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Kultur & Feste

Das chinesische Laternenfest und der Festkalender Chinas

Fünfzehn Tage nach dem chinesischen Neujahr steht der erste Vollmond des Jahres am Himmel, und in den Städten gehen Tausende Laternen an. Das Laternenfest beschließt die Neujahrszeit, und es ist eines der schönsten Feste, die Reisende in China erleben können.

RedaktionAktualisiert September 2026

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Zeichnung in Tusche zum Thema: Das chinesische Laternenfest und der Festkalender Chinas
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Festkalender 2026/2027Stand: 28. September 2026

Als Nächstes: Nationalfeiertag am 1. Oktober 2026 (arbeitsfreie Tage 1.–7. Oktober).

Chinesische Feste nach dem Mondkalender

Fest20262027Arbeitsfrei 2026
Frühlingsfest (Neujahr)17. Februar 20266. Februar 202715.–23. Februar
Laternenfest3. März 202620. Februar 2027kein Feiertag
Qingming (Totenfest)5. April 20265. April 20274.–6. April
Drachenbootfest19. Juni 20269. Juni 202719.–21. Juni
Qixi-Fest19. August 20268. August 2027kein Feiertag
Mondfest (Mittherbstfest)25. September 202615. September 202725.–27. September
Nationalfeiertag1. Oktober 20261. Oktober 20271.–7. Oktober
Doppelneuntes Fest (Chongyang)18. Oktober 20268. Oktober 2027kein Feiertag

Quelle: Travel China Guide (Feiertage) und Liste der Feste nach dem chinesischen Kalender

Auf dem Qinhuai-Fluss in Nanjing treiben an diesem Abend Boote vorbei, deren Dächer mit roten Laternen behängt sind, und über den Brücken rund um den Konfuzius-Tempel drängen sich Familien mit Kindern, die Hasen-, Lotus- oder Drachenlaternen an Stöcken tragen. An Schnüren zwischen den Bäumen hängen Papierstreifen mit Rätseln. Wer eines löst, zeigt die Antwort einem Mann hinter einem Tisch und bekommt eine Kleinigkeit geschenkt. Aus den Garküchen dampfen Töpfe mit Reisbällchen. Das ist das Laternenfest, Yuanxiao jie, der Abschluss der Neujahrszeit und der erste Vollmond des chinesischen Jahres. Der Festkalender oben auf dieser Seite zeigt, wann es und die übrigen großen Feste in den kommenden Jahren stattfinden.

Mit dem deutschen Laternenfest hat es übrigens nichts zu tun: Das Wort bezeichnet hierzulande vor allem den Laternenumzug zu St. Martin im November, während es hier ausschließlich um das Fest nach dem chinesischen Mondkalender geht.

Woher kommt das Laternenfest?

Das Fest ist sehr alt, und es gibt nicht eine, sondern mehrere Ursprungsgeschichten. Eine verbindet es mit dem Han-Kaiser Wudi, der im 2. Jahrhundert v. Chr. Opfer für Taiyi, eine höchste Himmelsgottheit, die ganze Nacht hindurch mit Feuern und Lichtern feiern ließ. Eine zweite erzählt vom Han-Kaiser Mingdi, einem frühen Förderer des Buddhismus, der angeordnet haben soll, am 15. Tag des ersten Monats Laternen zu Ehren Buddhas zu entzünden. Eine dritte ist daoistisch: Der Tag gilt als Geburtstag des Himmelsbeamten, der Glück vergibt, und heißt deshalb auch Shangyuan-Fest.

Welche Geschichte stimmt, lässt sich nicht entscheiden, und wahrscheinlich sind sie alle nachträgliche Deutungen eines älteren Brauchs, den ersten Vollmond mit Licht zu begrüßen. Gesichert ist, dass das Fest in der Tang- und Song-Zeit zu einem der größten Ereignisse des Jahres wurde. Die Hauptstädte hoben für einige Nächte die nächtliche Ausgangssperre auf, und die Straßen waren voller Laternen, Musiker, Akrobaten und Menschen.

Weil in diesen Nächten auch junge Frauen ausgehen durften, die sonst das Haus kaum verließen, wurde das Laternenfest zu einem Fest der Begegnungen. Ein berühmtes Gedicht der Song-Zeit, meist Ouyang Xiu zugeschrieben, erinnert an ein Treffen im letzten Jahr: Der Mond stand über den Weidenzweigen, man traf sich nach der Dämmerung. In diesem Jahr ist der Mond derselbe, die Laternen sind dieselben, aber die Geliebte ist nicht da. Manche Chinesen nennen das Laternenfest deshalb den eigentlichen chinesischen Valentinstag, eine Rolle, die es sich mit dem Qixi-Fest im Sommer teilt.

Laternen, Rätsel und Tangyuan: die Bräuche

Im Mittelpunkt stehen natürlich die Laternen. Traditionell sind es Gerüste aus Bambus, bespannt mit Papier oder Seide und beleuchtet von einer Kerze, heute meist mit Stoff, Kunststoff und LEDs. Es gibt runde rote Palastlaternen, Laternen in Form von Tieren des Tierkreises, Lotusblüten, Fische und die “Laufpferd-Laterne”, in der die aufsteigende Wärme einen inneren Zylinder dreht, sodass Schattenbilder von Reitern an der Außenwand entlanglaufen. Kinder tragen kleine Laternen auf Stöcken, und in vielen Städten entstehen riesige Installationen aus Tausenden Einzelteilen.

Zu den Laternen gehören die Rätsel, dengmi. Sie sind auf Papierstreifen geschrieben und an die Laternen geheftet, und oft spielen sie mit der Form der Schriftzeichen: Man muss ein Zeichen aus seinen Bestandteilen erraten oder eine Redewendung aus einem doppeldeutigen Vers. Für Ausländer ohne gute Chinesischkenntnisse sind sie kaum lösbar, aber es lohnt sich, einem Einheimischen beim Grübeln zuzusehen. Manche Rätsel sind so bekannt, dass die Lösung schon beim Lesen durch die Menge gerufen wird.

Das Festessen sind die gleichnamigen Yuanxiao oder Tangyuan, kleine Bällchen aus Klebreismehl, meist mit schwarzem Sesam, Erdnüssen, roter Bohnenpaste oder Osmanthusblüten gefüllt, in süßem Wasser gekocht. Ihre runde Form und der Name, der an tuanyuan, Wiedervereinigung, erinnert, stehen für die Familie, die zusammensitzt. Im Norden rollt man die festen Füllungsstücke in einem flachen Korb mit Mehl, bis eine Hülle entsteht, im Süden wickelt man den Teig um die Füllung. Supermärkte verkaufen in den Wochen davor tiefgekühlte Packungen in allen Varianten, und an Straßenständen gibt es sie frisch. Mehr zum Essen in China steht im Beitrag über chinesisches Essen.

Dazu kommen Drachen- und Löwentänze, Stelzenläufer, im Norden der Yangge-Tanz mit bunten Tüchern und Fächern und traditionell ein Feuerwerk. Das Feuerwerk ist heute in vielen Stadtzentren eingeschränkt oder verboten, und wer den Knall noch in voller Stärke erleben möchte, muss aufs Land oder in kleinere Städte fahren.

Wo erlebt man das Laternenfest am schönsten?

Die bekannteste Laternenschau des Landes findet in Zigong statt, einer Stadt im Süden Sichuans, die seit Langem für ihre Laternenbauer berühmt ist. Die Anlagen dort sind riesig, mit Drachen, Palästen und Fabelwesen in Gebäudegröße, und die Laternenkunst von Zigong ist als immaterielles Kulturerbe geschützt. Zigonger Werkstätten bauen auch die Laternenschauen, die im Winter in europäischen Zoos und Parks gastieren.

In Nanjing ist der Laternenmarkt am Qinhuai-Fluss rund um den Konfuzius-Tempel der Höhepunkt, eine Tradition, die bis in die Ming-Zeit zurückreicht. In Shanghai hängt der Yuyuan-Garten mit dem umliegenden Basarviertel voller Laternen, in Xi’an wird die mächtige Stadtmauer illuminiert, und in Peking finden in Parks Tempelmärkte und Laternenausstellungen statt, wobei die großen Tempelmärkte der Hauptstadt oft schon in der ersten Neujahrswoche enden.

Praktisch gilt überall dasselbe: Die berühmten Orte sind am Festabend und an den Tagen davor extrem voll. Die Polizei leitet Besucherströme in Einbahnrichtungen, sperrt Brücken zeitweise und schließt Metrostationen bei Überfüllung. Wer es ruhiger mag, besucht die Laternen am Abend vor oder nach dem Festtag oder früh am Abend, wenn es gerade dunkel wird. Für einige Laternenschauen wird Eintritt verlangt; aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor Ort oder beim Betreiber prüfen.

Wer mitmachen möchte, statt nur zuzuschauen, kauft sich an einem der Stände eine kleine Laterne, meist in Form des Tierkreiszeichens des Jahres, und reiht sich in den Strom ein. Niemand erwartet von Besuchern, die Bräuche zu kennen, und wer ein Rätsel mit Hilfe eines Nachbarn löst, hat schnell Gesprächspartner. Himmelslaternen, die man mit einer Flamme aufsteigen lässt, sind in vielen Regionen des Festlands wegen der Brandgefahr verboten.

Außerhalb des Festlands wird ebenfalls gefeiert. In Hongkong gibt es Laternenausstellungen in Parks und an der Uferpromenade, und auf Taiwan ist das Fest mit dem Ort Pingxi verbunden, wo zum Laternenfest Tausende Himmelslaternen mit aufgemalten Wünschen gleichzeitig in den Nachthimmel steigen. Die Bilder davon werden oft für Festlandchina gehalten, stammen aber meist aus Taiwan.

Für die Reiseplanung ist wichtig, dass das Laternenfest kein Feiertag ist, aber noch in die Rückreisewelle nach dem Neujahr fallen kann. Züge und Flüge sind deshalb in den Tagen davor oft ausgebucht. Wer um die Neujahrszeit reist, findet Hinweise zu Chunyun, geschlossenen Geschäften und vollen Zügen im Beitrag über das Reisen rund um das chinesische Neujahr.

Das Festjahr im Überblick: die anderen großen Feste

Die traditionellen Feste Chinas folgen dem Mondkalender und wandern deshalb im westlichen Kalender von Jahr zu Jahr. Einige sind gesetzliche Feiertage, und für die Reiseplanung ist das der wichtigste Unterschied: An Feiertagen fährt halb China, an den anderen Festen läuft der Alltag weiter.

Frühlingsfest

Das Neujahrsfest am ersten Tag des ersten Mondmonats ist das größte Fest des Jahres und zugleich die größte Reisebewegung der Welt, weil Hunderte Millionen Menschen in ihre Heimatorte fahren. Es gibt eine mehrtägige Feiertagswoche, viele Geschäfte schließen, und Züge sind Wochen im Voraus ausgebucht. Familien essen am Vorabend gemeinsam, im Norden gehören Jiaozi dazu, rote Umschläge mit Geld gehen an Kinder und jüngere Verwandte. Alles Weitere steht im Beitrag über das Reisen zum chinesischen Neujahr.

Qingming

Das Fest der Gräber im Frühjahr fällt nicht auf einen Mondtag, sondern auf einen der 24 Sonnenabschnitte des Bauernkalenders. Familien fegen die Gräber der Ahnen, bringen Opfer und machen danach einen Ausflug ins Grüne. Es ist ein kurzer gesetzlicher Feiertag mit vollen Autobahnen. Mehr dazu auf der Seite über das Qingming-Fest.

Drachenbootfest

Am 5. Tag des fünften Monats erinnert das Drachenbootfest an den Dichter Qu Yuan, der sich im 3. Jahrhundert v. Chr. aus Verzweiflung über den Niedergang seines Staates Chu im Fluss Miluo ertränkt haben soll. Die Menschen ruderten hinaus, um ihn zu suchen, und warfen Reis ins Wasser, damit die Fische seinen Körper verschonten. Daraus wurden die Drachenbootrennen und die Zongzi, in Bambusblätter gewickelter Klebreis mit süßer oder herzhafter Füllung. Rennen gibt es auf vielen Flüssen und Seen, besonders im Süden, und das Fest ist ein gesetzlicher Feiertag.

Qixi und das Geisterfest

Am 7. Tag des siebten Monats feiert man das Qixi-Fest, das an die Liebesgeschichte des Kuhhirten und der Weberin erinnert und heute als chinesischer Valentinstag vermarktet wird; mehr dazu auf der Seite über das Qixi-Fest. Eine Woche später, am 15. Tag desselben Monats, folgt das Zhongyuan- oder Geisterfest, an dem nach dem Volksglauben die Geister der Toten zu den Lebenden zurückkehren. Man verbrennt Papiergeld am Straßenrand, stellt Speisen hin und meidet in manchen Regionen nachts das Wasser.

Mondfest

Das Mittherbstfest am 15. Tag des achten Monats ist nach dem Neujahr das wichtigste Familienfest. Man betrachtet den Vollmond, erzählt die Geschichte der Mondgöttin Chang’e und verschenkt Mondkuchen, gefüllt mit Lotuspaste, Nüssen oder salzigem Eigelb, in Schachteln, die mitunter mehr kosten als ihr Inhalt. Es ist ein gesetzlicher Feiertag und liegt oft nahe an der Goldenen Woche um den Nationalfeiertag im Oktober, die kein traditionelles Fest ist, aber die vollste Reisezeit des Herbstes.

Chongyang

Am 9. Tag des neunten Monats, dem Doppelneunten Fest, steigt man traditionell auf Berge oder Anhöhen, trinkt Chrysanthemenwein und denkt an die Älteren. Heute ist der Tag offiziell den Senioren gewidmet, und in Parks finden Wanderungen und Veranstaltungen für ältere Menschen statt. Arbeitsfrei ist er nicht.

Wintersonnenwende

Das Dongzhi-Fest zur Wintersonnenwende taucht in keinem Feiertagskalender auf und wird trotzdem in vielen Familien begangen. Wie Qingming richtet es sich nach dem Sonnenjahr. Im Norden isst man an diesem Tag Jiaozi, weil es heißt, sonst würden einem im Winter die Ohren abfrieren. Im Süden kommen, wie zum Laternenfest, Tangyuan auf den Tisch, und in Teilen Südchinas gilt der Tag als fast so wichtig wie das Neujahr selbst. Für Reisende ist er vor allem an den langen Schlangen vor Teigtaschenläden zu erkennen.

Viele Feste haben einen religiösen Hintergrund, der im Überblick über die Religionen Chinas erklärt wird. Wer beim Laternenfest keinen Laternenmarkt in der Nähe hat, kann sich trotzdem anschließen: In fast jedem Supermarkt stehen dann Kühltruhen voller Tangyuan, und in Hotelrestaurants kommt am Festabend häufig eine kleine Schale davon ungefragt zum Nachtisch.

FAQHäufige Fragen

Wann ist das chinesische Laternenfest?

Am 15. Tag des ersten Monats im chinesischen Mondkalender, also am ersten Vollmond nach dem Neujahrsfest. Im westlichen Kalender fällt es je nach Jahr in den Februar oder in den März. Die genauen Termine der kommenden Jahre zeigt der Festkalender oben auf dieser Seite.

Ist das Laternenfest in China ein Feiertag?

Nein. Anders als das Frühlingsfest, Qingming, das Drachenbootfest und das Mondfest ist das Laternenfest kein gesetzlicher Feiertag. Geschäfte, Behörden und Verkehrsmittel arbeiten normal, gefeiert wird vor allem am Abend.

Was ist der Unterschied zwischen Yuanxiao und Tangyuan?

Beides sind Bällchen aus Klebreismehl mit süßer Füllung. Im Norden heißen sie Yuanxiao und werden hergestellt, indem man feste Füllungsstücke in einem Korb mit trockenem Mehl rollt, bis sich eine Hülle bildet. Im Süden heißen sie Tangyuan, und der Teig wird wie eine Teigtasche um die Füllung gelegt. Beide werden meist in heißem Wasser gekocht und in der Brühe serviert.

Wo sieht man in China die schönsten Laternen?

Bekannt sind die großen Laternenschauen in Zigong in Sichuan, der Laternenmarkt am Konfuzius-Tempel in Nanjing, die Laternen im Yuyuan-Garten in Shanghai und die Illumination auf der Stadtmauer von Xi'an. An den Abenden rund um das Fest sind diese Orte sehr voll, und teilweise wird Eintritt verlangt.

Hat das chinesische Laternenfest etwas mit St. Martin zu tun?

Nein. Beide Feste heißen im Deutschen Laternenfest, haben aber unterschiedliche Ursprünge und finden zu anderen Zeiten statt. Das chinesische Fest markiert den ersten Vollmond des Mondjahres, der deutsche Laternenumzug gehört zum Martinstag im November.

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