition eine halbe bis eine ganze Stunde. Es gibt Tausende Stufen, unregelmäßig hoch, und im Sommer ist das anstrengend. Der Abstieg zu Fuß ist für die Knie härter als der Aufstieg.
Ein Rundgang in drei Stunden
Wer mit der Seilbahn hinauffährt, steht an einem der Wachtürme im mittleren Teil des restaurierten Abschnitts. Von dort lohnt es sich, zuerst nach Westen zu gehen, solange die Beine frisch sind. Die Mauer steigt in diese Richtung stetig an, einige Passagen sind so steil, dass man die Hände zu Hilfe nimmt. Nach etwa einer Stunde erreicht man den letzten zugänglichen Turm vor dem Ochsenhorn, von dem aus man den Grat sieht, über den die unrestaurierte Mauer weiterläuft.
Dann geht es zurück und am Ausgangspunkt vorbei nach Osten. Dieser Teil ist flacher, die Türme stehen näher beieinander, und der Blick geht über das Tal und die Dächer der Dörfer. Nach einer weiteren Stunde erreicht man die Bergstation des Sessellifts, von wo aus die Rodelbahn oder der Lift nach unten führen. Wer lieber zu Fuß absteigt, nimmt einen der Treppenwege. So ergibt sich ein Rundgang von rund drei Stunden, mit Pausen in den Türmen und ohne Hetze.
Wer weniger Zeit oder Kraft hat, geht von der Bergstation nur in eine Richtung bis zum zweiten oder dritten Turm und zurück. Auch das reicht für den Eindruck, auf der Mauer gestanden zu haben, und für die Fotos, die man mitnehmen will.
Fotografieren auf der Mauer
Das beste Licht gibt es am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn die Sonne flach über die Hügel fällt und die Mauer Schatten wirft. Zur Mittagszeit ist das Licht hart, im Sommer zusätzlich oft diesig. Die klassische Perspektive zeigt die Mauer, wie sie sich über mehrere Türme hinweg über den Kamm windet, und sie gelingt am besten von den höher gelegenen Türmen im Westen aus, mit Blick zurück nach Osten.
Drohnen sind im Raum Peking stark reglementiert, und an der Mauer sollte man ohne ausdrückliche Genehmigung keine starten. Ein Stativ ist erlaubt, stört auf den schmalen Wegen an vollen Tagen aber schnell. Wer Menschen auf den Bildern vermeiden will, kommt früh oder geht weit genug von den Bergstationen weg.
Wie man nach Mutianyu kommt
Vom Zentrum Pekings dauert die Fahrt mit dem Auto je nach Verkehr eineinhalb bis zwei Stunden. Die meisten Reisenden fahren mit einem über die App gerufenen Wagen oder einem Mietwagen mit Fahrer, der vor Ort wartet. Das ist die bequemste Lösung, weil die Rückfahrt gesichert ist. Die Apps dafür stehen unter Amap, Didi und Metro.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es möglich, aber umständlicher. Busse fahren vom Verkehrsknoten Dongzhimen nach Huairou, dort muss man umsteigen. Die genauen Linien und Abfahrtszeiten ändern sich, und am Wochenende gibt es zeitweise direkte Ausflugsbusse. Wer so fährt, sollte früh aufbrechen und die letzte Rückfahrt kennen.
Vom Parkplatz aus erreicht man das Besucherzentrum, von dort führt ein Pendelbus zum Fuß der Mauer, wo Seilbahn, Sessellift und Treppenwege beginnen. Zwischen Parkplatz und Mauer liegt eine Ladenstraße mit Restaurants und Souvenirständen, die man auf dem Rückweg noch einmal durchquert.
Wann Mutianyu am schönsten ist
Die beste Zeit ist der Herbst. Ab Mitte Oktober färben sich die Wälder, die Luft ist klar, und die Sicht reicht weit über die Hügel. Das ist die Zeit, in der die bekanntesten Fotos entstehen. Die erste Oktoberwoche sollte man meiden, weil dann die Feiertagswoche ganz China auf Reisen schickt.
Im Frühling, etwa im April, blühen an den Hängen Wildkirschen und Aprikosen, und die Wälder beginnen zu grünen. Das ist die zweitbeste Zeit, nur Wind und gelegentlicher Staub aus dem Norden können stören. Der Sommer ist heiß und oft diesig, mit Gewittern am Nachmittag. Dafür ist der Wald dicht und grün, und auf der Mauer weht meist ein Wind, der es erträglich macht.
Der Winter hat seinen eigenen Reiz. Nach einem Schneefall liegt die Mauer weiß über den dunklen Hügeln, und die Zahl der Besucher sinkt stark. Es ist dann allerdings sehr kalt und windig, und die Stufen können vereist sein. Mehr zu den Monaten steht unter Beste Reisezeit China, die passende Kleidung unter Kleidung und Packliste.
Andrang und wie man ihm ausweicht
Mutianyu ist ruhiger als Badaling, aber nicht leer. An Wochenenden und in den Ferien kommen große Gruppen, vor allem ab dem späten Vormittag. Wer vor neun Uhr oben ist, hat die Mauer für eine Weile fast für sich. Werktage außerhalb der Ferien sind deutlich angenehmer als Wochenenden.
Die meisten Besucher bleiben nahe den Bergstationen von Seilbahn und Sessellift. Wer zehn Minuten in eine Richtung geht, lässt den größten Teil der Menschen hinter sich. Nach Westen wird es steiler und ruhiger, und der Blick auf die Mauer, die sich über den Kamm zieht, ist dort am schönsten. Die Wachtürme in diesem Teil sind gute Rastplätze.
An Feiertagen gilt das nicht. In der ersten Oktoberwoche, rund um das Frühlingsfest und an langen Wochenenden kann es auch in Mutianyu eng werden, mit Schlangen an den Bahnen und im Pendelbus. Wer in dieser Zeit in Peking ist, verschiebt den Mauerbesuch auf einen Werktag davor oder danach, oder wählt einen weniger bekannten Abschnitt wie Huanghuacheng.
Was man mitnehmen sollte
Auf der Mauer selbst gibt es kaum Versorgung. Wasser, etwas zu essen und im Sommer Sonnenschutz gehören in den Rucksack. Schuhe mit gutem Profil sind wichtig, weil die Stufen unregelmäßig und die Steine glatt gelaufen sind. Im Frühling und Herbst ist eine Jacke ratsam, weil es oben windig ist und die Temperatur deutlich unter der in der Stadt liegt.
Den Reisepass sollte man dabeihaben. Mehrere Mauerabschnitte arbeiten mit Online-Reservierungen auf den Namen, und der Pass kann am Eingang verlangt werden. Bezahlt wird im Besucherzentrum meist per QR-Code in den großen Bezahl-Apps, Bargeld wird aber in der Regel ebenfalls angenommen.
Mutianyu mit anderen Zielen verbinden
Der Bezirk Huairou hat mehr zu bieten als die Mauer. Nicht weit entfernt liegt der buddhistische Tempel Hongluo am Fuß eines bewaldeten Berges, einer der älteren Tempel der Region, und am Yanqi-See, wo 2014 das APEC-Gipfeltreffen stattfand, gibt es Uferwege. Beides lässt sich mit einem Wagen, der den ganzen Tag zur Verfügung steht, gut an den Mauerbesuch anschließen. Wer zwei Mauerabschnitte vergleichen will, fährt am Nachmittag weiter nach Huanghuacheng, das ebenfalls in Huairou liegt.
Die meisten Reisenden kehren aber am Nachmittag nach Peking zurück und verbinden den Tag mit einem Abend in der Stadt. Wie sich der Mauertag in einen Aufenthalt von vier bis sechs Tagen fügt, steht unter Peking, der Vergleich mit Badaling, Jinshanling und den übrigen Abschnitten unter Chinesische Mauer.
Das Dorf unter der Mauer
Unter dem Besucherzentrum liegen die Dörfer, von denen der Abschnitt seinen Namen hat. Die Gegend um Mutianyu ist für ihre Esskastanien bekannt, und im Herbst werden sie an Ständen am Straßenrand geröstet verkauft. In den letzten Jahrzehnten haben sich in einigen Dörfern Gasthäuser und kleine Hotels angesiedelt, oft in umgebauten Bauernhäusern, und manche Ausländer haben sich hier dauerhaft niedergelassen.
Wer über Nacht bleibt, erlebt die Mauer am frühen Morgen, bevor die ersten Busse aus Peking ankommen, und am Abend, wenn die Hügel im letzten Licht liegen. Das ist ein anderer Ort als der Mittag mit den Gruppen. Und wer im Herbst über die Dorfstraße zurückgeht, riecht die Kastanien schon von Weitem, lange bevor er die Stände sieht.
FAQHäufige Fragen
Wie kommt man in Mutianyu auf die Mauer?
Zu Fuß über Treppen, mit der Seilbahn oder mit dem Sessellift. Beide Bahnen führen zu unterschiedlichen Punkten der Mauer. Vom Sessellift-Abschnitt führt zusätzlich eine Rodelbahn wieder hinunter. Aktuelle Betriebszeiten und Preise vor Ort oder beim Betreiber prüfen.
Wie viel Zeit sollte man für Mutianyu einplanen?
Auf der Mauer selbst zwei bis vier Stunden. Mit An- und Abreise aus Peking wird daraus ein ganzer Tag, als Halbtagesausflug ist Mutianyu nur mit sehr frühem Aufbruch sinnvoll.
Ist Mutianyu mit Kindern geeignet?
Ja, besser als die meisten anderen Abschnitte. Die Bahnen ersparen den Aufstieg, der restaurierte Teil ist gut begehbar, und die Rodelbahn ist für viele Kinder der Höhepunkt. Auf der Mauer selbst gibt es aber steile Treppen ohne Geländer an jeder Stufe.
Wann ist Mutianyu am wenigsten voll?
Werktags am frühen Morgen, bald nach Öffnung. Die großen Reisegruppen kommen meist ab dem späten Vormittag. Wochenenden, Schulferien und die Feiertagswochen sind die vollsten Zeiten.
Mutianyu oder Badaling?
Für die meisten Mutianyu: schönere Landschaft, weniger Menschen, gleich gute Erschließung. Badaling ist nur dann im Vorteil, wenn man mit dem Zug fahren will und wenig Zeit hat. Der Vergleich aller Abschnitte steht unter Chinesische Mauer.
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